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Horst Schäfer – Das Bekannte und das Unbekannte
Fotografien

6. Oktober – 18. November 2007

Zur Ausstellung
Horst Schäfer, der, im Westerwald geboren, in Düsseldorf seine fotografische Arbeit begann, 1961 in die USA ging und seit 1981 in Nürnberg lebt, gehört zu den international renommierten Fotografen der Region. Lange Jahre arbeitete er als Bildjournalist für weltweit tätige Agenturen und Zeitschriften, unter anderem für AP, Agence France Press und Time Magazine. Immer gelang es ihm, sich neben der Berufsarbeit künstlerische Freiräume zu schaffen.
Anlässlich seines 75. Geburtstages am 17. November 2007 veranstaltet die Städtische Galerie Erlangen eine große Retrospektive aus rund fünfzig Jahren seines Schaffens. Im Mittelpunkt die Themen seines Lebens – Architektur, Stadtlandschaften, Menschen in der Stadt, Natur und immer wieder Strukturen im Licht. Es sind ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotografien. Viele von Schäfers Fotografien kann man als Meisterwerke bezeichnen. Einige sind zu Ikonen geworden.
Diese Retrospektive lässt als die bisher umfassendste Schau seiner Arbeiten nicht zuletzt auch einen vielfach Unbekannten entdecken.
Horst Schäfer ist mit Ausstellungen und Publikationen so präsent wie kaum ein Fotograf im fränkischen Städtegroßraum und weit darüber hinaus.
Das war nicht immer so. Als er, der aus Rheinland-Westfalen in die USA ausgewandert war, 1981 nach Deutschland zurückkam und Nürnberg als Wohnsitz wählte, war er hierzulande noch lange ein weitgehend Unbekannter. Nur seine Fotos, die er in seinem Brotberuf weiterhin für die AP und andere Fotoagenturen, Zeitungen und Zeitschriften machte, waren dem einen oder anderen ein Begriff. Erst allmählich wurde aus dem Geheimtipp eine Größe. Und 2002 fand er mit dem Kulturpreis der Stadt Nürnberg auch die gebührende Anerkennung.
Bereits zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Erlangen 2002 hatte ihm die Städtische Galerie Erlangen unter dem übergreifenden Motto „Stadt und Zukunft“ eine kleinere Ausstellung ausgerichtet, die ausschließlich seinen Architekturfotografien galt. So lag es nun nahe, Horst Schäfers Werk auch mit einer großen retrospektiven Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages zu würdigen.
Bei der Annäherung an sein Werk könnte man eine Ausstellung nach jenen Motiven strukturieren, die ihn lebenslang begleiteten. Denn sie bestimmen seine Arbeit so weitgehend, dass er sagen kann, er habe von Anfang an gewusst, wie seine Bilder aussehen sollen. Diese Motive lassen sich, wie oben angedeutet, mit wenigen Begriffen zusammenfassen: Architektur, Spiegelungen, Licht, Schatten, Silhouetten, Natur, Menschen in der Stadt und bei ihren Freizeitaktivitäten. Doch sie lassen sich erweitern und verschränken mit fest umrissenen Themen wie beispielsweise „Menschen in New York“, „Mögeldorf“ – in diesem Nürnberger Vorort lebt Schäfer seit langem –, „Fürther Freiheit“ oder „Siebenbürgen – Die Turmuhr lässt der Zeit den Lauf“, „Pflanzenstrukturen“, „Straßen“, „Kunst und Museum“, „Stadtleben“ und „Landleben“. Unter dieser Gliederung sind Fotos aus rund fünfzig Jahren in dieser Ausstellung vereint, nicht chronologisch, sondern nach thematischen und ästhetischen Gesichtspunkten zusammengestellt. Man sieht Bekanntes wieder und entdeckt immer wieder auch Neues und noch Unbekanntes.
Die Magie seiner Fotos, so hat es einmal jemand ausgedrückt, liegt in Schäfers ausgeprägtem Sinn für Verdichtung, grafische Strukturen, für Licht und Schatten, starke Hell-Dunkel-Kontraste, atemberaubende Perspektiven. Damit überträgt er viele seiner Bilder in eine zeichenhafte, allgemeingültige Ebene. Durch spezielle Ausschnitte fokussiert er Situationen neu, löst sie aus ihrem gewohnten Zusammenhang und macht so etwas Neues sichtbar.

Im Folgenden ist eine Reihe von Zitaten zum Werk von Horst Schäfer zusammengestellt, verbunden mit Horst Schäfers eigener Sicht auf sein Werk.
„Gute Fotografie ist wie die Dichtkunst – eine Verdichtung. Man sieht genauer hin und kann dadurch das Besondere entdecken.
Ich suche nach ästhetischen Reizen durch Entdeckung von vorhandenen Strukturen und offensichtlichen Einzelheiten. In größeren Zusammenhängen mögen diese Strukturen vielleicht untergehen oder verschwinden, doch ich versuche, sie in der Gesamtheit des Sichtbaren zu entdecken und herauszugreifen. Ich dringe in sie ein, erkenne sie und bringe sie durch Fotografie zum Vorschein.
Mich interessiert, wie das Licht sich Bahn bricht, wo es eindringt, erhellt, Dinge verändert und zum Leben erweckt... Erst Licht öffnet den Raum. Selbst da, wo es nur ganz spärlich auftaucht, wirkt es auf den gesamten Raum, weil erst im Kontrast zu ihm die anderen Bereiche als tiefes Schwarz erkennbar sind.“ H. S.
„In seinen Fotografien erfaßt er Momente, kurze Augenblicke, die eben nur ein zurückhaltender und zugleich hellwacher Beobachter im Bild festhalten kann. Mit seinen Fotografien als dem gültigen Ergebnis des unauffälligen Dabeiseins hat er es zudem wahrhaftig nicht nötig, laut aufzutreten. Die künstlerische Tiefe, der Ausdruck, die Komposition, das formale und ästhetische Konzept, die suggestive Kraft, all dies überzeugt an seinem fotografisch-künstlerischen Werk auf Anhieb.“ Michael Eissenhauer
„Ich kann aus dem Haus treten oder einen Spaziergang machen, und plötzlich entdecke ich im Haus gegenüber oder an einem Zaun, den ich schon x-mal gesehen habe, etwas ganz Neues. Das mag an der Art liegen, wie gerade das Licht einfällt oder der Schatten liegt. Und dann entsteht ein Bild. So ein Augenblick ist unwiederholbar und nicht vorauszusehen. Ich weiß nie, was ich finde, wenn ich um die nächste Ecke biege. Alles kann mir auffällig werden. Es hängt nicht so sehr davon ab, was ich fotografiere, sondern wie ich das sehe.“ H. S.
„Sein Metier sind die Bildreportagen, Bilder, die mehr als Worte sagen: .Feature-King’ nannte man ihn in Amerika. Die Fotos wurden weltweit vertrieben. Sie schmücken den Titel der New York Times, füllten seitenlang die Wochenendbeilagen und wurden prämiert. Es sind die leisen Bilder, die Schäfer zum Sprechen bringt. Beobachtungen am Wegesrand, Alltagsgeschichten, Kinderszenen.“ Kerstin Möller
„Als Fremder ist es für Schäfer leichter, die kleinen Details des Großstadtlebens zu sehen und Gefallen an ihnen zu finden, als für den Einheimischen. Allerdings bringt Schäfers Talent ihn noch einen Schritt weiter, die abstrakten Muster, die von den einzelnen Details geformt werden, zu erkennen und zu fotografieren: dekorative Zeichnung auf Gebäudefassaden, Schatten von Stahlträgern, Fenster, in denen sich Fenster spiegeln, und das Verschwimmen hastender Menschen. Jedes Foto ist nicht nur das Bild eines kleinen Teils einer gigantischen Stadt, sondern auch eine Abstraktion – vollkommen in sich selbst.“ Art Exhibit The University of Maine
„Für mich ist es die Entdeckung des vorhandenen Bildes. Daß die Fotos, die dabei entstehen, manchmal rätselhaft geraten, nehme ich eher unbeabsichtigt in Kauf. Es stört mich nicht, aber ich lege es nicht darauf an. Es ergibt sich von selbst ... Ich habe nicht die Absicht, Sehgewohnheiten zu brechen, zu verändern oder zu erweitern. Viel lieber möchte ich einfach manches aufschließen, zu erkennen geben. Ja, das ist es. Man muß die Dinge nur erkennen.“ H. S.
„Horst Schäfer fand mit seinen Impressionen urbaner Architektur zu unverwechselbar eigener künstlerischer Ausdrucksform. Sein Œuvre spiegelt das Heute wider – eine internationale Architektur in einer international vernetzten Welt ... Die Konzentration aufs Detail, der Verzicht auf nachvollziehbare Dimensionalität, das Prinzip der Zerstückelung etc. – all diese Merkmale verdichten sich geradezu zur Metapher für die moderne Metropole schlechthin.“ Florian Hufnagel, Direktor Die Neue Sammlung, Museum für angewandte Kunst, München
„Seine Kunstfertigkeit, geschult an journalistischer Bildberichterstattung und moderner Architektur, vor allem während der prägenden Arbeitsjahre in New York, kommt ganz ohne Effekthascherei und Inszenierung aus, ohne Theorie und technischen Schnickschnack. Da ist nichts Gewolltes, Gestelltes und Vorgemachtes in Horst Schäfers Fotos. Sie sind schlicht und tief, authentisch und wundersam zugleich.“ Helmut
Haberkamm
„Ich versuche das Leben so zu nehmen, wie es auf mich zukommt. Ich sehe, wie es um mich herum besteht, und ich versuche das Wesentliche zu erkennen und zu zeigen. Das kann sehr gegensätzlich ausfallen. Ich versuche, im meinen Fotografien keine Wertungen vorzunehmen, alles ist gleich wertvoll für mich.“ H. S.

„Viele meiner Fotos bauen auf Spiegelungen auf. Sie deuten Vielschichtigkeiten an und durchleuchten die Dinge auf verschiedenen Ebenen. Ich glaube, sie können auch die vielschichtigen Facetten der Menschen widerspiegeln. Insofern hat die Spiegelung eines Menschen in doppelter Hinsicht eine Bedeutung für mich ... Nichts ist nur so, wie man es sieht, alles hat unterschiedliche Wirkungen und Schichtungen, und vieles ist nicht unmittelbar erklärbar.“ H. S.
„Die fremd wirkenden Fotografien Horst Schäfers sind so amerikanisch wie der Jazz. Er benutzt die Fotografie, die Sprache des offensichtlich Realen, um die Wirklichkeit in Frage zu stellen, um die Wirklichkeit auf eine andere Art als ein Geheimnis zu sehen. Wenn man nach seinen Fotografien geht, ist alles fremd, alles relativ. Kein Mensch sieht dieselbe Welt so wie ein anderer. Alles ist zugleich mehr als auch weniger, als wir glauben, dass es ist. Schäfer ist so sowohl westlich als auch östlich; ein Realist wie auch ein Mystiker.“ Ralph Hattersly, Infinity Magazine
„Irgendwie bin ich meinen Weg gegangen, eigentlich ohne nach links oder rechts zu schauen – ganz automatisch, wie von allein. Ich würde noch nicht einmal sagen, dass ich meinen Stil oder meine Art, an die Dinge heranzugehen, entwickelt hätte – sie war einfach da. Das empfinde ich zumindest so. Vielleicht kann ich das selber auch gar nicht so gut beurteilen, aber es ist mein Eindruck. Ich weiß, dass meine Art von Fotografie gleich von Anfang an, als ich die ersten Kameras hatte, mit denen man Motive richtig gestalten konnte, einfach von selbst kam. Ich musste gar nicht groß schauen, wie kann man so etwas machen oder wie macht jemand anderes das. Das habe ich überhaupt nicht erwogen.“
H. S.
„Vielleicht wollte er sich festhalten an den turmhohen Gittern aus horizontalen, vertikalen und diagonalen Bändern. Aber dann rissen ihm diese kühnen Bauwerke mit den kühn pulsierenden Rhythmen ihrer freigelegten Träger und Gerüste, dieser Raster aus Halbkreisen und Quadraten, dieses Muster aus flachen, spitzen und rechten Winkeln doch wieder nur den Boden unter den Füßen fort. Und exakt in diesem Moment drückte Schäfer auf den Auslöser seiner Kamera. Wie im Sturz. Wie von Sinnen. Wie den stürzenden Linien folgend.
... mit seinen Bildern fand er fern aller Schulen und Moden einen stilistisch so markanten, eigenen Weg, dass man ihn fortan zu den großen deutschen Fotokünstlern wird zählen müssen.“ Feddy Langer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Biografie
1932 geboren in Bruchertseifen, Westerwald
1945-1960 Düsseldorf
1959 Beginn der fotografischen Laufbahn, Sport und Lokales für Tageszeitungen
1960 Auswanderung nach Kanada, Arbeit für Tageszeitung in Edmonton
1961 Agence France Press (AFP)
1962-1964 Fotoreportagen für die internationale Bildagentur Bips
1964-1973 Feature Fotograf für die New York Racing Association
1974-1979 Denver, Colorado
1974-1978 Freischaffender Fotograf, Werbung und Architektur
1978-1979 Bildjournalist für Tageszeitung in Colorado Springs
1980-1981 München, Bildjournalist für Associated Press (AP)
Seit 1981 Nürnberg
Auszeichnungen in USA und Deutschland
2002 Kulturpreis der Stadt Nürnberg
Fotobände und Kalender seit 1995

Ausstellungen (Auswahl)
1962 University of Maine, „Photographs of Horst Schäfer”
1964 Rockefeller Center, New York, „Architectural Reviews”
1967 Ligoa Duncan Gallery, „Different Ways, Weegee and Schäfer”
1976 Photographic Arts Center, Denver, „New York Impressions”
1979 Museum of Fine Arts, Colorado Springs, „Horst Schäfer. Photographer”
1980 Amerikahaus München, „Sport in USA“
1993 Zentrum Industriekultur Nürnberg, „Facing Amerika“
1996 Kunstsammlungen der Veste Coburg, „Horst Schäfer. Photograph“
1997 Augustiner Museum Freiburg, „Horst Schäfer“
1997 Neue Smlg. München, „New York – Paris. Horst Schäfer. Architektur-Photographie“
1999 Fundação Cultural de Blumenau, Brasilien, „Architectural Structures“
2000 Goethe Institut New York, „New York in the Sixties“
2001 Kamera- und Fotomuseum Leipzig-Mölkau, „Horst Schäfer. Romantiker der Moderne”
2001 New York University, „Bankfurt by Horst Schäfer”
2001 Stadtarchiv Nürnberg, „Horst Schäfer sieht Nürnberg“
2001 Galerie Lempertz, Berlin, „Menschen u. Geschichten. Deutsche Fotografie nach 1945“
2002 Städtische Galerie Erlangen, „Architektur Spiegelungen“
2002 Galerie Dittmar, Berlin, „Positionen zeitgemäßer Architektur“
2003 Museum Industriekultur, Nürnberg, „Das Auto. Teil unseres Lebens“
2003 Deutsch-Amerikanisches Institut, Nürnberg, „New York in the Sixties“
2005 Wiesbaden, „Betonarchitektur/Baukunst in Beton”
2006 Galerie Röver. Kunsthaus Nürnberg, „Hier wird der Ball mit Füßen getreten“. Ausstellung begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft
2006 Deutsches Museum München, „Das Auto. Teil unseres Lebens“

Fotos von Horst Schäfer befinden sich in wichtigen fotografischen Sammlungen in Deutschland und in den USA, u.a. im Paul Getty Museum, Los Angeles, im Museum of the City of New York, in der Neuen Sammlung München, im Kunstmuseum Düsseldorf, im Germanischen Nationalmuseum und im Stadtarchiv Nürnberg sowie in der Städtischen Sammlung Erlangen.

 

 
   

Hinweis
Zum 75. Geburtstag von Horst Schäfer am Samstag, 17. November, dem vorletzten Tag der Ausstellung:
16 Uhr: Führung durch die Ausstellung
17 Uhr: Michael Aue spricht mit Horst Schäfer über seine Arbeit. Der Nürnberger Filmemacher Michael Aue drehte 2001 über den Fotografen Horst Schäfer einen Film, den er „Der große Unbekannte“ nannte. Dieser Film ist in der Ausstellung zu sehen.


 
 

Städtische Galerie Erlangen im Museumswinkel
Luitpoldstraße 47, 91052 Erlangen
Öffnungszeiten: Di–Fr 11–19 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr
Tel. 0 91 31/86 25 33 (Galerie) und 86 27 35 (Geschäftszimmer), Fax 86 21 17

Führungen: sonntags 16 Uhr

 
   

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