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Hermann Glöckner

ausgestellte Werke:

 

 
 

3 Phasen

1980
Mappe mit drei Faltungen
Nr. 11 von 20 nummerierten und signierten Exemplaren
Verlag: eikon Grafikpresse

 

 
 

ohne Titel

1969/1978
Faltarbeit, signiert

 

 







 

Verklammerte Scheiben

1963/1980
Multiple, bemaltes Holz
Nr. 4 von 7 nummerierten und signierten Exemplaren

Es gehört einige Lebenskunst dazu, diese Jahre zu überdauern, sich selbst treu zu bleiben und auf die notwendige Anerkennung zu warten.
Hermann Glöckner

Zur Biografie:
Geboren 1898 in Dresden, dort gestorben 1987. Maler, Grafiker, Plastiker. Studium in Dresden. Seit 1920 erste geometrische Arbeiten; 1930-37 entstand ein 150 Arbeiten umfassendes Tafelbild- Œuvre, in dem die Gesetzmäßigkeiten präziser Flächeneinteilung erkundet wurden. 1945–48 war er Mitglied der konstruktivistischen Dresdner Künstlergruppe „Der Ruf“, die den Anschluss an Expressionismus und Bauhaus suchte. Er setzte nach dem Krieg seine Arbeit ganz im Sinne des Konstruktivismus fort, auch wenn jede offizielle Anerkennung ausblieb. Ab 1954 fand er eine konstruktivistische Verbindung konstruktivistischer und tachistischer Elemente in freien Schwingungen, daneben entstanden farbanalytische Arbeiten, raumbestimmende geometrisch-abstrakte Plastiken und Zeichnungen, in denen er Konstruktion und Amorphes, Gesetz und Freiheit zu harmonisieren sucht. Erst im Alter von 80 Jahren hatte Glöckner seine erste große Ausstellung im Dresdener Kupferstichkabinett. Der wichtigste Kunstkritiker der DDR, Lothar Lang, schrieb: „Die Landschaften erweisen sich als Orte der Geometrie: Das Kubische, Rhombische, Rechteckige wird betont. In mathematisch geordneten Formgefügen erkennt und realisiert der Künstler die Gesetze der Schönheit.“
Glöckner ist zum Konstruktivismus auf deduktivem Wege gekommen, d. h. durch Erfahrung; er war alles andere als ein Theoretiker oder Dogmatiker. Die Formation von Giebeldächern hat ihn inspiriert; erst hat er sie bereits 1911/12 in Boxdorf und dann 1927/29 abstrahierend gemalt; darauf hat er ihre winkligen Formen in Papier gefaltet, in Seidenpapier, das er delikat einfärbte und auf schwarz lackierte Tafeln montierte; dort wurden sie zu schwerelos schwebenden Raumkörpern. Das geschah in den 30er Jahren trotz materieller Not und politischem Druck. Das Faszinosum dieses in 150 Formen variierten „Tafelwerks“ – eines zentralen chef d’oeuvres nicht nur im Schaffen Glöckners, sondern in jener kritischen Epoche überhaupt – ist seine fassbare Spiritualität. Das tote Material Papier beginnt unter Glöckners Händen zu sprechen, wird transparent, gleichsam ein Stück konkreter Poesie. Die spürbare Handwerklichkeit erweckt alle seine Arbeiten zum Leben. Der Gefahr des Perfektionismus stand die Vorliebe für das Manuelle entgegen. Symptomatisch dafür ist das Fehlen von maschinell gedruckter Graphik innerhalb seines auch in technischer Hinsicht vielfältigen Werks, aber es hat ihm auch bis 1969 an Aufträgen gefehlt.
Gunther Thiem

 
           
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