| Marcel
Broodthaers
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Biografie
Marcel Broodthaers wurde 1924 in Brüssel geboren. Er war Dichter
und Multimedia-Künstler. Seit 1945 publizierte er Gedichte und Artikel
in der Tradition des französischen Symbolismus und Surrealismus.
1957 erschien sein Gedichtband „Mon livre d’Orge“; sein
erster Film „La Clef de l’Horloge“ wurde beim Filmfestival
in Knokke gezeigt. Zeitweilig war er Mitglied der belgischen Kommunistischen
Partei. 1964 trat Broodthaers mit der Eingipsung einer Restauflage seines
Gedichtbandes „Pense-Bête“ zum ersten Mal als bildender
Künstler in Erscheinung. Über Ausstellungen in der Wide White
Space Gallery Antwerpen lernte er die Fluxuskünstler um Beuys kennen,
zu dem er eine kritische Beziehung aufbaute. Die erste Museumsausstellung
fand 1967 im Palais des Beaux-Arts, Brüssel, statt, in der Broodthaers
frühere Objekte auf Fotoleinwand abgedruckt zeigte. Ausgehend von
Magrittes erkenntnistheoretischer Fragestellung befasste sich Broodthaers
mit der Diskrepanz zwischen Wort und Bild, Begriff und Anschauung, erweiterte
dies aber mit der Frage zur Funktion des Künstlers in der modernen
Gesellschaft um eine soziologische Dimension. Es entstanden Assemblagen,
Akkumulationen, Collagen, aber auch Filme, Fotoarbeiten, Texte und Künstlerbücher,
die sich immer mehr zu einer Art Gesamtkunstwerk entwickelten. Die seit
1968 zunehmende Kritik an der Institution Museum und den Strategien des
Kunstmarktes führte Broodthaers zur Gründung eines eigenen (fiktiven)
Museums (Musée d’Art Moderne, Département des Aigles,
Section XIXe). Aus seiner Wohnung als Keimzelle dieses „imaginären
Museums“ verschickte Broodthaers offene Briefe und Pamphlete und
bereitete seine immer komplexer werdenden Ausstellungen vor. So erweiterte
sich die legendäre „Adler“-Ausstellung von 1972 in Düsseldorf,
wo der Künstler seit 1970 seinen Wohnsitz hatte, in einen offenen
Diskurs zur „Demontage der hehren Vorstellung von Kunst“ (Jürgen
Harten). Nach der Schließung des „Musée d’Art
Ancien, Galerie du XXe siècle“ auf der documenta 5 in Kassel
1972 begann Broodthaers mit einer neuen Werkgruppe von 9-teiligen Schriftbildern.
1974–76 wurden sechs große Museumsausstellungen in Brüssel,
Berlin, Oxford, London und Paris durchgeführt. Sein Gesamtwerk wurde
für die Konzeptkunst der 1980er und 1990er Jahre wegweisend.
1976 ist er in Köln gestorben.
zitiert nach Prestel Lexikon: Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
Galerie Saint-Laurent, Brüssel 1964
Wide White Space Gallery, Antwerpen 1966
Palais des Beaux–Arts, Brüssel 1967, 1973
Galerie Françoise Lambert, Mailand 1972
Galerie René Block in Cinema Arsenal, Berlin 1973
Nationalgalerie Berlin, 1975
Centre National d’Art et de Culture, Paris 1975
Kunsthalle Bern, 1982
Galerie Michael Werner, Köln 1986
DAAD Galerie, Berlin 1989
Institute of Contemporary Arts, London 1992
Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven1992
Musée d'Art Moderne et Contemporain, Genf 1997
Palais des Beaux Arts de Bruxelles, Brüssel 2001
Kunsthalle Wien 2003
Gruppenausstellungen
„Distinction Jeune Sculpture Belge 1963“, Palais des Beaux–Arts, Brüssel 1964
„Lignano Biennale I“, Lignano 1968
„Sixth Avant-garde Festival“, New York 1968
„Belgische Kunst 1960–1970“, Kölnischer Kunstverein, Köln 1970
Art Institute of Chicago, 1977
Städtische Kunsthalle Düsseldorf und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1978
Tate Gallery, London 1986
Museum of Contemporary Art, Los Angeles 1986
„Behind the Facts. Interfunktionen 1968–1975“, Fundació Joan Miró, Barcelona 2004
„Open Systems, Tate Modern“, London 2005
„MACBA at Frankfurter Kunstverein“, Kunstverein Frankfurt, 2008
Bibliografie (Auswahl)
Ausstellungskatalog, Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam 1981
Ausstellungskatalog, Kunsthalle Bern 1982
Borgemeister, Rainer, Pelzer, Birgit (Hg.): Vorträge zum filmischen Werk von Marcel Broodthaers, Köln 2001
Borgemeister, Rainer: Marcel Broodthaers. Lesen und Sehen, Bonn 2003
Stand: 05.11.2008 |