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Georg
Baselitz
Adler, Baum, Frau im Fenster
1980
Mappe mit 9 Kaltnadel- und Aquatintaradierungen auf 300 g Hahnemühle-Bütten
Exemplar Nr. 18 von 20 signierten, nummerierten und datierten Exemplaren
Hergestellt in Derneburg
Größe: 78 x 56 cm
Erworben 1986
Biografie
Geboren als Hans-Georg Kern 1938 in Deutschbaselitz. Lebt in Schloss Derneburg
bei Hildesheim. 1956 beginnt er ein Studium an der Hochschule für
bildende Künste in Ostberlin. 1957/58 verlegte er Wohnort und Studium
nach Westberlin. Dort setzte er sich verstärkt mit den Theorien von
Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch und auf einigen Auslandsaufenthalten
mit der Kunst von Geisteskranken auseinander. 1965 erhielt er den Villa-Romana-Preis.
Ab 1969 entdeckte er mit dem Bild
„Der Wald auf dem Kopf“ die Motiv-Umkehr für sich und
malte von da an ausschließlich nach dieser Methode. 1977 wurde er
Professor an der Kunstakademie Karlsruhe, von 1983 bis 1988 leitete er
eine Malklasse an der Hochschule der Künste in Berlin. 1972 begann
er mit Fingermalerei und widmete sich ab 1979 auch der Skulptur.
Von Beginn an ein künstlerischer Einzelgänger, wandte sich Baselitz
konträr zur damals dominierenden Abstraktion als einer der ersten
der figurativen Malerei zu. Da es ihm aber vor allem um die rein malerische
Erkundung, um die Bilderfindung ging, verfremdete er den Gegenstand zuerst
durch Segmentierung, dann durch den irritierenden Kopfstand der Motive,
womit er 1969 zu einer eigenwilligen Bildautonomie fand. „Aggressive
Disharmonie“ sollte die Wiedergabe der fragwürdig gewordenen
Realität verunsichern. Baselitz suchte zwischen den extremen Positionen
des im Osten gelehrten, mit inhaltlicher Schwere belasteten Realismus
und der informell-abstrakten Malerei des Westens einen eigenen Weg, der
am Beginn von Außenseiterfiguren sowohl der Kunst wie auch der Dichtung
begleitet wurde. Er bezog sich unter anderem auf die Kunst der Geisteskranken,
aber auch auf Antonin
Artaud. Ohne die deutsche Situation und die eigene Nicht-Identität
zwischen Ost und West zu erwähnen oder zu illustrieren, spielt die
Tragik der deutschen Verhältnisse eine grundlegende Rolle im Denken
wie in der Kunst von Baselitz. Sein Künstlername muss tatsächlich
wie ein Programm aufgefasst werden. Seit 1956 war Baselitz mit Ralf Winkler
(A.R. Penck) befreundet, der von ähnlichen Überlegungen und
Empfindungen ausging. Nach Themen, die auf die deutsche Vergangenheit
Bezug nahmen, mit Figuren von wuchtiger Körperlichkeit, wandte er
sich Alltagsmotiven wie Köpfen, Akten, Blumen, Stilleben –
vielfach in Serien – zu. In komplexen Kompositionen von formgebändigter
Expressivität und leuchtenden Farben erreichte er eine Monumentalität
von oft visionärer Eindringlichkeit, einen Expressionismus sui generis.
In jüngster Zeit dominieren abstrahierende Tendenzen. Nicht minder
originär ist sein Œuvre an übergroßen, sparsam bemalten,
roh belassenen Holzskulpturen sowie an Zeichnungen und Grafiken.
Bibliografie / Ausstellungen (Auswahl)
Jahn, F.: Baselitz, peintre-graveur, Bd. 1, Werkverzeichnis der Druckgraphik
1963–1974, Bern, Berlin 1983
Gohr, S.: Georg Baselitz. Druckgraphik – Prints – Estampes,
München 1984
Gohr, S. (Hg.): Georg Baselitz – Retrospektive 1964–1991,
Ausstellungskatalog, Hypo-Kunsthalle München u. a., München
1992
Waldemar, D.: Georg Baselitz, Ausstellungskatalog, Solomon R. Guggenheim
Museum u. a., New York 1995
Baeke, Viviane, Stepan, Peter (Hg.): Baselitz. Die Afrika-Sammlung, Kunstsammlung
Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2003
vom Dorp, Pia, Lagler, Annette (Red.): Der europäische Flügel.
Georg Baselitz, Ludwig-Forum für Internationale Kunst, Aachen 2004
Einzelausstellungen
Galerie Beck, Erlangen 1967
Staatliche Graphische Sammlung, München 1972 (Katalog)
Staatliche Graphische Sammlung, Neue Pinakothek, München 1984
Museum Ludwig, Köln 1987 (Katalog)
Städtische Galerie im Städel, Frankfurt 1988 (Katalog)
The Museum of Modern Art (Tatjana Grosman Gallery), New York 1991
Accademia, Florenz 2005
Gruppenausstellungen
Deutscher Kunstpreis der Jugend, Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden 1966
documenta 5/6/7, Kassel 1972/77/82
Deutscher Beitrag zur Biennale São Paulo, Kunstverein Bonn 1975
Kunst der letzten 30 Jahre, Museum moderner Kunst, Wien 1979
Biennale Venedig 1980
Die neuen Wilden, Neue Galerie – Sammlung Ludwig, Aachen 1980
New Art, The Tate Gallery, London 1983
Kunsthalle Nürnberg 1984
Expression & Engagement, Tate Gallery, London 1990
The Museum of Modern Art, New York 1991
Deutschlandbilder, Martin-Gropius-Bau, Berlin 1997
Begegnungen – Beziehungen, Beziehungsfragmente, Galerie Vayhinger,
Möggingen 2003
Stand: 6.10.2005
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