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Arthur Köpcke
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
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- Bilder und Stücke
- begreifen erleben: Gesammelte Schriften
Künstlerzitat
= = die neue wirklichkeit /
alle ideen, schöpfungen entstehen aus der notwendigkeit und ihr wert
ist durch ihre epoche bedingt = alle ideen findet man im keimzustand in
der menschlichen gesellschaft und sie lassen sich nicht widerlegen = der
denker und der künstler drücken sie aus =
die kunst von heute ist nicht nur und ausschließlich ein gegensatz
zu früheren existenzformen, sondern eher der ausdruck unserer eigenen
situation heute = die kunst von heute ist, wie zu allen zeiten, nicht
nur diagnose, sondern gleichzeitig therapie = die kunst von heute ist
dabei, den stolz der renaissance zu reduzieren: die heroisch-monumentale
tragische form = aber: hier wird die reduktion zu einer neuen tranzendenz,
und dieser wieder offene raum gibt uns reichlich freiraum, den die kunst
dann ausfüllen kann, ja vielleicht die forderungen zufriedenstellen
kann: die unsere Zeit stellt =
die kunst von heute will keine abgenutzte metaphysik gegen die kühnheit
von mathematik und naturwissenschaften setzen = der indeterminismus in
u.a. der ethik, der ästhetik, der physik ist heute das zentrale problem,
und die kunst nimmt an dieser diskussion teil =
... ich sage, daß ich n u r etwas mache was andere
auch machen könnten
so ist in der tat die grundhaltung des künstlers (von heute) eingekreist
–
er macht nur in seinem fach was durch dieses bedingt ist – (temporär)
er ist ausgestattet mit einem amor vacui, d.h. grob gesagt: er ist auf
der suche
nach dem, was nicht existiert, was es noch nicht gibt, –
kunst ist künstlich (theoretisch)
daß kunst zu kultur werden kann und (banal/theoretisch) aufhört
kunst zu sein –
hier wird etwas theoretisches zu etwas praktischem – also das vorher
nicht
existierende (aber was es theoretisch gab, sonst könnte daraus nichts
werden) wurde
zu etwas mit absoluter buchstabenreihe konkretisiert, damit sehen wir,
daß dieses
werk (bild, gebilde, form, kunstwerk) zu einem biologischen ding unter
biologischen dingen wurde...“
„wir haben gelernt, daß das mit dem beleidigen des bürgertums
nicht etwas absolutes ist, sondern aus einem ‚das-werk-nicht-als-aufforderung-annehmen’
hervorgeht
– die aufforderung kann provozierend sein (provokation ist also
ein winziger
bestandteil der aufforderung –)
provokation, die ihren anteil hat an der aufforderung =
wir haben gelernt, dass die existenz/welt des Künstlers komplexer
ist
der wert besteht darin, dass die gedanken zum ausdrucke kommen und der
wert
wird noch größer, umso besser sie ausgedrückt werden –
er bedient sich der mittel,
die ihm zur Verfügung stehen (temporär), physikalische, chemische,
die weiter-
entwicklungen sind – die reaktion beim betrachter (publikum) bekommt
erst dann
wahren wert, wenn er vorher gedacht hat, früher gedacht hat, wie
das, was das werk zum ausdruck bringt
(diskutieren ist nur möglich zwischen denen, die einig sind –)
wenn der betrachter (publikum) das eingesehen hat, hat er das werk überwunden
(die buchstabenreihe, ideenwelt) (und theoretisch: daß die ideenwelt
zur realwelt werden soll, ist bestätigt)
was das ziel gewesen ist
Auszüge aus dem Text „zusammengesetztes. Arthur Köpcke.
begreifen erleben“. Gesammelte Schriften, Hg. Barbara Wien, Berlin
1994
Biografie
„Arthur Köpcke (geboren 1928 in Hamburg, gestorben 1977 in
Kopenhagen) war einer der interessantesten Künstler in der Szene
der sechziger und siebziger Jahre. Sein umfangreiches Werk ist eine Collage
aus Literatur, Malerei, Objekt-, Konzept- und Aktionskunst. Vieles wirkt
auf den ersten Blick paradox, nicht greifbar: So stehen ephemere Aktionen
und die Zeit überdauernde Werke, sprödes, lapidar formuliertes
Konzept und opulente Malerei gleichwertig nebeneinander. Einerseits arbeitete
Köpcke anti-institutionell an der Auflösung des tradierten Werkcharakters,
andererseits produzierte er Kunst und stellte im Kunstkontext aus. Er
wechselte nicht nur scheinbar mühelos die Medien, sondern auch die
Rollen – als Künstler, als Galerist und Kunstvermittler –
die Schreibweise seines Namens und die Sprache, in der er sich artikulierte:
Deutsch, Dänisch und Englisch. Wie ein roter Faden zieht sich durch
seine gesamte künstlerische Praxis die schnelle unbekümmerte
Aneignung neuer Stile und Ausdrucksformen; zentrale Impulse der fünfziger,
sechziger und siebziger Jahre sind hier ablesbar. Immer wieder wurden
Versatzstücke aus Arbeiten anderer Künstler dem eigenen Werk
einverleibt, Anregungen humorvoll und ironisch reflektiert, weiterentwickelt
und in etwas Neues, Eigenes umgewandelt. Dennoch lässt sich das,
was auf den ersten Blick gattungsmäßig nur schwer zu fixieren
und in Ordnungsschemata kaum einzufügen ist, in einen (chronologischen)
Zusammenhang bringen, der die Erschließung dieses erstaunlichen
Puzzles erst ermöglicht.
1958 siedelte Köpcke aus Hamburg nach Kopenhagen über und eröffnete
gemeinsam mit seiner Frau Tut die – kommerziell wenig erfolgreiche
– Galerie Køpcke, die bald zur wichtigsten dänischen
Plattform einer jungen internationalen Avantgarde avancierte. Hier stellten
z.B. Piero Manzoni, Dieter Rot, Niki de Saint-Phalle und Daniel Spoerri
aus. Interessant ist, dass sich die Ausstellungspolitik der Galerie –
Informel, Nouveau Réalisme und Fluxus – sehr direkt in Köpckes
eigener künstlerischer Arbeit niederschlug.
Von Beginn an standen die Auseinandersetzung mit Wort und Bild sowie deren
Wahrnehmung im Zentrum von Köpckes Interesse. Doch erst durch Fluxus,
internationales Sammelbecken progressiver künstlerischer Kräfte
im Zwischenbereich von Musik, Theater, Literatur und Bildender Kunst,
fanden seine ‚versuche verschiedener art’ (Köpcke) zu
einer Synthese. Köpcke war Teilnehmer und Organisator zahlreicher
Fluxus-Veranstaltungen und eine Schlüsselfigur für Fluxus in
Dänemark – und ganz Skandinavien. Unter dem Einfluss von Fluxus
entstand Köpckes konzeptuelles Schlüsselwerk, das ‚reading/work-pieces-manuscript’,
auf das sich Köpcke auch in der bildnerischen Arbeit ab 1964 immer
wieder bezog. Hier entwickelte der Künstler eine eigenwillig originäre
von der amerikanischen Pop Art beeinflusste lapidare Bildsprache, mit
der er den Fluxus-Geist ins Tafelbild hineinholte. Die Rebus- und Rätselbilder,
action- und workshop-pieces sind, obwohl malerisch, doch nicht Malerei,
sondern Gedanken auf Leinwand.’“ Henning Christiansen
Die Sprengkraft des umfangreichen Bilder-Konvoluts, das High and Low auf
so unnachahmliche Weise miteinander verbindet, kann von der Kunstgeschichte
erst heute, aus zeitlicher Distanz, angemessen beurteilt werden. Köpckes
Bilder nahmen nicht zuletzt durch ihre Trash-Ästhetik vieles von
dem vorweg, was in der Malerei folgender Jahrzehnte entwickelt wurde.
Die Kunst der sechziger Jahre postulierte, neben anderem, die Durchlässigkeit
der Grenzen von Kunst und Leben. Intensiver als die meisten Künstler
aus dem Fluxus-Kreis führte Arthur Köpcke diese Grenzüberschreitung
vor. Köpckes Kunst war wie sein Leben: reich an Facetten, Sprüngen
und Brüchen. Das eine beeinflusste das andere und vice versa.“
Ausstellungskatalog „Arthur Köpcke in
der Kunsthalle Fridericianum“, Kassel 2004
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
Galerie Køpcke, Kopenhagen 1961
Otto Olsen, Bearbeitung durch Køpcke, Galerie Køpcke, Kopenhagen
1962
Galerie Hansjörg Mayer, Stuttgart 1969
Lousiana, Humlebæk, Dänemark 1970
Continue..., Galerie René Block, Berlin 1973
Statens Museum for Kunst, Kopenhagen 1979
Roskilde, Fluxus Festival 1985
DAAD-Galerie, Berlin 1987/88
Museum am Ostwall, Dortmund 1987
Gemeentemuseum Den Haag, 1987/88
Kunsthalle Kiel, 1987/88
Kunsthalle Hamburg, 2003/04
Kunstverein Düsseldorf, 2004
Gruppenausstellungen
Galerie Køpcke, Kopenhagen 1959
Hamburgisches Museum für Völkerkunde und Vorgeschichte, Hamburg
1960
Festival of Misfits, Gallery One, London 1962
Sammlung Hahn, Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1968
Tabernakel, Louisiana, Humlebæk 1970
Happening & Fluxus, Kölnischer Kunstverein, Köln 1970
Sammlung Cremer, Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1971
Szene Berlin. Mai 1972, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
1972
Kunst der letzten 30 Jahre, Museum moderner Kunst, Wien 1979
Von hier aus, Düsseldorf 1984
Fröhliche Wissenschaft. Das Archiv Sohm, Staatsgalerie Stuttgart,
1986
Berlin Art, Museum of Modern Art, New York 1987
Museum of Modern Art, San Francisco 1987
44. Biennale Venedig 1990
„Chronos & Kairos“, Kunsthalle Fridericianum, Kassel 1999
„Norden“, Kunsthalle Wien 2000
Kunsthalle Düsseldorf 2003
„Fluxus in Deutschland“, Nationalgalerie von Island, Reykjavik
2004
„70/90. Engagierte Kunst“, Neues Museum Nürnberg 2005
„Art and Politics“, Neue Galerie, Graz 2006
Museum der bildenden Künste, Leipzig 2006
„Das abc der Bilder“, Pergamonmuseum, Berlin 2007
„Weltempfänger – 10 Jahre Galerie der Gegenwart“,
Kunsthalle Hamburg 2008
„Made in Munich“, Haus der Kunst, München 2008/09
Bibliografie (Auswahl)
Arthur Köpcke. Bilder und Stücke, Ausstellungskatalog Berlin,
Dortmund, Den Haag 1987
Wien, Barbara (Hg.): Arthur Köpcke. begreifen erleben. Gesammelte
Schriften, Berlin 1994
Stand: 5.11.2008
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