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Jörg Immendorff

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Die Naht
  • Freudenmann mit kleiner Reise
  • Krater und Wolke Nr. 2

Künstlerzitat
„Ich hatte zu wenig Platz für malerische Elemente. Der Rahmen war zu eng, und das war der Punkt, wo ich allmählich nervös wurde. Zu der Haltung, dass Kunst und Politik – das heißt Moral – nicht voneinander zu trennen sind, stehe ich heute noch. So muss ich jeden Künstler für dumm erklären, der die Bedrohung durch Atomwirtschaft und Atomrüstung ignoriert. Denn wenn die ersten Bomben fallen, wackeln auch die Staffeleien."
Jörg Immendorf
„Die Mauer kann tausend Jahre stehn doch wird ihr Reich zugrunde gehen dann seht ihr sie stehn wie einst zuvor das alte Brandenburger Tor.“
A. R. Penck 1982

Biografie
Jörg Immendorff wurde 1945 in Bleckede bei Lüneburg geboren. Er studierte 1963–64 zunächst Bühnenkunst an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Teo Otto, wechselte jedoch 1964 in die Klasse von Joseph Beuys. Bis 1966 beteiligte er sich an verschiedenen Aktionen und Manifestationen an der Kunstakademie.
1968–70 organisierte er in mehreren Städten des In- und Auslandes öffentliche Kunstaktivitäten unter der Bezeichnung „LIDL“.
Er arbeitete 1968–80 als Kunsterzieher an der Dumont-Lindemann-Hauptschule in Düsseldorf. 1972 war er Teilnehmer der documenta 5, veröffentlichte 1973 sein Buch „Hier und jetzt: das tun was zu tun ist“.
Im Herbst 1976 und 1977 fanden Treffen mit dem in Dresden lebenden A. R. Penck (Ralf Winkler), in Ostberlin statt, wo beide ein Aktionsbündnis schlossen, aus dem sich Gemeinschaftsarbeiten unter der Bezeichnung „Kollektiv Immendorff-Penck“ ergaben.
Jörg Immendorff hatte Professuren an der Konsthögskolan in Stockholm, den Kunstakademien Hamburg, Trondheim, Zürich, München, Düsseldorf, Tianjin, Peking, der Werkkunstschule Köln sowie an der Städelschule Frankfurt. Immer wieder entwarf er Bühnenbilder und Kostüme.
Die ideologischen Kämpfe zwischen Ost und West, die im Deutschland nach 1945 zugespitzt formuliert und ausgefochten wurden, waren seit jeher Jörg Immendorffs künstlerisches Thema. Austragungsort ist dabei immer auch die Figur des Künstlers. Zu seinen künstlerischen Mitteln zählten für ihn eine Zeitlang auch die Mittel der Agitation. Sie fanden in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren eine Ergänzung im direkten gesellschaftspolitischen Engagement.
Für seine Bilder schuf sich Jörg Immendorff eine Welt aus Zeichen, Emblemen, Metaphern und Symbolen, von Begriffen und Personen, die zu den immer wiederkehrenden Elementen seines Werkes zählen: die Mauer und das Brandenburger Tor, die Systemklemme West, die Systemklemme Ost, die Adlerhälfte, die Quadriga, der Eisstern, die Narbe, die Naht, der Heuler, der Hund und die Raupe. Immer wieder aber hat er auch brisante Motive aufgegriffen wie die Farben der deutschen Nationalflagge oder das Hakenkreuz. Ende der sechziger Jahre drückte sich sein künstlerisches Wirken zunehmend in Aktionen aus. Es entstand die LIDL-Welt, nach einem Nonsense-Wort, das dem Geräusch einer Babyrassel entliehen war, mit Happenings, Performances, Meetings, Diskussionsrunden, künstlerische Formen, die damals Provokation waren, heute jedoch Selbstverständlichkeiten sind mit Bildern, die betont primitiv und kunstlos waren, und mit Text- und Bild-Elementen agitprop- und comicartige Formen aufnahmen. Es wurden in dieser Zeit des Vietnam-Krieges Formen der direkten und ironisch gebrochenen Einmischung in gesellschaftliche Angelegenheiten erprobt. In deren Folge malte Immendorff in einer Form schockierender Regression überdimensionale, feiste, ebenso groteske wie verstörende Säuglinge mit programmatischen Motti in Baby-Sprache, die „Lidl Babys“. Sie waren Vehikel, um Immendorffs gesellschaftlichen Frust auszudrücken. Wie fast stets hatten diese Arbeiten ein Pendant auch in der Druckgrafik.
Jörg Immendorf starb 2007.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen
Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris 1993
Kunstmuseum Wolfsburg 1996
Kunstmuseum Bonn 1998
Kestner Gesellschaft Hannover 2000
Museum Ludwig, Köln 2004
Neue Nationalgalerie, Berlin 2005
Städtische Galerie Erlangen 2006
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg 2007
Sammlung Essl – Kunsthaus, Klosterneuburg 2008

Gruppenausstellungen
documenta 5, Kassel 1972
documenta 7, Kassel 1982
XIII BIENNALE DE PARIS, Paris 1985
documenta 9, Kassel 1992
46. Biennale, Venedig 1995
The first view, Sammlung Essl – Kunsthaus, Klosterneuburg 1999
Kunsthalle Düsseldorf 2000
Von Macke bis Picasso – Meisterwerke der Moderne, Kunsthalle Krems 2001
Mauersprünge – Kunst und Kultur der 80er Jahre in Deutschland, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2003
50. Biennale, Venedig 2003
1. Biennale, Peking 2003
Berlin-Moskau Moskau-Berlin 1950–2000, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2003
Permanent 04, Sammlung Essl – Kunsthaus, Klosterneuburg 2003
German Art – Deutsche Kunst aus amerikanischer Sicht, Städel Museum, Frankfurt/Main 2004
The Triumph of Painting – Part 1, The Saatchi Gallery, London 2005
BIG BANG, Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris 2005
Figur/Skulptur, Sammlung Essl – Kunsthaus, Klosterneuburg 2005
Superstars – Das Prinzip Prominenz. Von Warhol bis Madonna, Kunsthalle Wien 2005
Melancholie – Genie und Wahnsinn in der Kunst, Neue Nationalgalerie, Berlin 2006
Was ist deutsch? Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2006
Eye on Europe – Prints, Books & Multiples, 1960 to Now, MoMA – Museum of Modern Art, New York 2006
Passion for Art – 35 Jahre Essl Museum, Sammlung Essl – Kunsthaus, Klosterneuburg 2007
Deutsche Kunst im Kalten Krieg, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2008

Bibliografie (Auswahl)
Lidl 1966–1970, Stedelijk van Abbemuseum, Eindhoven 1981
Adlerhälfte, Kunsthalle Düsseldorf 1982
Knust, Sabine (Hg.): Jörg Immendorff. Café Deutschland gut. Linolschnitte 82/83, München 1983
Portikus (Hg.): Immendorff’s Handbuch der Akademie für Adler, Frankfurt am Main 1990
Immendorff, Kunsthaus Zürich 1983
Galerie der Stadt Esslingen/Museum moderner Kunst (Hg.): Immendorff. Malerei 1983–1990, Wien 1991
Museum Boymans – van Beuningen, Rotterdam und Haags Gemeentemuseum, Den Haag, Gent 1992
Malerei 1983–1990, Katalog zur Wanderausstellung Osaka/Kyongju/Seoul/Hongkong, Osaka 1992
Belgin, Tayfun (Hg.): Immendorff. Bilder, Museum am Ostwall, Dortmund 2000
Jörg Immendorff. Bilder und Zeichnungen / Paintings and drawings, Kestner Gesellschaft, Hannover 2000
Allen Dingen ist der Wechsel eigen, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg 2001
Jörg Immendorff. Wenn das Bild zum Berg kommt…, Millenium Monument, Peking 2002
Jörg Immendorff, Michael Werner, Köln 2004
Immendorff – Male Lago, Neue National Galerie, Berlin 2005
Geuer & Breckner (Hg.): Jörg Immendorff – das grafische Werk. Werkverzeichnis der Grafiken und Stempeldrucke, mit Texten von Beate Reifenscheidt, Düsseldorf 2006

Stand: 5.11.2008

 
           
freudenmann
krater und wolke

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