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Verklammerte Scheiben
1963/1980
Multiple, bemaltes Holz
Nr. 4 von 7 nummerierten und signierten Exemplaren
Es gehört einige Lebenskunst dazu, diese Jahre zu überdauern,
sich selbst treu zu bleiben und auf die notwendige Anerkennung zu warten.
Hermann Glöckner
Zur Biografie:
Geboren 1898 in Dresden, dort gestorben 1987. Maler, Grafiker, Plastiker.
Studium in Dresden. Seit 1920 erste geometrische Arbeiten; 1930-37 entstand
ein 150 Arbeiten umfassendes Tafelbild- Œuvre, in dem die Gesetzmäßigkeiten
präziser Flächeneinteilung erkundet wurden. 1945–48 war
er Mitglied der konstruktivistischen Dresdner Künstlergruppe „Der
Ruf“, die den Anschluss an Expressionismus und Bauhaus suchte. Er
setzte nach dem Krieg seine Arbeit ganz im Sinne des Konstruktivismus
fort, auch wenn jede offizielle Anerkennung ausblieb. Ab 1954 fand er
eine konstruktivistische Verbindung konstruktivistischer und tachistischer
Elemente in freien Schwingungen, daneben entstanden farbanalytische Arbeiten,
raumbestimmende geometrisch-abstrakte Plastiken und Zeichnungen, in denen
er Konstruktion und Amorphes, Gesetz und Freiheit zu harmonisieren sucht.
Erst im Alter von 80 Jahren hatte Glöckner seine erste große
Ausstellung im Dresdener Kupferstichkabinett. Der wichtigste Kunstkritiker
der DDR, Lothar Lang, schrieb: „Die Landschaften erweisen sich als
Orte der Geometrie: Das Kubische, Rhombische, Rechteckige wird betont.
In mathematisch geordneten Formgefügen erkennt und realisiert der
Künstler die Gesetze der Schönheit.“
Glöckner ist zum Konstruktivismus auf deduktivem Wege gekommen, d.
h. durch Erfahrung; er war alles andere als ein Theoretiker oder Dogmatiker.
Die Formation von Giebeldächern hat ihn inspiriert; erst hat er sie
bereits 1911/12 in Boxdorf und dann 1927/29 abstrahierend gemalt; darauf
hat er ihre winkligen Formen in Papier gefaltet, in Seidenpapier, das
er delikat einfärbte und auf schwarz lackierte Tafeln montierte;
dort wurden sie zu schwerelos schwebenden Raumkörpern. Das geschah
in den 30er Jahren trotz materieller Not und politischem Druck. Das Faszinosum
dieses in 150 Formen variierten „Tafelwerks“ – eines
zentralen chef d’oeuvres nicht nur im Schaffen Glöckners, sondern
in jener kritischen Epoche überhaupt – ist seine fassbare Spiritualität.
Das tote Material Papier beginnt unter Glöckners Händen zu sprechen,
wird transparent, gleichsam ein Stück konkreter Poesie. Die spürbare
Handwerklichkeit erweckt alle seine Arbeiten zum Leben. Der Gefahr des
Perfektionismus stand die Vorliebe für das Manuelle entgegen. Symptomatisch
dafür ist das Fehlen von maschinell gedruckter Graphik innerhalb
seines auch in technischer Hinsicht vielfältigen Werks, aber es hat
ihm auch bis 1969 an Aufträgen gefehlt.
Gunther Thiem
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