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Gerhard Merz

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

Künstlerzitat
„Die unverzerrte Wirklichkeit ist mündig. Es gibt keinen Grund, die Welt in Facetten zu zerlegen. Das sind keine Erkenntnisschritte, das sind Dekomaßnahmen.“
„Die klassische Moderne ist durchseucht von philosophischem Kitsch, von Aberglauben und Pseudometaphysik.“
Gerhard Merz

Biografie
Geboren 1947 in Mammendorf/Oberbayern. Lebt in Berlin. Maler, Objekt- und Installationskünstler. 1964–67 expressives malerisches Frühwerk unter dem Einfluss Francis Bacons. 1969–73 Kunstakademie München; 1977 documenta 6. Danach Erweiterung des Bildinventars durch Texte („I love my time“, „Die Lage ist normal“). Merz beginnt seine künstlerische Tätigkeit 1971 mit Metallskulpturen und monochromen Bildergruppen, die in Reihen präsentiert werden und in denen sich der Künstler mit der Farbe an sich im Anschluss an Positionen des Konstruktivismus und Suprematismus auseinandersetzt. Seit 1982 Siebdrucke nach Fotografien, thematisch den Bereichen Kunst, Ethnologie, Landschaft entnommen, die mit monochromen, edel gerahmten Bildern und Wandmalereien kombiniert werden. Seit 1985 raumbestimmende Installationen im Sinne des Gesamtkunstwerks, in denen Schriftelemente, Farbe und skulpturale Gegenstände unter Einbeziehung architektonischer Aspekte inszenatorisch verbunden werden und einen eigenständigen Sinnhorizont mit höchst subtilen Anspielungen auf kulturgeschichtliche Kontexte entfalten (MCMLXXXVII Vittoria del Sole, 1987; Der Mensch der Zukunft, 1990). Die Bezugspunkte liegen dabei v.a. im italienischen Rationalismus der 30er Jahre, von der er den Begriff der „Archipittura“ ableitete. Erstes Programmbild dieser Konzeption ist 1988 ED IO ANCHE SON ARCHITETTO. Eine weitere Umsetzung ist der Beitrag (fensterloser Kubus mit einem Fries aus Neonröhren) zur Biennale Venedig 1997.
Von der Idee ausgehend, dass die Moderne nur mit den Mitteln der Architektur fortgeführt werden kann, untersucht Merz systematisch die Tragfähigkeit bestimmter architektonischer Ausdrucksformen, besonders die von Mies van der Rohe. Neben dem Bezug zu den Bemühungen der Moderne sind seine Bezugspunkte die konzeptuellen Auffassungen und Erfahrungen der Kunsttheorie der siebziger und achtziger Jahre. Dabei nimmt Merz einen Standpunkt ein, der von der Kunst als einem autonomen geistigen Bereich ausgeht. Sowohl hohe Komplexität der reflektierten Bezüge – zu nennen sind Marcel Duchamp, Kasimir Malewitsch, Barnett Newman, Ad Reinhardt – als auch größtmögliche formale Klarheit werden in jedem seiner Werke angestrebt. Das Singuläre seiner Position und die hohe ästhetische Qualität seiner Werke machen ihn zu einem der renommiertesten und einflussreichsten deutschen Künstler der Gegenwart.
Seit 2004 lehrt Gerhard Merz an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen
„Ocker“, Galerie Lo Grigat, München 1972
Kunstraum München 1975
Kunstforum, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1978
Galerie Schellmann & Klüser, München 1979
InK, Halle für Internationale Kunst, Zürich 1980
Van Abbe Museum, Eindhoven 1980
Galerie Schellmann & Klüser, München 1981
Kunstverein Kassel, 1984 (Arnold-Bode-Preis)
„Dove Sta Memoria“, Kunstverein München 1986
Kunsthalle Baden-Baden 1987
„Costruire“, Kunsthalle Zürich 1989
„Den Menschen der Zukunft“, Kunstverein Hannover 1990
Galleria Giorgio Persano, Mailand 1991
Galerie Konrad Fischer Düsseldorf 1991
Deichtorhallen Hamburg 1992
Kunsthalle Hamburg 1992
Kunsthalle Lüttich 1993
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1993
„Licht“, Kunsthalle Basel 1995
Galerie Max Hetzler, Berlin 1996
Biennale Venedig 1997
Kunsthaus Bregenz 1998
Kunstverein Hannover & Hauptgüterbahnhof 2000
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2002
Fragmente Bregenz 2003, Kunsthaus Bregenz 2003

Gruppenausstellungen
documenta 6, Kassel 1977
Internationale Zeichentriennale der Jugend, Nürnberg/Brüssel 1979
Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven 1980
„Art Allemand D’Aujourd’hui“, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris 1980
„Westkunst“, Köln 1981
documenta 7, Kassel 1982
„Aktuell ´83“, Städtische Galerie Lenbachhaus, München 1983
„Von hier aus“, Düsseldorf 1984
„Deutsche Kunst nach 1945“, Neue Nationalgalerie Berlin 1985
documenta 8, Kassel 1987
„Mythos Italien – Wintermärchen Deutschland“, Haus der Kunst und Staatsgalerie Moderner Kunst, München 1988
Sydney Biennale, Sydney 1988
„Binationale-Deutsche Kunst der späten 80er Jahre“, Kunsthalle Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1988
„Prospect 89“, Frankfurter Kunstverein, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 1989
„Einleuchten“, Deichtorhallen, Hamburg 1989
„Wirklichkeit im Bild beheben“, Steirischer Herbst 1989, Graz 1989
„Kunst der Achtziger Jahre: Aus der Sammlung Marx“, Sonderausstellung der Art 21 '90, Basel 1990
„Metropolis“, Martin-Gropius-Bau, Berlin 1991
documenta 9, Kassel 1992
„Deutsch sein?“, Kunsthalle Düsseldorf 1993
„Weltmoral“, Kunsthalle Basel 1994
„Palast der Künste“, Kölnischer Kunstverein, 1995
„Das XX. Jahrhundert“, Altes Museum, Berlin 1999
ein/räumen ARBEITEN IM MUSEUM, Hamburger Kunsthalle, 2000
„Big Nothing“, Kunsthalle Baden-Baden 2001
„Minimalismos“, Museo de Arte Contemporaneo Reina Sofia, Madrid 2001
„Tische der Kommunikation“, Museum Folkwang, Essen 2001
Berlin-Moskau / Moskau-Berlin, Gropiusbau Berlin 2003
ArchiSkulptur, Fondation Beyeler Basel/Riehen 2004
Wilhelm-Lehmbruck Museum Duisburg 2004

Bibliografie (Auswahl)
„Gerhard Merz“ Kunstraum München 1975; Text: Hermann Kern
„Gerhard Merz – 5 Bilder“, Kunstforum Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1978, Text: Ludwig Rinn
„Zuschauer. I love my time, Beton“, Kunstraum München 1982
„Tivoli“ Verlag & Buchhandlung Walther König, Köln-München 1986, Text: Laszlo Glozer, Vittorio, Magnagno Lampugnani
„Dove Sta Memoria“, Kunstverein München 1986, Text: Zdenek Felix
„Gerhard Merz“ Kunsthalle Baden-Baden, 1987, Text: Jochen Poetter, Zdenek Felix, Ludwig Rinn
„Gerhard Merz“. Inferno MCMLXXXVIII", Staatsgalerie Moderner Kunst, München 1988, Text: Carla Schulz-Hoffmann
„Gerhard Merz – Construire“, Kunsthalle Zürich 1989, Texte: Beat Wyss, Interview: Gerhard Merz, Urs Stahel (Beilage)
„Den Menschen der Zukunft – Gerhard Merz“, Kunstverein Hannover 1990, Text: Fritz Neumeyer
„Archipittura“, Deichtorhallen Hamburg und Kunsthalle Hamburg 1992, Text: Beat Wyss, Tilmann Buddensieg
„Gerhard Merz-Berlin“, Kunst-Werke Berlin 1995, Text: Thomas Mc Evilley
„Gerhard Merz – Licht 1992–1995“, Kunsthalle Basel 1995, Text: Thomas Kellein
„Gerhard Merz – Biennale Venedig“, Edition Unikate Zürich / Edition Schellmann München / New-York 1997, Text: Gudrun Inboden
„Gerhard Merz“, Helmhaus Zürich 1998, Text: Marie-Luise Lienhard, Markus Klammer
„Gerhard Merz – Dresden“, Kunsthaus Bregenz 1998, Verlag Hatje, Text: Ute Riese
Gerhard Merz – Ein Künstler des Agnostizismus, Text: Herbert Molderings, Kunstverein Hannover 2000
Gerhard Merz – Berlin 2003, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, Text: Tilmann Buddensieg

Stand: 5.11.2008