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| Mario Merz ohne Titel 1974 Zum Werk Merz benutzt das Tisch-Motiv analog zum Bild als Symbol
für Lernen sowie zur Demonstration seiner konkreten Erkenntnis über
Raum: In einem Bild treffen drei Räume aufeinander: der reale Raum,
in dem das Bild ausgestellt ist, der imaginäre Raum, der dargestellt
wird, und der nicht direkt darstellbare, geistige Raum, auf den das Dargestellte
hinweist. In den Graphiken dieser Folge will Merz diese Räume zueinander
öffnen, sie miteinander verbinden. Er öffnet den Bildraum in
zweifacher Hinsicht. Zum einen lässt er die Tische durch den Wechsel
der Fluchtpunkte optisch aus der Fläche auf den Betrachter zu kippen
und öffnet so den imaginären Bildraum zum realen Raum. Zum anderen
entsprechen die sprunghaft zunehmende Größe und die spiralförmige
Anordnung der Tische dem Prinzip der auf dem ersten Blatt erscheinenden
Fibonacci-Reihe. Diese ergibt räumlich eine Spiralform und repräsentiert
für Merz natürliches Wachstum. Die ersten beiden Tische entsprechen
also der Zahl 1, der dritte der 2, der größte schließlich
der 55. Durch die Verwendung von Tischen entsprechender Größe,
statt nur der Zahlen, gelingt es Merz, die Dimension der Größenentwicklung
bildhaft darzustellen. Gleichzeitig impliziert der Beginn der Fibonacci-Reihe
das Wachstum der Tische in der Vorstellung des Betrachters ins Unendliche
und öffnet so den geistigen Raum. Die Verbindung der „Sommerfrüchte“
mit der Fibonacci-Reihe unterstreicht deren natürlichen Wachstumsprozess,
und in Verbindung mit dem Motiv der Tische verweisen die Früchte
auf dessen kommunikativen Wert als Ort des Essens und Trinkens. Diese
von Merz oft verwendete Kombination, Tische, Früchte und Fibonacci-Reihe,
verkörpert Natur und Lebenskultur, zwei zentrale Aspekte seines Werkes.
Die Komplementärfarben Rot und Grün, die in Verbindung mit dem
Tisch-Motiv auf Wein und Reben verweisen, veranschaulichen auf malerische
Weise das Thema. aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007 Stand: 5.11.2008 |
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