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Jörg Immendorff
Die Naht
1982
Mappe mit sechs Linolschnitten auf Karton
jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
jeweils 80 x 61 cm
Exemplar Nr. 19/100
Verlag: Maximilian Verlag, München, und Jörg Immendorff
Text: A. R. Penck
erworben 2007, Inv.-Nr. 1003615
Zum Werk
Jörg Immendorff traf im Jahr 1976 den in Dresden lebenden A. R. Penck.
Diese Begegnung führte zu einer Freundschaft und einer intensiven
künstlerischen Zusammenarbeit. Ihr Wunsch war, „mit dem ‚deutsch-deutschen
Künstlervertrag‘ nicht nur die wechselseitigen Klischees, sondern
auch ‚die Mauer zu überwinden‘.“
In der Mappe „Die Naht“ aus dem Jahr 1982, zu der auch drei
Gedichte von A. R. Penck gehören, befasst sich Immendorff mit dem
Thema des geteilten Deutschlands, das für ihn seit Ende der 1970er
Jahre „zum wohl wichtigsten künstlerischen, politischen und
humanistischen Anliegen“ wird. Er greift in den Darstellungen Motive
aus anderen Werken dieser Zeit auf, beispielsweise aus der Bronzeplastik
„Naht Brandenburger Tor Weltfrage“ von 1982/83.
Die sechs Blätter sind Linolschnitte, eine Technik, die Immendorff
in seinem druckgraphischen OEuvre häufig nutzte. Das erste und das
vierte Blatt der Mappe „Naht“ sind in Gelb auf schwarzem Hintergrund
gedruckt, das zweite in einem Ockerton vor bräunlich-rotem Hintergrund,
jeweils mit roten Akzenten. Das dritte Blatt ist Rot auf Schwarz, die
letzten beiden Blätter Königsblau auf Schwarz, jeweils mit einer
weiß hervorgehobenen Stelle.
Die Mappe bezieht sich auf die Bronzeplastik zum Brandenburger Tor. Auf
einem Postament, das aus den ausgebreiteten Schwingen eines Adlers besteht,
stehen fünf Säulen, links beginnend: eine geschützartige
Maschine, ein Grenzwachturm, gebildet aus Soldaten, mit einem darauf sitzenden
Paar, das zwischen Turm und Gebälk des Tors eingeklemmt ist, dann
die stürzende Quadriga mit Pferden und Wagen und als letztes ein
Doppelpfeiler, bestehend aus einem Pinsel, der an einem Adler lehnt, um
dessen Hals ein weiterer Pinsel geschlungen ist. Auf dem ersten Blatt
der Mappe ist relativ groß die geschützartige Maschine dargestellt.
Am rechten Bildrand ist, von oben nach unten, „Ewiges Andenken“
zu lesen. In der linken oberen Ecke des Bildes sind Ährenkranz, Hammer
und Zirkel aus der Staatsflagge der DDR zu sehen. Darunter liest man „Ausgangspunkt“.
Links von dem Geschützturm steht ein Adlermensch, der eine kleine
Gestalt an der Hand hält und diese auf die Maschine hinweist. Zwischen
den Stützen des Geschützes scheint ein Buch zu schweben, auf
dessen Rücken „Marx“ steht. Die linke Stütze steht
auf einem Mao-Porträt, und unter der rechten sind die Spitzen zweier
Zwiebeltürme zu sehen, die an den Kreml in Moskau erinnern. Im Zentrum
des zweiten Blattes steht der Grenzturm aus Menschen. Auf den anderen
Blättern sind Motive wie die Pferde der Quadriga, Hammer und Sichel,
der Adler mit dem Pinsel um den Hals oder große Pinsel zu sehen.
Auf jedem Blatt befinden sich Begriffe und Bezeichnungen wie „Naht“,
„Ausgangspunkt“, „Quadriga“, „Systemklemme“,
„BrrrD“, „Säule 2, 3, 4, 5“ oder „Brandenburger
Tor“. Immendorff kritisierte die deutsche Teilung, deren spätere
Überwindung für ihn sehr wichtig war. Als er Penck kennen gelernt
hatte, war er noch vom Marxismus wie vom Sozialismus überzeugt, dies
sollte sich aber im Lauf der Jahre ändern, als er über die Mauer
zu schauen lernte und mit seinem Künstlerfreund eine Zirkulation
der Zeichen begann, die NAHT.
aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik
aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007
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Stand: 5.11.2008 |
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