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Triptychon


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Josef Felix Müller

Triptychon

1986
Radierungen auf Bütten
Exemplar 3 von 21 und 7 E.A.
je 121,5 x 80 cm
Druck: Radierwerkstatt Kurt Zein, Wien
Edition Ernst Hilger, Wien
erworben 1986, Inv.-Nr. 1001226

Zum Werk
Josef Felix Müller begreift den Menschen vom Körper her. Von Anbeginn seines künstlerischen Schaffens an widmete er sich dessen Darstellung. „Zurück zum Menschen“ heißt für ihn Rückbesinnung auf dessen physische Natur, auf dessen „nackte“, pure Existenz. Durch die äußere, körperliche Hülle dringt Müller in dessen Inneres vor, bringt es an die Oberfläche und macht es dort sichtbar. Es vermittelt sich im Duktus der Linie, in den Abstufungen und Tiefen des Schwarz zum Grau.
Es ist das Anliegen des Künstlers, „mit seinem gesamten Schaffen den Kern des Menschen zu berühren.“ Als dessen Kern macht er die zuunterst liegenden Schichten der menschlichen Psyche aus, die zugleich die genetisch ältesten sind. Das Ziel seiner künstlerischen Arbeit ist es, zu diesen vorzudringen. Dies gelingt ihm in einer Art abtragenden Verfahren. Im mehrmaligen Übermalen eines Bildes, im seriellen, schrittweisen Entwickeln eines Motivs in der Graphik, im Herausschneiden und -sägen einer Figur aus dem Holz legt er Schicht um Schicht frei, arbeitet er sich Schritt für Schritt in die Innenwelten vor.
In zahlreichen Zeichnungen und grafischen Blättern, Gemälden und Skulpturen hat Müller auf diese Weise die Abgründe des menschlichen Wesens ausgelotet, Verdrängtes und Verschüttetes geborgen. Da tritt der Mensch plötzlich in seiner rohen, „primitiven“ Animalität, mit seiner Erblast von Sexualität und Aggression auf. Aus der Umklammerung durch seinen biologischen Vorfahren noch lange nicht befreit, erscheint er auf seinem mühsamen Weg der Selbstwerdung nackter und verletzlicher, hilfloser dem Leben ausgesetzt als dieser.
Der Mensch, immer noch auch ein Tier. Bilder und Skulpturen der frühen 1980er Jahre zeigen ihn in tierhaftem Gebaren, als instinkt- und triebgeleitetes Wesen. Da lebt er wild und orgiastisch seine sexuellen Obsessionen aus. Eine regelrechte Phallomanie kennzeichnet diese Werkphase, in der Müller die latente Homosexualität einer patriarchalen Gesellschaft offen legt, die sich paart mit der unverhohlenen Abwertung der Frau. Perversion der männlichen Triebe zu phallokratischer Herrschaft als Folge von Unterdrückung und doppelter Moral.
In expressiver Kraft und düsterer Metaphorik behandelt er die animalischen, dunklen Teile der menschlichen Natur. Sexualität offenbart sich dabei als Ur-Triebkraft des menschlichen Daseins, als dionysische Gewalt, mit ihrem zugleich schöpferischen wie zerstörerischen Potential. Geburt und Tod, die wesentlichen existentiellen Grunderfahrungen des Menschen, hängen aufs engste miteinander zusammen. Schmerz, Leid und Tod verbinden den Menschen wiederum mit der Kreatur.
zitiert nach Ausstellungskatalog Schaffhausen, 1995

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Stand: 5.11.2008

 
       
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