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Dislokation 1972
1972
auf Polystyrolplatte
Nr. 13 von 100 nummerierten und signierten Ex.
Druck und Verlag: Ed. Hoffmann, Friedberg 1972
konkret
heisst verzicht auf darstellung einer optischen gegenstandswelt in der
kunst.
konkret
heisst eine neue, klare bildwelt gestalten.
konkret
heisst bauen, konstruieren und entwickeln von rhythmen auf geometrischer
grundlage
konkret
ist streng logisches schaffen und gestalten von kunstwerken, die eigengesetzlichkeit
haben.
konkret
ist das spiel mit mass und wert von farbe, form und linie.
konkret
ist ausschaltung alles unbewussten
konkret
ist der sichtbar gestaltete malerische klang ähnlich der musik.
konkret
heisst reinheit, gesetz und ordnung.
camille graeser, in: abstrakt + konkret, 1944
Zur Biografie:
Geboren 1892 Carouge (Kanton Genf), gestorben 1980 Zürich. Maler,
Grafiker, Designer, Innenarchitekt. 1913-15 Studium der Innenarchitektur
an der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Mitglied des Deutschen Werkbundes.
Kontakte zum „Sturm“. 1964 Erste Retrospektive im Kunsthaus
Zürich. 1977 Teilnahme an der documenta 7. In den 20er Jahren war
Graeser vorwiegend als Innenarchitekt und Industriedesigner in Stuttgart
tätig, dabei auch an der Planung der Weißenhofsiedlung unter
Mies van der Rohe beteiligt. Gestaltet in dessen Wohnblock in der Weissenhof-Siedlung
in Stuttgart eine Musterwohnung für die Ausstellung „Die Wohnung
1927“. 1933 nach Machtergreifung denunziert. Nach 1933 wandte sich
Graeser in Zürich der Geometrischen Abstraktion zu. Er schuf großformatige,
streng systematische abstrakte Bilder aus wenigen, aber variantenreich
durchgespielten geometrischen Elementen, Grundflächen und grellen,
plakativen Farbwerten (Translokation, 1969) und nahm so formale Entwicklungen
der Minimal Art vorweg. 1981 Gründung der Camille-Graeser-Stiftung
Zürich.
Als Camille Graeser 1933 in die Schweiz zurückkehrte,
gab er in Stuttgart eine gesicherte Existenz auf und wagte einen vollkommenen
Neubeginn in Zürich. Sein eigenständiges Werk beginnt 1938 mit
der Mitgliedschaft in der Künstlervereinigung „Allianz“.
Zuerst setzte er die geometrische Figur vor einen Bildgrund, fand aber
bald zur totalen Bildflächengestaltung, die keine Trennung von Bild
und Grund mehr kennt. Die Entwicklung verläuft sehr konsequent über
verschiedene Themen, wie zum Beispiel „Relationen“, „Dislokationen“,
„Bewegte Elemente“. Es ist Graeser gelungen, ohne theoretischen
Überbau, ein malerisches Werk zu schaffen, das aber auch dem Theoretiker
der Konkreten Kunst reichlich neuen Stoff bietet und für den Betrachter
durch Harmonie von Formen und Farben viel Befriedigung bereitet. Vor allem
ist die Bearbeitung der Farbmaterie, die über mehrere Schichten reicht,
bedeutend. Sein Werk ist besonders geeignet, musikalische Inspiration
zu wecken.
Eugen Gomringer
Zur Bibliografie (ab 1979):
- Herbert Distel: Das Schubladenmuseum im Kunsthaus
Zürich, Vorwort Peter Killer, Bern 1978
- Erika Billeter und Manfred Foth, Hans Curjel,
Eugen Gomringer, Willy Rotzler, Zur Ausstellung Camille Graeser, in:
Camille Graeser, Katalog Kunsthaus Zürich, Wilhelm-Hack-Museum,
Ludwigshafen 1979
- Eugen Gomringer, Zur Sache der Konkreten. Manifeste,
Aufsätze, Reden zur Ästhetik der konkreten Poesie und Kunst,
1954-1979
- Karin von Maur, Kunst des 20. Jahrhunderts, Stuttgart
1979
- Willy Rotzler, Camille Graeser. Lebensweg und
Lebenswerk, Zürich 1979
- Dieter Schwarz, Camille Graeser. Zeichnungen,
Vorwort Rudolf Koella, Zürich 1986
- Stefan Paradowski, Camille Graeser. Druckgraphik
und Multiples, Vorwort Willy Rotzler, Zürich 1990
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