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Herbert Bessel
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Künstlerzitate
„Radieren, eine Radierung machen, das heißt für mich;
den Dialog aufsuchen, das Zwiegespräch, das oft genug zum Streitgespräch
wird, die Auseinandersetzung mit dem Material. Das Kupfer, das Zink, die
Säuren, das sind für mich nicht nur Mittel. Wer mit ihnen umgeht,
kann leicht spüren, dass sie eigenes Leben besitzen, eigene Sprache,
ja, eigenen Willen zu haben scheinen. Da liegt für mich die Herausforderung!
Der attraktive Glanz der polierten Platte, der Duft des Abdeck-Lackes,
des Terpentins, der Druckfarben: Das sind die Stimulantien. Sie stehen
am Anfang dieses für mich immer wieder neuen, aufregenden Tuns, in
dessen Verlauf sich alsbald zeigen wird, ob das Material Gegner oder Partner
sein wird, ob es gelingt, das noch Unklare, noch umrisshaft Vorgestellte,
den Wirkungen und Spannungen widerstrebender und helfender Kräfte
ausgesetzt, am Ende zum Ausdruck zu bringen.
Hat das Spiel einmal begonnen, so zeigen die Dinge bald ihr Wesen: Zwischen
Gefügigkeit und Widerstand liegt der weite Bereich der nicht genau
vorausbestimmbaren Möglichkeiten ihres Verhaltens, des Wirkens der
ihnen innewohnenden Kräfte und Gesetzlichkeiten. Den Raum dieser
unausschöpf-baren Möglichkeiten auszuloten, bleibt für
mich ein immer wieder aufregender und risikoreicher Vorgang, der zu überraschenden
Entdeckungen und schmerzlichen Niederlagen führen kann.
Auch jahrelange Erfahrung gibt letztlich doch nur soviel Sicherheit, wie
nötig ist, das Abenteuer zu beginnen. Von da an ist alles wieder
Neuland! Denn dies ergibt ja das Zwiegespräch: Sich öffnen den
Stimmen, hinhorchen!
Der Protest des Stoffes, der herausgeforderte Widerstand, der provozierte
Zufall, Aktion und Unterwerfung des Unberechenbaren, des Eigenwilligen,
das sind die konzertierenden Kräfte, die das Wesen der Radierung
ausmachen und ihren für mich unverwechselbaren Ausdruck. Glück
und Befriedigung, wenn es gelingt, sie zum Sprechen zu bringen!“
Herbert Bessel 2001
Biografie
Herbert Bessel wurde 1921 in Hamburg geboren. Nach Kriegsende begann er
1946 ein Studium als Zeichner und Maler an der Landeskunstschule in Hamburg
Lerchenfeld, das er ab 1947 an der Akademie der bildenden Künste
Nürnberg fortsetzte. Bessel schuf zahlreiche Werke zur Ausgestaltung
von Sakralbauten und öffentlichen Gebäuden: Wandmalereien, Mosaiken,
Reliefs, keramische Wandbilder und insbesondere Glasmalereien sowie Glasfenster.
Die Vielzahl der von ihm verwendeten Techniken wird ergänzt durch
die Gestaltung von Tapisserien, Tabernakeln, Altarkreuzen, Metallskulpturen.
Parallel zur angewandten Kunst, seinen Auftragsarbeiten meist von kirchlicher
Seite, hat er sich immer auch mit der bildenden Kunst im klassischen Sinne
beschäftigt: Malerei in Öl, Tempera und Aquarell, Lithografie,
Radierung, Tuschezeichnung.
Herbert Bessel lebt und arbeitet in Rasch bei Altdorf.
Ausstellungen (Auswahl)
Universa-Haus Nürnberg 1962
Galerie Defet, Nürnberg 1966
Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst, München 1971
Kunstverein Erlangen 1972, 1991, 1996
Goethe-Institut Helsinki, Turku 1975
Kunstsammlungen der Veste Coburg 1987
Städtische Sammlungen, Fembohaus Nürnberg 1988
Galerie Boisserée, Köln 1989
Förderverein Kunstmuseum Erlangen 1998
Stadtmuseum Fembohaus Nürnberg 2001
Kunsthaus Nürnberg 2004
Bibliografie (Auswahl)
Herbert Bessel. Ein Künstler in Franken, Ausstellungskatalog, Nürnberg
2001
Herbert Bessel. Wandlungen, Ausstellungskatalog, Erlangen 2003
Stand: 5.11.2008
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