|
|
Lucien Clergue
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Künstlerzitat
TOD: „Der Tod war zu sehr Teil meines Lebens, zuerst der Krieg,
dann die Zerstörung des Hauses, die Ermordung von Cousins in Nazi-Lagern;
mein Onkel starb während des Krieges und meine Mutter im Alter von
50 Jahren, als ich 18 war. Meine Mutter und ich haben jeden Abend nach
dem Abendessen über IHREN Tod gesprochen, was nachher zu tun sei,
und so weiter – deshalb, als sie dann starb, war Sie es UND die
Person des Todes zugleich. Ich war total in Panik und ging zum Arzt, der
auch meine Fotos ansah... über den Tod! Als ich ihm später die
weiblichen Aktbilder zeigte, sagte er mit einem Lächeln: „Geh
weg, du brauchst mich nicht mehr!“ Mein Dank gilt den Frauen, die
mir überleben helfen.“
DER AKT: „Jedes Mal, wenn ich ein nacktes junges Mädchen fotografiere,
stoße ich die Grenze des Todes weiter fort. Diese junge Dame symbolisiert
LEBEN, nicht nur durch sich selbst, sondern durch die Verheißung
eines von ihr geborenen Kindes.“
ÜBER DEN AKT: „Ich zeigte in der frühen Periode meiner
Aktfotografien im Meer der Frau den Kopf nicht, denn es gab keine Beziehung
zwischen der Vollkommenheit des Körpers und der Geschichte, die das
Gesicht, das Haar voller Wasser, die geschlossenen Augen, der mich anschreiende
offene Mund erzählte! Aber zu dieser Zeit (Mitte der fünfziger
Jahre) war auch die Zensur sehr streng und man konnte sogar ins Gefängnis
kommen, also wollten die Mädchen nicht erkannt werden. Doch vor allem
glaube ich, dass es meine Absicht war, DIE Frau zu zeigen, nicht diese
oder jene, die Vollkommenheit des ‚goldenen Schnitts’ des
Körpers, wie es der Nobelpreisträger Saint-John Perse nannte,
zu zeigen.“
Lucien Clergue 2003
Biografie
Lucien Clergue wurde 1934 in Arles geboren, wo er auch heute noch lebt.
Die südfranzösische Heimat und die eigene Kindheit und Jugend,
die von Armut und frühem Tod der geliebten Mutter geprägt war,
hatten entscheidenden Einfluss auf die Themen seiner Arbeiten.
Viele seiner Fotografien, fast ausschließlich in schwarz-weiß,
sind in und um Arles entstanden. Die Serien handeln von Sümpfen,
Ruinen, Friedhöfen, Kadavern und von als Gauklern inszenierten Kindern.
Stierkampf, Zigeuner und die Strände der Camargue beschreiben seine
Lebenswelt. Bekannt geworden ist Clergue jedoch in den sechziger Jahren
mit seinen Aktfotos.
Diese Themen, die er bereits Mitte der fünfziger Jahre gefunden hatte,
sind Synonyme für Liebe, Leben, Tod und Vergänglichkeit, begleitet
von den vier Elementen.
Darüber hinaus erzählen zahlreiche Fotografien von den lebenslangen
Freundschaften mit Pablo Picasso und Jean Cocteau. Cocteau nannte ihn
den „Dichter mit der Kamera“.
Als Mitbegründer des bedeutenden Festivals für zeitgenössische
Fotografie, den „Rencontres internationales de la Photographie“
in Arles (1969) und Gründer der ersten französischen Hochschule
für Fotografie, ist er immer ein Streiter für die Anerkennung
der Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium gewesen
und 2007 als erster Fotograf in die Académie des Beaux-Arts in
Paris aufgenommen worden.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
Kunstgewerbemuseum Zürich, 1958
Museum of Modern Art, New York 1961
Palais du Louvre, Paris 1962
Museum Folkwang, Essen 1962
Stadtmuseum München 1964
Kunsthalle Düsseldorf, 1970
Art Institute Chicago, Chicago 1970
Kunsthalle Bern, 1970
Musée de l’Art Moderne, Paris 1987
Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund 1999
Biennale Internazionale di Fotografia di Brescia, Museo Ken Damy, Brescia
2004
Louis Stern Fine Arts Gallery, Los Angeles 2006
Kunsthaus Wien, Wien 2007/08
Picasso-Museum, Münster 2008
Städtische Galerie Erlangen, 2008
Gruppenausstellungen
John Stevenson Gallery, New York 2003
Airport Gallery 1 und 2, Frankfurt am Main 2004
Kamera- und Fotomuseum Leipzig, 2004
Throckmorton Fine Art, The Hammacher Schlemmer Building, New York 2006
Finish Museum of Photography, Helsinki 2008
Museo d’Arte Moderna, Lugano 2009
Bibliografie (Auswahl)
Grands Nus, Paris, Heidelberg 1999
Jean Cocteau and the Testament of Orpheus, New York 2001
Turck, Eva-Monika: Poésie photographique, München 2003
Lucien Clergue, 53 years in photography, Paris 2007
Magie und Mythos. Lucien Clergue, Ausstellungskatalog Kunsthaus Wien,
Picasso-Museum Münster, Städtische Galerie Erlangen 2007
Stand: 5.11.2008
|
|