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Donald Judd

Rot auf Papier

1961–69
Holzschnitt
signiert rechts unten, datiert und nummeriert links unten
78,8 x 57 cm
Exemplar Nr. 6/6
Druck: Roy C. Judd
erworben 1975

Blau auf Papier

1961–69
Holzschnitt
signiert rechts unten
78,8 x 57 cm
Exemplar Nr. 6/6
Druck: Roy C. Judd
erworben 1975

Zum Werk
Jede illusionistische Funktion und jede Symbolik der Farbe schloss Donald Judd kategorisch aus, sie soll stattdessen um ihrer selbst willen gezeigt werden. Der hier gewählte Farbklang Rot/Blau gehört zu einer Reihe definierter Kombinationen, die Judd als „kontrastierende Farbenpaare“ bezeichnet hat. In ihnen soll die unmodulierte Reinheit der Farbe erhalten bleiben, die in illusionistischen Gemälden gar nicht vorkommen kann. Judd benutzt deshalb zwei separate Blätter, die jedoch keine Pendants darstellen, sondern ein Paar individueller Holzschnitte bilden, denn „zwei Farben auf derselben Fläche befinden sich fast immer (optisch) in verschiedenen Tiefenebenen“ und erzeugen eine räumliche Illusion, die er unbedingt vermeiden wollte.
Vielmehr strebte Judd eine Kunst an, die „vor Vögeln sicher“ ist. Im Gegensatz zu Zeuxis, einem Künstler des antiken Griechenland, der für seine illusionistisch perfekt gemalten Trauben, an denen die Vögel pickten, bekannt war, wollte Judd, dass sich die Vögel – bzw. die Betrachter – nicht täuschen lassen und seine Bilder als das sehen, was sie sind: Form und Farbe. „Erscheinung zu simulieren verträgt sich nicht mit meinem fortgeschrittenen Interesse an Farbe.“ Judd vermied zwar den Illusionismus, aber dennoch schuf er durch den Bezug der Farbe zur Fläche und der Bilder zueinander Illusionen. Sein Interesse galt dem Sehen. Er färbte nicht die gesamte Fläche ein, sondern stellte die jeweilige Farbe auf Papier, auf Weiß dar. Daraus ergaben sich die optischen Wirkungen, mit denen er den Betrachter konfrontiert.
Rot und Blau bilden jeweils mit dem Weiß des Papiers ein „Zweifarben-Monochrom“, ihre Kombination ist uns „so vertraut, dass sie fast eine neue Einheit bilden“. So wird die Farbe zu einer Form, einer Figur auf einem Grund. Judd wählte dabei nicht wie so häufig ein Rechteck, sondern ein Parallelogramm. So entsteht eine perspektivische Wirkung, eine Vorstellung von Raum. Farbe und Grund treten in ein Verhältnis zueinander, das genaues Hinsehen erfordert. Zu sehen sind nämlich nicht etwa zwei Parallelogramme mit einbeschriebenen weißen Linien, die ,Linien’ sind vielmehr ausgespart und schneiden in die Parallelogramme so ein, dass die entstehenden Streifen oder Balken, sowohl die vertikalen, als auch der jeweils horizontale, alle exakt die gleiche Breite aufweisen. Farbform und Papiergrund sind gleichwertig, scheinen sich gegenseitig zu durchdringen.
Weitere Beobachtungen ergeben sich aus dem Verhältnis der Blätter zueinander. Lässt man seinen Blick nach längerer Betrachtung über die weiße Wand zum zweiten Blatt gleiten, entspricht der Nachbildeffekt der ersten Bildfläche farblich der zweiten. Spätestens dabei wird bewusst, dass die Drucke formal nicht identisch sind: Einmal nämlich verläuft die horizontale weiße Aussparung durchgehend vom linken bis zum rechten Balken, einmal trennt sie nur jeden zweiten Balken von der Horizontale ab. Die Strukturen sind weniger starr als sie scheinen.
Judd will den Blick schärfen, durch kleine Unterschiede zeigen, dass nichts so sein muss, wie es scheint. Optische Täuschung des Auges zur optischen Ent-Täuschung des Geistes durch bewusste Wahrnehmung.
aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007

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Stand: 5.11.2008