
weiches Weiß

kaltes Weiß

Rot

warmes Weiß

Blau

Gelb

Grün

Tageslicht

Pink
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Dan Flavin
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
- Untitled (To European Couples)
1971–73
Kassette mit neun Siebdrucken auf Karton
jeweils signiert, datiert, betitelt und nummeriert Mitte unten
jeweils 45 x 59 cm
Exemplar Nr. 21/60
Druck: Rischner-Family, Styria Studio, New York
Verlag: Multiples Inc./Castelli Graphics Inc., New York
erworben 1981
Künstlerzitat
„… Bevor ich es vergesse, bitte nennen Sie meine Arbeit nicht
Skulptur und mich nicht Bildhauer. Ich handhabe und favorisiere keine
dreidimensionalen Stillleben, auch nicht Barbara Rose’ Juddianisierte
„specific objects“. Ich stehe den Problemen der Malerei und
der Plastik fern, und es gibt keinen Grund, mich und meine Arbeit mit
alten Etiketten zu versehen. Mir ist überhaupt klar geworden, dass
es keinen Grund gibt, die alte Orthodoxie zu erneuern.“
Dan Flavin
Zum Werk
Die unbetitelte Serie „To European Couples“ von Dan Flavin
bezieht sich auf seine 1971 vollendete gleichnamige Serie von Eckinstallationen
aus fluoreszierendem Licht. Beide bestehen aus neun formal identischen
quadratischen Elementen in neun verschiedenen Farben: Weiches Weiß,
Kaltes Weiß, Rot, Warmes Weiß, Blau, Gelb, Grün, Tageslicht-Weiß,
und Pink.
Das Konzept für die den Siebdrucken zugrunde liegenden Installationen
entstand 1966, nur drei Jahre nachdem Flavin begonnen hatte, sein plastisches
Schaffen auf reines Licht in Form von Neonröhren zu reduzieren. So
benutzte Flavin seit 1963 in seinen Installationen, seinen „Monumenten“,
ausschließlich Neonröhren, ‚Ready Mades’, frei
erhältliche Massenware in den handelsüblichen fünf Formen
und zehn Farben. Sein gesamtes Werk nach 1963 setzt sich demnach aus nur
50 möglichen Komponenten zusammen. In den „European Couples“
verwendete er sogar nur eine einzige Röhrenlänge von acht Fuß,
wie auf den Drucken angegeben ist.
Zudem tragen seine Arbeiten nach 1963 auch keine Titel mehr, lediglich
eine Widmung, die sich hier an neun mit ihm befreundete europäische
Paare richtet. Auf jedem Druck sind die Namen eines Paares und der jeweilige
Farbton mit Bleistift vermerkt.
Die Serie „To European Couples“ besteht aus neun Siebdrucken,
deren Vorzeichnungen die jeweils vier Neonröhren gleicher Länge
und Farbe darstellen. Diese sind quadratisch angeordnet, wobei die horizontalen
Röhren dem Betrachter zu- und die vertikalen von ihm abgewandt sind
und die Wand anstrahlen. Dies verdeutlicht Flavin, indem er die horizontalen
Rechtecke mit der jeweiligen Farbe füllt, die vertikalen Rechtecke
dagegen ohne Farbfüllung belässt, dafür aber die innerhalb
des Röhrenquadrates liegende Fläche – die rückwärtige
Wand – entsprechend einfärbt.
Die drei Linien, die vom Bildrand aus auf das Quadrat zulaufen, stellen
Kanten eines Raumes dar, die Ecken bilden, für welche die „European
Couples“-Installationen vorgesehen waren: neun Lichtquadrate für
neun Ecken in neun Räumen. Die Unterbrechung der vertikalen Linie
innerhalb des Quadrates bezieht sich auf den von Flavin einst entdeckten
und seitdem bewusst angewandten Effekt, dass man durch Licht Architektur
optisch verändern kann: „Als ich das realisierte, wusste ich,
dass man die räumliche Einheit eines Raumes unterbrechen, dass man
durch sorgfältige, gründliche Komposition des Beleuchtungsmaterials
mit dem Raum spielen kann.“ So lassen die „To European Couples“-Eckinstallationen
die vertikalen Raumkanten, vor denen sie angebracht sind, verschwimmen
oder sogar verschwinden.
Ein Blick genügt nicht, um die Situation zu erfassen. Das Spiel mit
der Illusion als Aufforderung zum nochmaligen Hinsehen, zum bewussten
Wahrnehmen, ist ein typisches Charakteristikum der Minimal Art, die auch
Flavin vertritt. Auch er benutzte geometrische Formen, hier das Quadrat,
und ein zentrales Material, Licht beziehungsweise Farbe, die für
ihn angesichts der industriellen Domestizierung des Lichts eins werden:
„Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Licht und der Farbe; beide
sind Erscheinung.“
Der Betrachter soll die Serie „To European Couples“ weder
interpretieren noch darüber meditieren oder eine (religiöse)
Verklärung erfahren. Flavin wollte vielmehr eine „get-in-get-out“-Situation.
In solchen Monumenten gelingt ihm die Synthese von Skulptur (die Neonröhre
als Material), Malerei (farbiges Licht an der Wand) und Architektur (Gestaltung
des Raumes).
aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgrafik
aus der Sammlung der Städtischen Galerie, Erlangen, Berlin 2007
Biografie
Dan Flavin, 1933 in Jamaika/New York, geboren, begann nach seinem Highschoolabschluss
eine Ausbildung zum Flugwetter-Meteorologen, war als solcher für
die US Air Force u.a. in Osan-Ni, Korea eingesetzt. 1957–59 folgte
ein Studium der Kunstgeschichte an der Columbia University New York. 1961
fand seine erste Einzelausstellung statt. 1964 präsentierte er in
einer großen Ausstellung erstmals elektrisches Licht als künstlerisches
Medium. In der Folge spezialisierte sich Flavin auf Installationen mit
Leuchtstoffröhren. Seine Lichtkunst brachte viele Serien hervor,
deren Themen den Aspekt der Raumwahrnehmung im wahrsten Sinne des Wortes
beleuchteten und so den Betrachter mit in das Werk einbezog. Oft widmete
Flavin seine Werke bestimmten Personen.
Dan Flavin ist 1996 in Riverhead, New York City gestorben.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
Galerie Rudolf Zwirner, Köln 1966
Museum of Contemporary Art, Chicago 1967
National Gallery of Canada, Vancouver 1969
Galerie Ileana Sonnabend, Paris 1970
Kunsthalle Köln 1973
Kunsthalle Basel und Kunstmuseum Basel 1975
Stedelijk Museum, Amsterdam 1986
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden 1989
Städtische Galerie im Städel, Frankfurt 1993
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1994
Oldenburger Kunstverein 1998
Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1999
Deutsche Guggenheim, Berlin 1999
Chinati Foundation, Marfa, Texas 2002
National Gallery of Art, Washington 2004
Museum of Contemporary Art, Chicago 2005
Pinakothek der Moderne, München 2006
Gruppenausstellungen
„A New Aesthetik“, Washington Gallery of Modern Art, Washington,
D.C. 1967
„Minimal Art“, Städtische Kunsthalle Düsseldorf
1968
„Sammlung 1968: Karl Ströher“, Neue Nationalgalerie Berlin,
Neue Pinakothek und Haus der Kunst München 1968
Documenta 4, Kassel 1968
„Diagrams and Drawings”, Kunstmuseum Basel 1972
„Bilder–Objekte–Filme–Konzepte”, Städtische
Galerie im Lenbachhaus München 1973
„Drawing Now”, Museum of Modern Art, New York 1976
Documenta 6, Kassel 1977
„Bilderstreit: Widerspruch, Einheit und Fragment in der Kunst seit
1960”, Rheinhallen, Köln 1989
Bibliografie (Auswahl)
Taylor, Marga (Hg.): Dan Flavin – Die Architektur des Lichts. Katalog
der Ausstellung Deutsche Guggenheim Berlin, Ostfildern-Ruit 1999
Govan, Michael (Hg.): Dan Flavin. A Retrospective, Dia Art Foundation,
New York 2004. Katalog der Ausstellung Pinakothek der Moderne München
2006, mit deutschem Begleitheft
Stand: 5.11.2008
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