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Josef Albers
ausgestelltes Werk:
Homage to the Square
10 Serigrafien
Exemplar Nr. 113 von 125 signierten und nummerierten Exemplaren
Druck: Herbert Geier, Ingolstadt
Edition Keller I, Starnberg 1970
EK Ia – EK Ik
Mappentext:
Josef Albers über seine Ouadrat-Bilder; zitiert in der Albers-Monographie
von Eugen Gomringer, Josef Keller Verlag 1968
„In horizontaler Gliederung ist das kleinste Quadrat genau in der
Mitte und mißt 4x4 Einheiten. Es folgt seitwärts nach links
und nach rechts je eine weitere Einheit für jedes der drei größeren
Quadrate. In vertikaler Teilung folgen unterhalb des Mittenquadrates drei
halbe Einheiten, oberhalb drei Anderthalbeinheiten. So sind die linke
und die rechte Seite. oben und unten in axialer Ausdehnung ausbalanciert.
Die Verlagerung nach unten bedeutet einmal ein zusätzliches Gewicht,
dann aber auch erweiterte Bewegung.
Diese halbkonzentrische Konfiguration umgeht eine vollständige vierseitige
Symmetrie und damit eine vollkommen statische Fixierung.
Wenn man die Diagonalen des Schemas nach innen verlängert, gelangt
man zu einem allen vier Quadraten gemeinsamen Fluchtpunkt anstelle eines
Zentrums. Von dieser Mitte aus wird die horizontale Achse flach, wie gerade,
gelesen.
Die vertikale Achse jedoch mit kleinen und größeren Teilungen
nach unten bzw. nach oben hat verschiedene Lesetempos und wird leicht
gebrochen, doch nicht unterbrochen gelesen.
Diese verschiedenartige Unterteilung der Achsen hebt die Quadrate aus
der Fläche ins Räumliche. Dadurch werden die zuerst flach aussehenden
Unterteilungen zu Stufen.
Obschon diese Stufen sich innerhalb einer Richtung mit gleicher Tiefe
wiederholen, erscheinen sie bald von verschiedener Höhe. Mit solchem
Wechsel von Deutung bereitet der lineare Unterbau die plastische Aktion
der Farbe vor.
Obschon technisch die Farbe ebenmäßig flach, genau von Kontur
zu Kontur reichend, eingefügt ist, erzeugt sie Tiefenwirkung. Denn
in (oder auf) dem unterliegenden Raster ordnen sich die Farben:
Durch Affinität und Kontrast verbinden und trennen sie sich —
in bezug auf Ton wie auf Licht — in Gruppen mannigfacher Art.
Betonung (Dominanz) der Grenzen beeinflußt die Richtung, in der
wir die Farben lesen; konzentrisch oder exzentrisch, aus- oder einwärts
sowie hin oder her.
Wiewohl alle Farben sich nur in den begrenzenden Konturen berühren,
obschon keine Farbe eine andere überdeckt oder überschneidet
— also physisch nur seitwärts, nebenan, auf derselben Ebene
existiert sehen wir die Farben in Wirkung vor- und hintereinander, Ober-
und untereinander, eine oder mehrere Farben ganz oder teilweise deckend.
Sie erscheinen durchsichtig oder durchscheinend — nach oben oder
unten durchdringend.
Eine weitere Überraschung ist, daß eine physisch ebenmäßige
Dichte von Farbe oder Licht zu- oder abnimmt zwischen zwei benachbarten
Konturen, d. h. innerhalb eines homogenen Tones.
So präsentiert die beabsichtigte Interaktion der Farben wieder und
wieder, erneut oder anders, dreidimensionale Wirkungen.
Und doch kann die tatsächliche Zweidimensionalität nie übersehen
werden.
Neben der erstrebten lnteraktion der Farben (gegenseitiger Abwandlung
oder Intensivierung) besteht ein weiteres, davon unabhängiges Ziel.
Es wurde versucht, jeder Farbe trotz ihrer Kooperation mit anderen soweit
als möglich das eigene >Gesicht< zu erhalten — ähnlich
wie es in pompeianischer Farborganisation erscheint.
Wieweit das letztere gelungen ist, bleibt späterem Urteil überlassen.“
für mich – soweit –
muss kunst vorstellen
nicht darstellen
obschon ich
darstellende kunst wie
vorstellende kunst kenne
kunst ist vorerst
vision
nicht expression
vision in der kunst offenbart
einsicht
unser schauen
von welt und leben
expression und stil
zeitgenössischer ausdruck
sind eine unvermeidliche konsequenz
von persönlichkeit
nicht ein ergebnis von stilisierung
nicht von forciertem individualismus
sondern von haltung:
ehrlichkeit bescheidenheit
Josef Albers
Zur Biografie:
Geboren 1888 in Bottrop, gestorben 1976 in New Haven/Connecticut. Deutsch-amerikanischer
Maler und Designer. Nach einer akademischen Ausbildung in Berlin, Essen
und München studierte er am Bauhaus, an das ihn Walter Gropius später
als Lehrer berief. Albers' frühes Werk schließt Glasbilder,
Möbel und abstrakte Gemälde ein. 1933 emigrierte er in die USA,
wo er einen neuen, freien abstrakten Stil entwickelte.
Als Lehrer am Black Mountain College in North Carolina (1933-49) und an
der Yale University Connecticut (1950-59) hatte er großen Einfluss
auf die junge amerikanischen Malerei, vor allem auf die Vertreter der
Op-art. 1983 wurde das Josef-Albers-Museum in Bottrop eröffnet, das
zahlreiche Werke und Dokumente zu seinem Leben und Werk besitzt.
Ihn interessierte insbesondere das Problem der Farbe, was sich in seiner
berühmten Folge „Homage to the Square“ „Huldigung
an das Quadrat“ (ab 1949) manifestiert. Hier exemplifizierte Albers
die Wechselwirkungen der Farbe an der Form des Quadrates in einer Vielzahl
von Variationen. Er demonstrierte an einer einfachen Komposition aus drei
oder vier Quadraten auf einer vertikalen Symmetrieachse die Subtilität
und Flexibilität der Farbwahrnehmung.
Zur Bibliografie (ab 1980):
Wulf Herzogenrath, Josef Albers und der „Vorkurs“ am Bauhaus
1919-1933, Wallraf-Richartz-Jahrbuch Bd. 41, Köln 1979/80
Nicholas Fox Weber, The Drawings of Josef Albers, New Haven, Conn. und
London 1984
Neal Benezro, The Murals and Sculpture of Josef Albers, New York und London
1985
Franz Josef von der Grinten/Friedhelm Mennekes, Josef Albers, in: Abstraktion
– Kontemplation. Auseinandersetzung mit einem Thema der Gegenwartskunst,
Stuttgart 1987, S. 39-52
Evelyne-Dorothé Allemand, Josef Albers (1888-1976), Katalog Musée
des Beaux Arts, Tourcoing 1988
Dorothee Bauerle (Hrsg.), Josef Albers zum 100. Geburtstag, Katalog Ulmer
Museum, Ulm 1988
Eigene Schriften:
Interaction of Color, New Haven, Connecticut 1963; dt. Grundlegung einer
Didaktik des Sehens, Köln 1970, vollst. dt. Ausgabe Starnberg 1972
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