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Jörg Immendorff - Die Naht
Ausgestellt sind Werke von:
Eric Andersen
Herbert Bessel
Joseph Beuys
George Brecht
Marcel
Broodthaers
Henning Christiansen
Lucien
Clergue
Egon Eppich
Hans-Peter Feldmann
Robert
Filliou
Dan Flavin
Rupprecht Geiger
Eugen
Gomringer
Ludwig Gosewitz
Gotthard Graubner
Hetum Gruber
Jan Håfstrøm
Al Hansen
Alfred Hrdlicka
Jörg
Immendorff
Allen
Jones
Donald Judd
Per Kirkeby
Bengt af Klingberg
Bernd
Klötzer
Gustav
Kluge
Alison Knowles
Arthur
Köpcke
Markus
Kronberger
Barry Le
Va
Gerhard
Merz
Mario Merz
Franz
Mon
François
Morellet
Josef
Felix Müller
Andreas
Müller-Pohle
Matt Mullican
Bjørn Nørgaard
Nam June Paik
Beate Passow
Georg
Pöhlein
Josua
Reichert
Dieter
Roth
Thomas
Ruff
Fred
Sandback
Diet
Sayler
Konrad
B. Schäuffelen
Tomas Schmit
Santiago
Sierra
Daniel Spoerri
Frank
Stella
Curt Stenvert
Walter
Tafelmaier
A.D.
Trantenroth
Ben
Vautier
Wolf Vostell
Gerhard Vormwald
Bob Watts

Allen Jones - The Magician Suite
Donald Judd - Rot auf Papier

AndreasMüller-Pohle - Facecode

Josua Reichert - Schriftfest für Sofia
Konrad Balder Schäuffelen - Geschütztes Messer
Curt Stenvert - Kriminalmuseum
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„sehen ganz nah und sehr fern“
Überblicke VII – Die Städtische Sammlung Erlangen
Erwerbungen, Schenkungen, Wünsche
1.–30. November 2008
Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 31. Oktober, 19 Uhr
Es sprechen:
Gerd Lohwasser, Bürgermeister der Stadt Erlangen
Lisa Puyplat, Leiterin der Städtischen Galerie Erlangen
Zur Ausstellung
Verkürzt unter dem Motto „sehen ganz nah und sehr fern“ frei nach Robert Delaunays an die Künstler, die Kunst und ihre Rezipienten gerichtete, mehrdeutig zu verstehende Forderung „Sehen ganz nah und sehr fern – synchron!“ werden die Auswahlpräsentationen „Überblicke“ aus der Städtischen Sammlung Erlangen nun zum siebten Mal fortgesetzt.
„Internationale Kunst in ihren wesentlichen Strömungen ab 1945“ ist seit 1974 Konzept der Sammlung, als Karl Manfred Fischer, Kurator der Ausstellungsreihe „Überblicke“, die Städtische Galerie ins Leben rief und gleichzeitig Leiter von Galerie und Sammlung wurde. Schwerpunkte sind seitdem, auch nachdem Lisa Puyplat 2003 die Leitung übernahm, druckgrafische Mappenwerke, Serien und Einzelwerke, Künstlerbücher und Multiples, sowie Positionen der künstlerischen Fotografie. Von Konkreter Kunst bis zum
Informel, Pop Art, Tachismus, Fluxus und arte povera, Konzept- und Medienkunst bis hin zu unterschiedlichen figürlichen Richtungen, sowie aktuellen Tendenzen sind wesentliche Richtungen der Kunst der Gegenwart vereint.
Die vorangegangenen Auswahl-Präsentationen gaben 2003 zunächst einen Einblick in die „Konkrete und Analytische Kunst“, 2004 standen die Arbeiten im „konzeptuellen Dialog zwischen Malerei und Fotografie“, 2005 folgte „Vom Informel bis heute – Künstlerpositionen aus fünf Jahrzehnten“, 2006 und 2007 schließlich wurden jeweils Einzelpräsentationen zum fotografischen Werk von Josef Gallus Rittenberg und zum druckgrafischen Werk von Oskar Koller gezeigt. Kleinere Ausstellungen waren einer Schenkung aus der Sammlung Karl Manfred Fischer mit Mappenwerken der Künstler Günter Förg, Jochen Gerz, Georg Herold, Ben Vautier und Emilio Vedova gewidmet, sowie Josef Albers und seiner „Interaction of Color“.
Die „Überblicke VII“ von 2008 geben auf zwei Stockwerken des Museumswinkels mit der Präsentation von Erwerbungen und Schenkungen, sowie mit Wünschen und Optionen an die Zukunft weitere Einblicke in künstlerische Werke und in Kunstrichtungen mit anderen Schwerpunkten als in den bisherigen Auswahlpräsentationen.
Dazu zählt das weite Feld der europäischen Fluxusbewegung mit den Franzosen Ben Vautier und Robert Filliou, den Deutschen Arthur Köpcke und Dieter Roth, dem Österreicher Curt Stenvert und dem Belgier
Marcel Broodthaers.
Fast zeitgleich mit den politischen Aktionen der 68er-Bewegung vor 40 Jahren versuchten sich in der – rein europäischen – Fluxusbewegung die Künstler aus den von den Vätern gesetzten künstlerischen Grenzen zu befreien und über die Sparten hinweg den Zugriff auf das Leben zu behaupten. Einer ihrer Protagonisten war Joseph Beuys. Während Arbeiten von ihm in den vorangegangenen Präsentationen in verschiedenen Kontexten gezeigt wurden, rücken in dieser Auswahlpräsentation andere Schlüsselfiguren der Kunst jener Zeit in den Mittelpunkt. Allen voran Arthur Köpcke und Dieter Roth, die - jeder für sich - ein Werk hinterlassen haben, das in seiner ganzen Bedeutung noch nicht abzuschätzen ist.
Die Auswahl präsentiert druckgrafische Werke dieser beiden Künstler,
die zu ihren entscheidenden gezählt werden, Arthur Köpckes Kassette
„Continue ...“ Stücke aus den Jahren 1958 bis 1964 Piece
No. 1 to Piece No. 129 und Dieter Roths Mappe „Containers“.
Dazu vereint die Mappe „Hommage à Arthur Köpcke“
Arbeiten der wichtigsten Künstler der Bewegung: Eric Andersen, Joseph
Beuys, George Brecht, Henning Christiansen, Robert Filliou, Ludwig Gosewitz,
Al Hansen, Per Kirkeby, Bengt af Klingberg, Alison Knowles, Björn
Nörgaard, Nam June Paik, Tomas Schmit, Daniel Spoerri, Ben Vautier,
Wolf Vostell, Bob Watts.
Auch Curt Stenvert, der zu den eigenwilligsten und experimentierfreudigsten Künstlern der Gegenwart zählt, gehört in diese Zeit. Seine Objektkästen verbinden ihn zugleich mit Fluxus wie mit den Surrealisten. Die Präsentation zeigt eine Auswahl aus einer umfangreichen Schenkung seiner Witwe Antonia Stenvert-Mitrowsky.
Die großen Amerikaner zwischen Minimalart und Konzeptkunst sind vertreten durch Donald Judd, Frank Stella, Dan Flavin und Matt Mullican. Von Judd werden zwei frühe Holzschnitte gezeigt, die als Handabzüge in kleinster Auflage erschienen sind und noch in der Werkstatt seines Vaters hergestellt wurden. Stellas „Black Series II“ sind längst zu druckgrafischen Ikonen geworden. Matt Mullican hat in seinen frühen Siebdruck-Unikaten bereits sein bis heute ausgebautes Zeichensystem formuliert, wie es auch in seiner großen Wandarbeit in der Eingangshalle des Erlanger Rathauses von 2007 zum Ausdruck kommt.
Mario Merz, Hauptvertreter der arte povera, Italiens Sonderweg der Avantgarde der sechziger Jahre, und wie auch viele der anderen Künstler mit verschiedenen Werken in der Sammlung präsent, ist mit einer Arbeit von 1974 vertreten.
Konzeptionelle fotografische und mediale Positionen unterschiedlicher Art, die in der gegenwärtigen Kunst eine immer größere Rolle spielen, sind markiert durch Thomas Ruff und seine mit Hilfe eines Nachtsichtgerätes aufgenommenen „Nachtbilder“ von Orten des deutschen Alltags, die erschreckend an Aufnahmen aus dem amerikanischen Irakkrieg erinnern, durch Andreas Müller-Pohle und seine digitalisierten und vielfach gebrochenen Porträts, durch Hetum Gruber und sein Fototableau „Hermann Matern“, Teil seines Projektes „Bauhaus – eine Abrechung“, eines umfangreichen künstlerischen Unternehmens, „das auf komplexe Art und Weise um das Thema der unwirtlichen und tristen Containerwohnbauten an den Rändern der modernen Städte kreist“. Zur klassischen Dokumentarfotografie gehört eine berührende Serie des Erlanger Fotografen Georg Pöhlein über das langsame Sterben seines Großvaters.
Gustav Kluge markiert mit seinem Werk eine wichtige Position der figurativen Kunst der Gegenwart. Mit seinen Arbeiten gibt er der alten druckgrafischen Kunst des Holzschnitts neue Bedeutung. Walter Tafelmaier konzentriert sich in seinem Werk auf wenige existenzielle figurative Motive, die in einer schier unendlichen Variationsbreite zu intensiver Ausdruckskraft finden. Alfred Hrdlicka ist einer der wenigen Künstler der westlichen Welt, die sich in ihrer Kunst in der Nachfolge etwa eines Goya oder Hogarth ausdrücklich politisch äußern. Die Städtische Sammlung besitzt sein Maßstäbe setzendes Radierwerk „Wie ein Totentanz – die Ereignisse des 20. Juli 1944“, das in seinen 53 Arbeiten und seinen Reflektionen über die politische Macht weit über seine und unsere Zeit und den Anlass des Hitler-Attentates hinausgreift. Auf eine traditionelle druckgrafische Technik, den Linolschnitt, greift bezeichnenderweise auch ein anderer politisch arbeitender Künstler, Jörg Immendorff, zurück. Mit der Folge „Die Naht“ besitzt Erlangen ein frühes Werk, das sich wie viele Arbeiten des 2007 in Düsseldorf gestorbenen Künstlers mit dem geteilten Deutschland beschäftigt.
Zu den meistdiskutierten Künstlern einer jüngeren Generation gehört Santiago Sierra, der mit einer 111-teiligen Fotoarbeit vertreten ist. Sierra hat mit seinen verschiedenen Aktionen einen Schock in einer Kunstwelt ausgelöst, die „gewohnt ist, Kunstwerke als kulturelle Surrogate zu verniedlichen“, wie es einer seiner Rezensenten ausdrückte. Sierra bezieht in seinen Aktionen die künstlerische Form auf soziale und politische Wirklichkeiten und erweitert sie bisweilen zur Ware. Etwa wenn er arbeitslosen jungen Männern gegen Bezahlung eine über zwei Meter lange Linie auf die Haut eintätowieren lässt oder sie einen ganzen Tag lang ohne Pause Zementblöcke hin und her schleppen lässt.
Auch Beate Passows fotografische Arbeiten entstehen vor einem sozialkritischen Hintergrund. Ihre beiden Werke gehören zu den Erwerbungen und Schenkungen aus Ausstellungen der letzten Jahre. Dazu zählen auch Arbeiten des französischen Fotografen Lucien Clergue, dem erst in diesem Jahr eine große retrospektive Ausstellung gewidmet war, sowie die vier Arbeiten des Konkreten Diet Sayler. Erstmals präsentiert werden auch Beispiele aus einer größeren Schenkung des Nürnberger Künstlers Herbert Bessel, sowie aus Schenkungen von Inge Eppich und Marianne und Hansfried Defet zu Egon Eppich.
Sammlungen staatlicher und kommunaler Museen sind ein unverzichtbares geistiges Gut unserer Gesellschaft. Ihr Wert und ihre Bedeutung bemisst sich langfristig, ungeachtet dessen, dass sich die jeweils aktuelle Kunst dem Marktgeschehen und seinen kurzfristigen Spekulationen nicht entziehen kann. Was aber Langfristigkeit bedeutet, zeigt nicht zuletzt die Grafische Sammlung der Erlanger Universitätsbibliothek, deren Schwerpunkte zwischen dem 15. und 17. und dem 19. und frühen 20. Jahrhundert liegen. In der Zusammenschau mit der Städtischen Sammlung geben beide Sammlungen heute einen breiten Überblick über die grafische Kunst der Neuzeit von der Renaissance bis zur aktuellen Gegenwart und machen Erlangen zu einem Zentrum der druckgrafischen Kunst.
Zur Städtischen Sammlung ist das Buch erschienen „100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgrafik aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen“, Herausgeber: Hans Dickel, Lisa Puyplat, Karl Manfred Fischer, Berlin 2007, 265 Seiten, 240 Farbabbildungen, Euro 49,–.
Hier eine MP3-Datei der Besprechung in Bayern 2 vom 3. November 2008
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