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Joseph Kosuth

INTENTIO (Project) #3

1984/85
Serie von 4 Bildern (A-D)
Mischtechnik / Foto auf Leinwand
Gruppe Nr. 3 von 4 (insgesamt 4 x 4 Unikate) auf der Rückseite signierten und datierten Exemplaren
Größe: A 180 x 112,5 cm, B 167,5 x 112,5 cm, C 175 x 112,5 cm, D 165 x 112,5 cm
Erworben 1987

Biografie
Geboren 1945 in Toledo/Ohio. Lebt in New York, Rom und Stuttgart.1963–64 Studium am Cleveland Institute of Art in Cleveland/Ohio. 1965–67 Besuch der School of Visual Arts in New York. 1971–72 Studium an der New School for Social Research. 1975 Gründung der Zeitschrift „The Fox“ (mit anderen Mitgliedern von Art & Language). Ab 1967 Professor an der School of Visual Arts, New York, 1988–90 an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg, ab 1991 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Hauptvertreter der amerikanischen Concept Art mit der These, Kunst sei Philosophieersatz. Ab 1965 tautologische Arbeiten, ausgehend von der Sprachphilosophie
Wittgensteins („Four Square Glass Leaning", 1965). In den „Investigations" (1965–74) präsentiert Kosuth einen Gegenstand, dessen Fotografie und die entsprechende Lexikondefinition nebeneinander, um auf die Bedeutung des Kunstkontextes hinzuweisen („One and Three Chairs", 1965).
1974–81 untersuchte er in der Serie „Text/Kontext" Kunst in ihren gesellschaftlichen Bezügen (Texte auf Plakatwänden), in den 80er Jahren den Bedeutungswandel der Kunst in der geschichtlichen
Tradition. Die Serie „Ex Libris" (1989) verwendet in mehreren Städten zwischen Antwerpen und
Buenos Aires Literaturpassagen, die mit den jeweiligen Städten verbunden sind. Für die documenta 9 verhängt Kosuth die Kunstwerke zweier langer Räume und lässt nur ihre Konturen und Angaben zu Titel, Format und Technik sichtbar. Auf den Tüchern sind philosophische Texte zu lesen, denen aber aufgrund von Streichungen ihre Aussage verweigert wird. Sprache, Bild und Gegenstand, architektonischer, gesellschaftlicher und kultureller Kontext bilden ein Beziehungsgefüge, in welchem sich Bedeutung konstituiert. Schon zu Beginn seiner ersten Werke in den 60er Jahren will Joseph Kosuth die traditionelle Aura des Kunstwerks aufheben. Auf der Suche nach der puren Kunst in seinen Werken stellt er Form, Farbe und Materialien in den Hintergrund und bringt als Hauptelement das Konzept, die Idee hervor. Das sinnbildliche Werk „Ein und drei Stühle“ (1965) aus der Serie „Protoinvestigations“ wird normalerweise als Sinnbild des Beginns und der Essenz der Konzeptualkunst angesehen. Dieses Werk zeigt einen Stuhl zusammen mit der Fotografie des Stuhls in seiner wirklichen Größe und einer vergrößerten Fotografie von der Definition eines Stuhls, so wie sie im Wörterbuch erscheint. In indirekter Aufforderung wird der Betrachter Teil der Produktion der Bedeutung des Werkes. Neu war die Integration von Foto und Text in einem Werk.

Zum Werk
Das Werk „Intentio“ ist Teil einer Serie von Werken („Cathexis“ 1981–82, „Hypercathexis“ 1983, „Fort!Da!“ 1985 und „Zero and Not“ 1985), die als innere „Markierung“ die Texte von Sigmund Freud verwendet. Freuds Schriften werden als System korrespondierender Referenzen verwendet, die die Relationen von Relationen organisieren. Dieses Werk, begonnen im November 1984, ist eine Antwort auf bestimmte problematische Aspekte, noch ungelöst, zwischen „Cathexis“ und „Hypercathexis“.
Obwohl dieses Werk sowohl vor „Fort!Da!“ und auch „Zero and Not“ entstand, machten komplexe Verflechtungen bei der Recherche und Produktion des Werks eine spätere öffentliche Präsentation (Musée des Beaux-Arts, La Chaux-de-Fonds, Schweiz, 21. Juni 1985) nötig. Die Eigenheit dieses Werks machte es notwendig, es als systemisches Ganzes zu produzieren: es besteht aus einer Gruppe von 16 Unikaten, bei denen die inneren Elemente aufeinander abgestimmt sind, um untereinander zu funktionieren. Deshalb musste dieses Werk, anders als andere Arbeiten dieser Serie, notwendigerweise auf einmal produziert werden.

Bibliografie / Ausstellungen (Auswahl)
Kosuth, J.: Art Investigations & ”Problematics” 1965–1973, Tübingen 1973
Kosuth, J.: Joseph Kosuth. Kein Ausweg – No Exit, Ostfildern 1991
Freedberg, D.: The Play of Unmentionable: An Installation by Joseph Kosuth at the Brooklyn Museum, New York 1992
Wiehager, R. (Hg.): Joseph Kosuth – Kein Ding, Kein Ich, Keine Form, Kein Grundsatz (Sind Sicher) / no thing, no self, no form, no principle (was certain), Ausstellungskatalog, Stuttgart 1993
Biggiero, F., Kosuth, J.: Guide to Contemporary Art, Charta Verlag 2004

Einzelausstellungen
Museum of Contemporary Art, Chicago/Illinois 1969
Kunstmuseum Luzern 1973
Kunsthalle Bremen 1976
„Joseph Kosuth-Tekst-Kontekst“, Stedelijk Van Abbe Museum, Einhoven 1978
„Joseph Kosuth – Bedeutung von Bedeutung“, Staatsgalerie Stuttgart 1981
„Gäste und Fremde – Goethes Italienische Reise“, Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main 1999
„Eine verstummte Bibliothek – Joseph Kosuth“, Kunstmuseum des Kantons Thurgau, Warth 2003

Gruppenausstellungen
documenta 5/7/9, Kassel 1972/82/92
37./45. Biennale Venedig 1976/93

Stand: 6.10.2005

 
           
 
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