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Samstag, 7. Juni 2008,
Städtische Galerie Erlangen, Luitpoldstraße 47, Eintritt 8,–
Euro
Öffentliches Symposion
Die Stadt zwischen Kommerzialisierung
und Subkultur
Die Ästhetiken des öffentlichen Raums
Der öffentliche Raum, das sind seine Straßen
und Plätze, seine Fußgängerzonen und Parks. Städtische
Orte der Kommunikation, des Austausches, der Information und des Handels,
der Repräsentanz und der Kunst und Kultur. Die Hoheit über den
öffentlichen Raum hat der Staat, zugänglich ist er allen seinen
Bürgern.
Das Symposion setzt sich nicht mit dieser traditionellen »Mitte«
des öffentlichen Raumes auseinander. Es nähert sich dem öffentlichen
Raum vielmehr von den kommerzbestimmten und inoffiziösen »Rändern
der Mitte« und ihren vielfältigen ästhetischen Erscheinungsformen.
Denn längst ist der öffentliche Raum in den Demokratien
der Industrienationen mehr und mehr in privatwirtschaftlichen Besitz überführt
und offen und zugleich unterschwellig von der Ästhetik des Konsums
eingenommen worden. Dies drückt sich nicht nur in Passagen, Schaufenstern
und den Palästen des Kaufens aus, sondern auch z.B. in den Stadt-Marketing-Events,
in den großformatigen Billboards, Citylight-Postern und Loops. Auch
die politische Propaganda hat diese Formen aufgegriffen, hat sich ihnen
eingefügt und angepasst.
Gleichsam widerständisch sind seit einigen Jahren
neue individuelle, oft sozial vernetzte subversive Strategien entstanden.
Sie drücken sich in Graffiti, Aufklebern und »ungehörigen«
Parolen aus. Meist sind sie an den jeweiligen Orten unerwünscht,
manchmal sind es Selbstdarstellungen von Privatheit, nicht selten sind
es gesellschaftskritische Interventionen gegen die Mächtigen und
den Mainstream.
All diesen relativ neuen Erscheinungen der ästhetischen Besetzung
des öffentlichen Raums – den kommerziellen wie den privaten
– ist gemeinsam, dass es sich vielfach um temporäre Formen
handelt. Sie entstehen reaktiv und dialogisch und verschwinden rasch wieder,
sind augenblicksorientiert und nicht der Dauer und damit beispielsweise
der Geschichte und dem Erinnern verbunden.
Neben ihren primären Botschaften kommt in ihnen Anderes zum Ausdruck:
so spiegeln sie das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in seinen
Verschiebungen. Sie markieren soziale Zuspitzungen und Brennpunkte des
demokratischen Gemeinwesens. Sie sind Gradmesser für das Tempo gesellschaftlichen
Wandels.
Fünf Experten aus Kulturwissenschaft, Graffiti-Kultur, Soziologie
und Kunstgeschichte definieren den öffentlichen Raum in seiner Veränderung
im Rahmen eines philosophisch-soziologischen Diskurses.
Programm
| 13.00 |
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Begrüßung
Lisa Puyplat, Leiterin der Städtischen Galerie Erlangen |
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Einführung und Moderation
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, Karlsruhe |
| 13.15 |
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Marktwirtschaft und öffentlicher Raum
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, Karlsruhe |
| 14.00 |
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Positionsverschiebungen
Thomas Wiczak, Künstler, ehem. Writer (Graffiti), Editor und
Kurator, Berlin |
| 15.00 |
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Auf und davon: Aufkleber haften für Bekenntnisse
Daniela Roth, Kunsthistorikerin, Bonn |
| 15.45 |
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Kaffeepause |
| 16.00 |
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Ohne Auftrag
Martin Strauß, Künstler, Wien |
| 17.00 |
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Spielorte
Herbert Heinzelmann, Medienpädagoge und Publizist, Nürnberg |
An die Vorträge schließt sich jeweils eine Diskussion
an
Abstracts
Wolfgang Ullrich
»Marktwirtschaft und öffentlicher Raum«
Die Marktwirtschaft gilt oft als Feind des öffentlichen Raums, nämlich
als Quelle von Werbung, Hektik und Hyperkommerzialisierung. Andererseits
liegt der Ursprung vieler Städte im Handel. Dass die jeweilige Wirtschaftordnung
die Gestaltung der öffentlichen Räume bestimmt, ist an vielen
Phänomenen – vom Umgang mit Plätzen bis zur Stadtmöblierung
– zu beobachten.
Der Vortrag versucht, einige Zusammenhänge zwischen Ökonomie
und Ästhetik aufzuzeigen und zu analysieren, um so ein möglichst
differenziertes Bild davon zu zeichnen, wie die Marktwirtschaft auf den
öffentlichen Raum einwirkt.
Zur Person
Wolfgang Ullrich, geboren 1967, studierte Philosophie, Kunstgeschichte,
Logik/Wissenschaftstheorie und Germanistik. Seit der Promotion 1994 mit
einer Arbeit über das Spätwerk Martin Heideggers als freier
Autor, Dozent und Unternehmensberater tätig. Zahlreiche Lehraufträge
und Gastprofessuren. Seit 2006 Professor für Kunstwissenschaft und
Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.
– Publikationen zu Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zeitgenössischen
Bildwelten, Wohlstandsphänomenen. – Letzte Bücher: Was
war Kunst? Biographien eines Begriffs (Frankfurt/Main 2005); Bilder auf
Weltreise. Eine Globalisierungs-kritik (Berlin 2006); Habenwollen. Wie
funktioniert die Konsumkultur?
(Frankfurt/Main 2006); Gesucht: Kunst! Phantombild eines Jokers (Berlin
2007)
Thomas Wiczak
»Positionsverschiebungen«
Als Aktivist der Grafitti-Writing-Kultur (ca. 1992–2007) ist er
Teil einer Subkultur gewesen und hat hautnah miterlebt, wie ihr Wert und
Kurs in den letzten Jahren durch expandierendes öffentliches Interesse
massiv gestiegen ist. Neben der Entwicklung des Writing-Phänomens
in Bereichen wie der Street Art, sind außerdem engere und festere
Beziehungsgefüge zwischen kulturellen/kommerziellen Trägern
und der Kultur entstanden. Anhand (meist) eigener Arbeiten,
mit dem Fokus auf Gruppenprojekte im öffentlichen Stadtraum, in denen
er maßgeblicher Teil der Kuration, Organisation und Umsetzung
gewesen ist, werden verschiedene exemplarische Positionen
dargestellt sowie unterschiedliche Strategien, um als Writer und Street-Art-Künstler
durch Ausstellungspraxis überleben zu können. Außerdem
soll der Versuch des Ausstellens von Straßenkunst, sowie die Vision
der Kultur generell hinterfragt und reflektiert werden – gibt es
überhaupt eine Vision davon?
Zur Person
Thomas Wiczak ist seit 2005 Student der Bildhauerei und Freien Kunst an
der KHB (Kunsthochschule Berlin-Weißensee).
Wiczak war von ca.1992–2007 aktiver Writer und Straßenkünstler.
Er übernahm hier seit 2004 auch verstärkt organisatorische,
kuratorische und koordinatorische Tätigkeiten in Bezug auf diverse
Gruppenprojekte (Jazzstylecorner). Während dieser Zeit erfolgten
Begegnungen mit dem Theater als Bühnenbildner sowie verschiedenste
Studien, Experimente und Arbeiten im Bereich der Malerei, Grafik, Zeichnung
und Kalligrafie.
Seit 2003 fanden bewusste musikalische und freikünstlerische Zusammenkünfte
im Feld der Improvisation statt, als Teil der Band »Tante Dille«
und Mitglied des Rings für Gruppenorganisation (seit 2005) sowie
als Gast bei diversen Improvisationsperformances und durch fotografische
Tätigkeiten im Exploratorium in Berlin.
Daniela Roth
»Auf und davon: Aufkleber haften für Bekenntnisse«
Jede Szene klebt, jede Szene klebt anders und Jugend-Szenen kleben am
meisten. Es bedarf des geübten (Szene-)Blickes und einiger Hintergrundinformation,
um da etwas herauslesen zu können. Der Beitrag befasst sich mit dem
Aufkleber im öffentlichen Raum. Er informiert über die Geschichte
des Aufklebers, wie er funktioniert, was er kommuniziert – und wie
er Verwirrung stiftet. An Aufklebern lässt sich gesellschaftlicher
Wandel ablesen, an Klebe-Strategien sind soziale Milieus zu erkennen.
Zur Person
Daniela Roth, geboren 1970 in Aalen, studierte Rechtswissenschaften, Kunstgeschichte,
Komparatistik und Soziologie in Würzburg, München und Bonn.
Derzeit Arbeit an einer Dissertation über Romuald Hazoumé
aus Benin/Westafrika.
Martin Strauß
»Ohne Auftrag«
Der in Wien lebende Künstler Martin Strauß organisiert und
produziert Kunstprojekte im öffentlichen Raum, wobei ein Schwerpunkt
auf temporären Interventionen liegt, die – nachdem sie ihre
Arbeit getan haben – aus dem Straßenbild wieder verschwinden.
Der Künstler bedient sich dabei der unterschiedlichsten Medien: von
Großplakatkampagnen über riesige aufblasbare Skulpturen bis
hin zu Projekten mit Schaufenstern leerstehender Ladenlokale. Martin Strauß
präsentiert einige seiner Arbeiten.
Zur Person
Martin Strauß, geboren in Wasserburg am Inn, studierte Philosophie
und Soziologie in München, Kunst studierte er in Nürnberg und
Berlin. Er arbeitet als Künstler und Autor mit einem Schwerpunkt
im Bereich der Kunst im öffentlichen Raum bzw. der Kunst in Massenmedien.
Arbeiten und Projekte im öffentlichen Raum in Österreich, Deutschland,
Holland, Dänemark und der Schweiz.
Im Bereich der Ausstellungskunst fand die letzte Einzelpräsentation
im Museum für Angewandte Kunst MAK in Wien statt (2004).
Beteiligung an Gruppenausstellungen zuletzt: »Leerbau«, Künstlerhaus
Salzburg (2007), »Rette sich wer kann«, Museum für Angewandte
Kunst MAK, Wien (2006), »Making Public«, Centrum Beeldende
Kunst, Dordrecht, Holland (2004), »This Side Up – Vienna«,
Museum Oldenburg (2004), »Blind Spot«, A9, Quartier 21, Museumsquartier
Wien (2003).
Zudem ist Martin Strauß als Kurator und Herausgeber tätig,
unter anderem: »Plakat. Kunst«, Springer-Verlag, Wien, New
York 2000; »Blind Spot«, Revolver-Verlag, Frankfurt 2003;
»Kampagnen ohne Auftrag«, Revolver-Verlag, Frankfurt 2004
(alle zus. mit Otto Mittmannsgruber);»Form in der Gegenwartskunst«,
Verlag Turia & Kant, Wien 1999 (zus. mit Eveline List).
Martin Strauß lebt in Wien.
Herbert Heinzelmann
»Spielorte«
Der urbane Raum ist Verfügungsmasse und Spielort. Immer wieder verfügen
Interessengruppen zeitweise über Raumparzellen, die sie für
Ziele und Interessen möblieren und inszenieren. Dazu gehören
Firmen mit Werbeaktionen, Parteien mit Wahlkampfauftritten oder Sportfans
mit Selbstdarstellungen. Der Raum wird zur Bühne. Die Bühne
zieht Kulissen auf und sendet Botschaften. Die Reaktionen des öffentlichen
Publikums sind – wie im Theater – divers.
Zur Person
Herbert Heinzelmann, geboren 1947 in Berching, studierte Germanistik,
Politische Wissenschaft, Theaterwissenschaft und Philosophie in Erlangen.
15 Jahre lang war er Redakteur für Theater und Film im Feuilleton
der Nürnberger Zeitung, danach freier Publizist und Medienpädagoge.
An der Universität Erlangen-Nürnberg hatte er Lehraufträge
für Medienwissenschaft. Für die Bundeszentrale für Politische
Bildung war er sowohl wissenschaftlich als auch publizistisch tätig
und arbeitete an regionalen und überregionalen Kulturprojekten mit.
Herbert Heinzelmann lebt und arbeitet in Nürnberg.
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