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Eugen Gomringer

15 Gedichte

2005
Exemplar 21 von 80
42 x 29,5 cm
erworben 2005

Zum Werk
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzten ernsthafte Versuche zur literarischen Erneuerung im Sinne einer experimentellen Innovationspoetik und in Verlängerung der Avantgardetendenzen seit Beginn des Jahrhunderts erst in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren und unter jenen eigenen Voraussetzungen ein, die aus der fortgeschrittenen historischen Situation resultierten. Unter ihnen kam der sogenannten „konkreten Poesie“ ein ganz entscheidender Stellenwert zu: Ihr Initiator, einer ihrer zentralen Wortführer in Theorie und Praxis, war Eugen Gomringer. (...)
Den neuen, durch ihn in die Gegenwartsliteratur eingeführten Begriff der „Konstellation“ hat Gomringer in seinem programmatischen Statement „vom vers zur konstellation“ selbst wie folgt definiert: „die konstellation ist die einfachste gestaltungsmöglichkeit der auf dem wort beruhenden dichtung.“ Als unmittelbare Herausforderung wird die „schnelle kommunikation“ der modernen Zivilisation apostrophiert: „unsere sprachen befinden sich auf dem weg der formalen vereinfachung. es bilden sich reduzierte, knappe formen. oft geht der inhalt eines satzes in einen einwortbegriff über, oft werden längere ausführungen in form kleiner buchstabengruppen dargestellt. es zeigt sich auch die tendenz, viele sprachen durch einige wenige, allgemeingültige zu ersetzen.“ Was die künstlerische Tendenz zur Abstraktion angeht, werden Wassily Kandinsky, Paul Klee und Piet Mondrian namhaft gemacht; für die Befreiung des Wortes aus dem Satzzusammenhang sind der italienische Futurismus und die
Dada-Bewegung als unmittelbare Vorläufer anzuführen. Zweck dieser neuen Dichtung sei es, so die Folgerung, „der dichtung wieder eine organische funktion in der gesellschaft zu geben und damit den platz des dichters zu seinem nutzen und zum nutzen der gesellschaft neu zu bestimmen. da dabei an die formale vereinfachung unserer sprachen und den zeichencharakter der schrift zu denken ist, kann von einer organischen funktion der dichtung nur dann gesprochen werden, wenn sie sich in diese sprachvorgänge einschaltet. Das neue gedicht ist deshalb als ganzes überschaubar. es wird zum seh- und gebrauchsgegenstand: denkgegenstand – denkspiel.“
zitiert nach: eugen gomringer. vom rand nach innen. die konstellationen 1951–1995, Wien 1995

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Stand: 5.11.2008