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Allen Jones
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Künstlerzitat
„Die Griechen benutzten eine essentiell männliche Figur, wenn
sie Ideen der Bisexualität abbildeten oder die Dualität der
menschlichen Natur – ich benutze weibliche.“
Allen Jones 1971
Biografie
Allen Jones wurde 1937 in Southampton, England geboren. 1955–60
studierte er am Hornsey College of Art und am Royal College of Art in
London, 1966–68 lebte er in New York. Danach folgten zahlreiche
Lehraufträge, u.a. in Hamburg und Berlin. Seit 1986 ist er Vollmitglied
in der Royal Academy of Arts. Allen Jones lebt in London.
Jones gehört zu jenen englischen Pop-Künstlern der zweiten Generation,
denen mit der Ausstellung „Young Contemporaries“, die 1961
in London stattfand, der Durchbruch gelang.
Das erotische Element, auf das er heute so fixiert zu sein scheint, klang
zum erstenmal 1962 an. Seine Motive entstammen der Bilderwelt der Werbung
und der Sex-Magazine. Zwar verbindet Jones mit ihnen keine direkte Sozialkritik
– er scheint von dem, was er darstellt, fasziniert zu sein –,
doch fügt er der Wirklichkeit, aus der sie stammen, durch die Veränderung,
die er ihnen durch die Malweise vermittelt, ein Moment möglicher
Distanz zu. Er enthebt sie so ihrer eigenen Wirklichkeit, die eine aus
zweiter Hand ist, und ordnet sie seiner eigenen Kunstwirklichkeit unter,
die durch die Vermengung der verschiedensten Stile auf die Kunstwirklichkeit
überhaupt weist. Die konkreten und illusionistischen Stilelemente
relativieren einander, wecken Zweifel am Wahrheitsgehalt des Mitgeteilten,
heben Übereinkünfte in der Wahrnehmung auf und bieten so einen
Ansatz zur Reflexion. Der thematische Reiz, manchmal auch Schock, den
Jones bewusst einsetzt, wird durch formale Mittel umgewandelt zu einem
kritischen Abstand, der Überlegungen zulässt zum Beispiel zu
dem Verhältnis der Geschlechter in der heutigen westlichen Industrie-Gesellschaft
oder zur Frage von Gewalt und Rollen-Identität.
Dennoch wird nicht eindeutig klar, ob es Jones selbst um mehr geht als
um die Ästhetisierung oder auch nur Wiederspiegelung der in seinen
Bildern fixierten Rollenzuweisungen. Eine seiner Arbeiten betitelte Jones
„Und vergesst mir auch die Beine nicht“. Eine Anspielung auf
ein Nietzsche-Zitat („Vergesst mir auch die Peitsche nicht“).
Auf Nietzsche auch könnte der Versuch Jones’ zurückweisen,
in seinen Arbeiten ein Gleichgewicht von Verstand und Gefühl zu erreichen,
wobei der Verstand als männliches, das Gefühl als weibliches
Element hingestellt wird, wobei für Jones die Sexualität zur
Metapher für den schöpferischen Akt überhaupt wurde.
Jones hat sich in vielen Techniken geäußert, bevorzugt wurde
von ihm das Ölgemälde und die Lithografie. In seinen Skulpturen
stellt er in den dargestellten weiblichen Wesen im direkten Sinne den
Objektcharakter heraus. Seine sadomasochistischen Pin-ups fungieren als
Tische, Kleiderständer und Stühle. Der Unterschied, der Jones
von der amerikanischen Pop-Art trennt, wird in der Betonung der malerischen
Qualitäten seiner Bilder deutlich, in denen er ganz bewusst auf europäische
Stiltraditionen zurückgreift und in der philosophisch-psychologischen
Untermauerung seiner Thematik.
Ausstellungen (Auswahl)
Documenta 3, Kassel 1964
Documenta 4, Kassel 1968
Desire, Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal 2001
Blast to Freeze, Kunstmuseum Wolfsburg 2002
aufgeschraubt und abgestaubt, Ludwig Forum, Aachen 2003
Art and the 60s: This Was Tomorrow, Tate Britain, London 2004
Life as a Legend, Kunsthaus Hamburg 2006
True Romance, Kunsthalle Wien 2007
Made in Munich, Haus der Kunst, München 2008
POP und die Folgen. Museum der Stadt Ratingen 2008
Europop. Kunsthaus Zürich 2008
Bibliografie (Auswahl)
Peters, Hans Albert (Hg.): Allen Jones. Retrospective of paintings 1957–1978,
Katalog der Ausstellung Walker Art Gallery Liverpool, Serpentine Gallery
London, Kunsthalle Baden-Baden 1979. Liverpool, Baden-Baden 1979
Allen Jones 1976–1992, Katalog der Ausstellung Frank-Pages-Art-Galerie,
Baden-Baden 1992
Livingstone, Marco (Hg.) Allen Jones – Prints. Katalog der Ausstellung
Barbican Art Gallery London, München 1995
Stand: 5.11.2008
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