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François Morellet

Gitter

1973
Objekt
Schwarz gestrichene dicke Holzplatte auf dünner Alu-Platte. Holzblock vergittert mit 3-lagigem
Maschengewebe aus verzinktem Eisendraht.
Aluplatte verso bedruckt und geritzt mit Ex.-Angaben.
Exemplar 68 von 90
31,0 x 31,0 x 6,3 cm
erworben 1987

Zum Werk
Das Objekt gehört zur Werkgruppe „Überlagerung“, in der François Morellet die verschiedenen Variationsmöglichkeiten von linearen Verhältnissen untersucht. Er folgt einem Prinzip, bei dem die gleichen Linien mit verschiedenem Winkel den zwei- oder dreidimensionalen Raum vollständig ausfüllen.
In diesem Fall überzieht ein dreidimensionales Raster aus sich überlagernden Linien, die durch Drähte gebildet werden, ein quadratisches schwarzes Brett, das zum dreidimensionalen Bildträger wird. Raster und Brett vereinigen sich als gleichwertige Partner zu einem Ganzen.
„20 Jahre lang habe ich geglaubt, dass meine Bilder Flächen und meine Linien Geraden sind. Die idealen Geraden und Flächen, die in meinem Geometrie-Lehrbuch, 5. Schuljahr, beschrieben waren.
Mit viel gutem Willen versuchte ich in dieser Zeit in meinen Bildern die ideale ebene Fläche zu erhalten unter Vermeidung jeglichen Reliefs, jeglichen Materialcharakters und meine Flächen unendlich zu machen, und zwar so, dass sie auf die Wände übergehen, wobei gerade die trennenden Elemente beseitigt werden sollten, wie Rahmen und von der Wand abgehobene Präsentation. (...) Ich hatte dabei die Tiefe meiner Bilder und meiner Linien ignoriert, ich hatte den Widerspruch beiseite gelassen zwischen meinen Problemen im Bereich der zweidimensionalen Geometrie und ihrer Präsentation, ihrer Integration im Raum der Galerien und Museen. (...) Seit einigen Jahren bin ich für diese Dinge aufmerksamer, ich stelle fest, dass es zwischen der Geometrie und mir vieles gibt (die Farbe, das Bild, die Wand usw.), was ich nicht mehr ignorieren will. So habe ich (vor 5 oder 6 Jahren) beschlossen, nicht mehr zu mogeln, die unvermeidlichen Widersprüche nicht mehr verheimlichen zu wollen. Darauf habe ich meine ‚fast Geometrischen’ wieder aufgenommen (immer noch 5. Schuljahr) mit dem Prinzip, die Widersprüche nicht mehr zu verbergen, sondern sie zum Hauptthema meiner Bilder zu machen.“ François Morellet 1980
„1980 hatte ich also im oben zitierten Text gezeigt, wie sehr sich meine Quellen geometrischer Inspiration innerhalb von 30 Jahren vermindert hatten, von der reinen Geometrie hin zur ‚Geometrie der Zwänge’. (...) Die immateriellen Flächen waren lächerlich gemacht worden, wo ich mich mit der Linie noch gar nicht richtig befasst hatte. Jetzt ist es soweit. (...) Da ich aber den Idealpunkt, an dem eine noch sichtbare Linie die gemeine Materialität verlässt und nach dem Unendlichen strebt, nicht aufzeigen konnte, interessiert es mich jetzt, den ‚point de non-retour’ ausfindig zu machen, an dem eine Linie, die in die banale Materialität zurückkehrt, sogar ihre Identität als Linie aufgibt. Den Punkt, nach dem selbst Euklid und Pythagoras nichts mehr für diese Linie tun können.“
François Morellet 1983

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Stand: 5.11.2008