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Vanessa Beecroft

Vogue Hommes

2002
zwei Pigment-Drucke auf Fotobütten
Exemplar Nr. 14 von 45 (+10 A.P.)
mit separatem signierten und nummerierten Label

In den Bildern von Vanessa Beecroft gibt es etwas, was es sonst nirgends gibt: Ihre Bilder sind lebendig. Und das ändert alles. Auch wenn die meisten Betrachter ihre Arbeit nur von Fotos oder Videos kennen: Es ist das Inszenierte und Theatralische des Live-Ereignisses, das diese Bilder von Frauen, deren Ausdruckslosigkeit und Verführungskraft gleichermaßen ins Auge springen, so faszinierend macht. In Beecrofts Körper-Arrangements knistert die Atmosphäre verhalten zwischen Tabubruch und antiken Schönheitsidealen, zwischen erotischer Aufreizung und dem Charme nackter Schaufensterpuppen. Beecroft schafft zeitgemäße Versionen komplexer Figurenkompositionen, die Maler und Bildhauer seit der Renaissance beschäftigt haben.
Seit Mitte der 1990er Jahre inszeniert Vanessa Beecroft Performances mit oft nackten, stilisierten Frauenkörpern als Tableaus. Aber auch Anklänge an die utopischen Visionen zum Klonen von Körpern sind durchaus beabsichtigt. Den Kunstraum verlassen diese Performances allerdings nie. Vanessa Beecroft arbeitet zwar mit realen Körpern, aber produziert am Ende wieder nur Körperbilder. Fotografien – „Stills“ – sind daher das logische Verwertungsmedium ihrer Performances. (...)
Das Material des Künstlers, die Intervention in den eigenen Körper, bleibt letztendlich die Produktion eines Images zur Kapitalisierung auf dem Kunstmarkt. Der Akt des Ausstellens und der Akt des voyeuristischen Zuschauens wird jedoch durch die Ereignislosigkeit bei zunehmendem Verlauf der Performance immer nebensächlicher. Die Grenze zwischen Nackten und Bekleideten, zwischen Performern und Zuschauern wird undeutlich. Was bleibt, ist eine Situation nicht unähnlich dem Hintergrundrauschen des Fernsehens. Gelegentlich schauen wir hin, um zu überprüfen, ob das Programm inzwischen gewechselt hat. Dann wenden wir uns wieder anderen alltäglichen Beschäftigungen zu. In einer Ausstellungssituation ist es das unterbrochene Gespräch, das wir wieder aufnehmen. Interessanterweise wiederholt Beecroft die Performances an einem anderen Tag ausschließlich für die elektronische Dokumentation, als wäre das Publikum nicht Teil der Performance, sondern nur in Kauf genommener Rahmen einer Performance. (...)
Vanessa Beecroft demonstriert, wie das Serielle unserer Identitätskonstruktionen dennoch subtile, codierte Differenzen produziert. Doch ist ihr künstlerisches Konzept mit der Einweg-Kommunikation des Fernsehens – auf das sie ja auch wesentlich abzielt – vergleichbar. Hier wie dort informiert ein Sender viele Empfänger.

Biografie
Geboren 1969 in Genua. Lebt und arbeitet in New York. Ausbildung: 1983–1987 Civico Liceo Artistico Nicol Barabino Architettura, Genua, 1987–1988 Accademia Ligustica Di Belle Arti Pittura, Genua, 1988–1993 Accademia Di Belle Arti Di Brera Scenografia, Mailand.
Vanessa Beecroft inszeniert seit den frühen 1990er Jahren vor allem Bildräume mit Gruppen von Models, Schauspielerinnen, oder zufällig auf der Straße entdeckten Frauen oder neuerdings auch Männern. Im Unterschied zur Tradition der Performance ist die Künstlerin hier nicht selbst involviert, sondern agiert nur als Regisseurin im Hintergrund.

Bibliografie / Einzelausstellungen (Auswahl)
Fondation Cartier, Paris 1995
Museum Ludwig, Köln 1996
Doppel Haut, Kunsthalle zu Kiel, Katalog der Kunsthalle zu Kiel, 1996
Ein Stück vom Himmel – Some Kind of Heaven, Kunsthalle Nürnberg – South London Gallery, GB, Jahresbericht 1997, Magazin 2, Salzburger Kunstverein, 1997
Persona X, Salzburger Kunstverein, Salzburg 1997
Cream, Edited by G. Williams, Phadion, New York 1998
Ontom, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 1998
Photography as Concept, Photographie als Handlung, 4. Internationale Photo-Triennale Esslingen. Galerie der Stadt Esslingen am Neckar, Esslingen 1998
Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1998
Art at the Turn of the Millennium, Hg. von U. Grosenick & B. Riemschneider, Taschen, Köln 1999
Get Together, Kunst als Teamwork, Kunsthalle Wien, 1999
Moving Images: Film – Reflexion in der Kunst. Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 1999
Unheimlich (Uncanny), Fotomuseum Winterthur, 1999
Visionaire 29 Woman, Visionaire Publishing, New York, NY,1999
Museum of Contemporary Art Sidney, 1999
Vanessa Beecroft Performances. Text von Dave Hicky, Hatje Cantz, 2000
Frauen Sehen Frauen, Schirmer und Mosel, München 2001
Metamorphosis and Clones, Ausstellungskatalog, Musée d’Art Contemporain de Montreal, Quebec, Kanada 2001
Monets Vermächtnis; Serie Ordnung und Obsession, Hatje Cantz, Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2001
Transsexual Express; A Classic for the Third Millennium, Center d’Art Santa Monica, Barcelona 2001