| Ludwig Gosewitz
Werk in der Städtischen Sammlung Erlangen:
Typogramme 1
1962
Künstlerbuch
Exemplar 487 von 500
Verlag Eugen Gomringer Press, Frauenfeld/Schweiz
21,0 x 21,0 x 0,5 cm
erworben 2000
Zum Werk
Ludwig Gosewitz gehört mit Tomas Schmit zu den Künstlern, die in der Mitte der sechziger Jahre die „leisere“ Seite von Fluxus in Berlin präsentierten. In vielen Arbeiten von Gosewitz werden Konstellationen und/oder Strukturen von Zahlenverhältnissen abgebildet. Die Zahlenverhältnisse können aus biografisch bestimmten Quellen stammen wie die astrologischen „Geburtsfiguren“ oder aus dem Diagramm von Biorhythmusdaten. Andere Zahlenbilder entstehen aus Visualisierungen mathematischer Strukturen oder Konstruktionen geometrischer Figuren und Relationen.
Biografie
Ludwig Gosewitz, geboren 1936 in Naumburg an der Saale, studierte nach einem ersten Lehrjahr an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt von 1957 bis 1965 Musikgeschichte, Germanistik, Geschichte und Philosophie in Frankfurt am Main und Marburg. Seit Beginn der sechziger Jahre veröffentlichte er visuelle und konkrete Poesie, z.B. 1962 in der eugen gomringer press oder 1967 in der von Emmett Williams für die Something Else Press zusammengestellten „Anthology of Concret Poetry“. 1962 nahm er an den „Parallelen Aufführungen Neuester Musik“ in Amsterdam teil und 1964 an dem von Tomas Schmit organisierten Festival in der Technischen Hochschule Aachen. In Berlin beteiligte er sich seit 1965 an verschiedenen Aktivitäten der Galerie René Block: Er agierte in Wolf Vostells Happening „Phänomene“ und unterstützte Nam June Paik bei der Aufführung der „Robot Opera“ im Zentrum von Berlin. 1966 trat er gemeinsam mit Tomas Schmit und Gerhard Rühm beim „Musikfestival“ auf und realisierte zusammen mit Charlotte Moorman, Nam June Paik, Gerhard Rühm u.a. die europäische Erstaufführung des Stücks „Vexations“ von Erik Satie. Seit 1964 befasste er sich intensiv mit Astrologie und mit der zeichnerischen und verbalen Umsetzung dieser Studien, die bis heute einen wesentlichen Teil seiner künstlerischen Arbeit ausmachen. Daneben begann er in den frühen siebziger Jahren mit der Herstellung kleiner Glasobjekte. 1972 besuchte er die Glasfachhochschule Zwiesel, und von 1973 bis 1978 arbeitete er an einer Glasmanufaktur in Berlin. Er nahm an Kursen für Glasgestaltung u.a. in den USA, in Wien und in Schweden teil. Von 1988–2001 unterrichtete Ludwig Gosewitz als Professor für Glas an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach 49 Jahren kehrte er zurück an seinen Geburtsort und lebt heute in Naumburg.
Ausstellungen (Auswahl)
documenta 7, Kassel 1982
Museum Wiesbaden 1982
Von hier aus, Messegelände, Düsseldorf 1984
Neue Nationalgalerie, Berlin 1985
44. Biennale Venedig 1990
Museum Fridericianum, Kassel 1990
Kunstverein Weiden; Neues Museum Weserburg, Bremen; Bellevue-Saal, Wiesbaden; Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden; Stadtmuseum Wiesbaden; Kunsthalle Fridericianum, Kassel; 2002
National Gallery of Iceland, Reykjavík 2004
Museo de Arte Contemporáneo, Santiago de Chile 2005
MALBA – Colección Costantini, Buenos Aires 2006
Goethe-Institut São Paulo 2006
Bibliografie (Auswahl)
„Kunst in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1985", Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin (Katalog) 1985
Gabriele Knapstein, René Block, Fluxus. Eine lange Geschichte mit vielen Knoten. Fluxus in Deutschland 1962–1994, Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1995
Stand: 5.11.2008
|