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François
Morellet
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Künstlerzitat
„Bedenken wir,
Dass es den Werken der bildenden Kunst niemals gelungen ist, den Betrachtern
die Botschaft, die Philosophie, die Poesie oder selbst die Empfindsamkeit
zu vermitteln, die die Schaffenden darein gelegt zu haben glaubten.
Dass die Betrachter genial sind (siehe Robert Filliou), aber dass sie
ihr poetisch-philosophisches Picknick an leeren, eigens dafür vorbereiteten
Stellen auspacken müssen.
Seit zwanzig Jahren habe ich überflüssige (darum künstlerische)
Dinge hergestellt, die sich dadurch auszeichnen, dass ihnen jegliches
Interesse für Komposition oder Ausführung fehlt und durch einfache
und augenfällige Systeme, die häufig an den tatsächlichen
Zufall oder an die Beteiligung des Betrachters appellieren.
So habe ich mein Eingreifen (ich hoffe es), meine Kreativität und
meine Sensibilität auf ein Minimum reduziert und kann Ihnen folgerichtig
ankündigen, dass alles, was Sie, abgesehen von meinen kleinen Systemen,
finden (und wenn dies nicht wäre), Ihnen als Betrachter gehört.“
François Morellet 1972
„Seit einigen Jahren, seit ich diese Augen ein wenig öffne,
stelle ich fest, dass es zwischen der Geometrie und mir noch vieles gibt
(die Malerei, das Bild, die Wand usw.), das ich nicht länger ausschließen
will. Deshalb entschied ich mich vor etwa fünf, sechs Jahren, diese
unumgänglichen Bindungen nicht länger zu verheimlichen. Ich
machte mich also wieder an meine ‚Beinahe-Geometrien’ und
erhob die Zwänge, statt sie zu verbergen, zum Hauptthema meiner Bilder.
Deshalb könnte ich meinen Arbeiten eigentlich den Titel ‚Geometrie
der Zwänge’ geben.“
François Morellet, 1982
Biografie
François Morellet wurde 1926 in Cholet geboren. Der Malerei näherte
er sich vor allem als Autodidakt, malte zunächst figürlich.
Ab 1950 bezeichnete er sich als „abstrakten Maler“, hatte
noch im selben Jahr seine erste Einzelausstellung in der Galerie Creuze
in Paris. Ab Mitte der 1950er Jahre widmete sich Morellet der Gestaltung
des Bildfeldes als einer tendenziell unendlichen, über die Begrenzungen
des Bildes hinausreichenden Struktur. Grundsätzlich interessierte
ihn die Methode mehr als das bildnerische Endresultat.
François Morellet wurde Mitglied der von 1960 bis 1968 bestehenden
"GRAV" (Groupe de Recherche d'Art Visuel), einer Gruppe von
kinetisch arbeitenden Künstlern, die die Möglichkeiten der visuellen
Kunst wissenschaftlich-experimentell erforschen wollten. Morellet gelang
eine die Erneuerung seiner bildnerischen Ausdrucksmittel, indem er ab
1963 Neon als Material verwendete: Insbesondere Leuchtkraft, automatische
Schaltung und maschinelle Herstellung der Neonröhren interessierten
ihn.
Ab 1968 erhielt François Morellet Aufträge für Arbeiten
im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel im Centre culturel in Compiègne,
im Pariser Viertel La Défense oder im Park des Rijksmuseums Kröller-Müller
in Otterlo. Im Jahr 1992 fasst François Morellet in der Arbeit
„Relâche n° 1“ sein Werk selbst zusammen, indem
er alle bisher verwendeten Materialien – von der bemalten Leinwand
über Neonröhren bis hin zum Klebe- und Metallband – benutzt
und diese nach den Gesetzen des Zufalls in eine kunstvoll gestaltete Unordnung
bringt. Durch Morellets provozierende Haltung und seinen Humor sind seine
Werke dem Dadaismus näher als denen der geometrischen Abstraktion
und der Minimal Art.
François Morellet lebt in Cholet und Paris.
Ausstellungen (Auswahl)
Galerie Creuze, Paris 1950
Galerie Colette Allendy, Paris 1958
Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven; Centre National d’Art Contemporain,
Paris; Kunstverein Hamburg; Schloss Morsbroich, Leverkusen; Kunstverein
Frankfurt 1971
Kunstmuseum Bochum; Kunstmuseum Düsseldorf 1972
Kunsthalle Bielefeld 1974
Westfälischer Kunstverein Münster 1976
Nationalgalerie Berlin; Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; Musée
d’Art Moderne de la Ville de Paris; Kunsthalle zu Kiel 1977
Musée National d’Art Moderne, Centre Georges Pompidou, Paris;
Stedelijk Museum Amsterdam 1986
Westfälisches Landesmuseum Münster 1989
Palais des Beaux-Arts, Brüssel
Musée Rodin, Paris 1990
Saarland Museum, Saarbrücken 1991
Sprengel Museum, Hannover 1992
Städtisches Museum Leverkusen (Schloss Morbroich); Kunstmuseum Bonn
1997
Jeu de Paume, Paris 2000
Museum Würth, Künzelsau; Haus Konstruktiv, Zürich 2002
Stiftung für Konkrete Kunst, Reutlingen 2003
Ausgestellt vorgestellt VII, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, 2004
Musée d’Art Moderne, Paris 2007
Bibliografie (Auswahl)
van der Koelen, Dorothea (Hg.): François Morellet. Senile lines
and others. Katalog der Ausstellung Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz
2006
Weber, Carmen Sylvia (Hg.): Morellet. Katalog der Ausstellung Museum Würth,
Künzelsau 2002
Stand: 5.11.2008
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