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Allen Jones
The Magician Suite
1976
sechs Lithografien auf handgeschöpftem Bütten
jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
jeweils 59 x 84 cm
Exemplar Nr. 26/60
Druck: Landfall Press, Chicago
Verlag: Waddington Graphics, London
erworben 1979, Inv.-Nr. 1001133
Zum Werk
Die sechs Lithografien mit dem Titel „The Magician Suite”
– „Zauberer“ beschäftigen sich mit der Beziehung
von Mann und Frau. Die auf allen sechs Bildern gleichen Kompositionselemente
sind die beiden Ebenen, die in der Mitte und unten die Bilder perspektivisch
unterteilen, Räume schaffen, deren Illusionismus nicht zu Ende gedacht
ist. Denn das Perspektivische führt zurück auf ebene große
Flächen, die durch starke, sinnlich wirkende Farben bezeichnet sind.
Die Art dieses Farbauftrages, die Verteilung der Farben auf die Fläche
orientiert sich an der Konkreten Kunst. Für die figurativen Motive
benutzt Jones unterschiedliche Stilelemente.
Auf fast allen Bildern erscheinen immer nur Teile männlicher und
weiblicher Wesen. Nur jeweils einmal sind Mann und Frau in ganzer Person
dargestellt. Der in einen Straßenanzug gekleidete Mann ist gezeichnet
– wobei Zeichnung an sich ein abstrahierendes, intellektualistisches
Moment ist – die Frau ist als Pin-up in prall-plastischer Betonung
ihrer Körperlichkeit dargestellt, welche freilich zum Teil von längsgerichteten
Farbstreifen überdeckt ist, also in der Ikonografie des Künstlers
eine zum Phallus umgewandelte Weiblichkeit andeutet. Mann und Frau sind
typisiert dargestellt. Teils Fetisch teils Symbolcharakter hat dabei der
hochhackige Schuh, in dem sich die Ambivalenz der Jonesschen Weiblichkeit
ausdrückt. Jones hat sich einmal selbst zur Darstellung des Schuhs
in seinen Bildern geäußert: „Beine zu malen hieß
Schuhe in Betracht zu ziehen. Einen Schuh malen heißt einen Stil
malen, und ich wollte dadurch das Bild nicht datieren. Ich wollte bloß
die Idee ‚Schuh’, so wie ich die Idee ‚Bein’ wollte.
Der hochhackige schwarze Schuh wurde so unvermeidlich. Es ist der archetypische
Schuh, von Freud bis Fredericks. Der ‚stiletto’ (Pfennigabsatz)
ist archetypisch und zeitlos als Darstellung von Schuh. Jeder andere hätte
ein deskriptives Interesse an der Umgebung bedeutet, ein Kommentar –
Mary Quant etc. – das Bild hätte eine Nebenbedeutung ‚schick’
gehabt und wäre mit dem Schuhstil datumsgleich gesetzt worden und
es hätte so eine Generation gedauert, bis der Betrachter in der Lage
gewesen wäre, nur ‚Schuh’ zu sehen und die damit verbundenen
Implikationen... In der Vogue wurden im Zusammenhang mit der Collection
St. Laurent Mädchen in Allen-Jones-Schuhen erwähnt. Die ‚Mode’
läuft meinem Werk nach, aber das derzeitige Interesse an den Vierzigern
ist nicht Teil meiner Ästhetik. Mir ging es in der Mitte der 60er
Jahre darum, dass der Schuh unmodisch war.“
Die Bilder sind zu einer inhaltlich ablesbaren Folge geordnet, die ihren
Ablauf in Ersehnen, Vereinigung und Trennung ausdrückt. Die Thematik
dieser Serie ist in einem Ölbild von 1974 angesprochen, zu dem Marco
Livingstone im Katalog der Baden-Badener-Ausstellung schreibt: „Wie
der Magier, so ist auch der Maler ein Illusionist und ein Meister der
Fingerfertigkeit. In Jones’ Fall kann die Analogie sogar noch weiter
getrieben werden, da seine Bilder von Menschen scheinbar vor unseren Augen
aus der Substanz der Farbe selbst heraufbeschworen werden. Egal wie viele
seiner Kunstmittel der Künstler offenlegt, dieser Umwandlungsprozess
behält seinen schwer fassbaren Charakter als schöpferischer
Akt, der über die Begrenzung der Logik hinausreicht. Der Vergleich
zwischen Magier und Künstler darf aber nur als poetische Metapher
aufgefasst werden; denn die Zielvorstellungen sind in beiden Fällen
fundamental verschieden. Der Erfolg des Magiers hängt davon ab, ob
es ihm gelingt, die Mittel zu verbergen, mit denen er bestimmte Wirkungen
erzielt – so muss ein Schleier des Geheimnisses bleiben. Die Zuschauer
werden in einer psychologischen Distanz gehalten, selbst dann, wenn sie
auf die Bühne gebeten werden, um dem Meister zu assistieren, und
sie werden dadurch in einer grundsätzlich passiven Rolle gehalten.
Die Situation des Betrachters vor einem Bild von Jones ist aber ganz anders:
durch sein Werk erklärt der Künstler alles, was er tut, so dass
wir eher Schüler als Betrachter sind. Jones war schon immer daran
gelegen, die Kunstgriffe des Handwerks offenzulegen, die Natur der Illusion
aufzuzeigen, weil er die Mystifikation ablehnt, der die moderne Kunst
so oft angeklagt ist. Unsere Ehrfurcht dem Magier gegenüber wurzelt
in einer willfährigen Unwissenheit über die Mittel, mit denen
wir getäuscht werden. Unsere Wertschätzung der Leistung des
Künstlers dagegen wächst mit unserem Verständnis der daran
beteiligten Prozesse.“
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Stand: 5.11.2008 |
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