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Matt Mullican

Subjective

1980
Schablonendruck auf Papier, auf Leinwand montiert
152,5 x 106,5 cm
Unikat
erworben 1984

Sign

1980
Schablonendruck auf Papier, auf Leinwand montiert
152,5 x 106,5 cm
Unikat
erworben 1984

Zum Werk
Matt Mullicans Œuvre reicht von Grafiken bis zu Installationen, doch kreisen alle seine Arbeiten um folgende Fragen: Was bin ich? Was, warum und wie empfinde ich? Was ist Wahrnehmung?
Diesen zentralen Fragen nach dem Wesen des Menschen geht er auch in den beiden zusammengehörigen Schablonendrucken „Subjective“ und „Sign“ nach. Sie wirken in ihrer Prägnanz zunächst wie Werbeplakate und doch fesseln sie bei genauerem Nachdenken den Blick.
Zwei Balken rahmen „Subjective“ oben und unten ein, der obere nennt in schwarzen Lettern auf weißem Grund den Künstler, während der untere in Weiß auf Schwarz den Titel angibt, beide vermitteln dem Betrachter einen Zugang zum Bild. Wie ein Scherenschnitt liegt auf einem roten Grund ein weißes menschliches Profil. Das Gehirn ist ausgespart beziehungsweise es enthält das Rot des Hintergrunds. Der Kopf wirkt somit wie ein Gehäuse, in dem sich das Ich konstituiert, von der Umwelt getrennt, da es abgegrenzt ist, um diese subjektiv wahrzunehmen. Die Gleichfarbigkeit von Hintergrund und Gehirn stellt die Frage, inwieweit die Umwelt auf das Ich einwirkt beziehungsweise das Ich sich seine subjektiv gefärbte Umwelt denkt. Indem Mullican das im Gehirn lokalisierte subjektive Bewusstsein in vitalem Rot, die körperliche Hülle dagegen in Weiß darstellt, verkehrt er die geläufige Farbsemantik.
Ein gedanklicher Austausch mit der Umwelt erfolgt über Zeichen, denn diese, ob in auditiver oder visueller Form, stellen ein intersubjektives Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. Nur die Vereinbarung, dass ein Zeichen, Wort oder Symbol auf etwas Bestimmtes verweist, sichert soziales Zusammenleben und bietet dem Ich eine Ebene der Verständigung mit dem Anderen, außerhalb der eigenen engen Beschränkung. „Sign“ zeigt nun das einfachste aller Zeichen, einen Punkt, in Schwarz auf einem weißen Rechteck, dem mittig an der unteren Seite ein kleineres angefügt ist, wodurch es wie ein Schild wirkt. Wiederum trägt das Bild oben den Künstlernamen und unten den Titel, bleibt aber, wie immer bei Mullican, wenn es um rein sprachliche Verständigung geht, farblos. Der Punkt kann mit einer Bedeutung verbunden und zum Zeichen werden, er kann für den Anfangspunkt stehen, für den springenden Punkt oder den Punkt am Ende eines Satzes. Und doch kann das Zeichen ebenso wenig wie das Subjektive für sich allein stehen, denn für ein Zeichen braucht es ein denotierendes Subjekt. So sind beide für sich beschränkt und bedürfen der gegenseitigen Erweiterung. „Subjective“ und „Sign“ gehören zusammen und es scheint unmöglich festzustellen, was zuerst kommt. Denn das Wort „Subjective“ besteht aus Zeichen, während das Zeichen („Sign“) ein interpretierendes Subjekt braucht, um ein solches zu werden. Mullicans Piktogramme aus der Zeit der ersten PC-Generation verwickeln den Betrachter mit visuellen Mitteln in grundlegende Fragen der Semiotik.

aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007

„Mullicans Vorgehensweise umfasst als folgerichtige Konsequenz aus der Aufspaltung des Wahrnehmungsgegenstandes in seine semantischen Funktionen und syntaktischen Bedeutungen eine mediale Differenzierung. Darstellungsmittel aus dem Bereich der angewandten Künste ermöglichen ihm dabei Realisationsvarianten seines subjektiven Zeichenvokabulars. Mit der Verwendung von Postern, Fahnen, gefasstem Glas, Teppichen, Steinreliefs usw. erweitert er sein bildsprachliches Darstellungskonzept um spezifische Erfahrungskontexte, durch die bzw. in denen bestimmte Zeichen(Systeme) unterschiedlich wahrgenommen werden. Gleichzeitig ging es Mullican darum, die Identifizierung seiner Zeichensprache als Ausdrucksmittel einer subjektiven Wahrnehmung und Beschreibung der Wirklichkeit zu verstärken. (...)
Dazu konnten ihm am besten solche Medien dienen, bei denen aufgrund ihrer beinahen Allgegenwärtigkeit eine allgemeine Übereinstimmung hinsichtlich ihrer funktionalen Bestimmung gewährleistet ist. In dieser Beziehung erschienen Mullican zunächst die plakative Form der Poster am besten geeignet, weil sie am einfachsten zu gestalten waren, und zwar dadurch, dass er seinen Namen sowie den entsprechenden Begriff über bzw. unter das Zeichen setzte.
Für Mullican bedeuten diese zusätzlichen Informationen, die von den Medien vermittelt werden, eine Konkretisierung dessen, worum es in seiner Arbeit geht. Durch die unmittelbare Einbeziehung der subjektiven Erfahrung des Rezipienten, der die Bedeutung von Postern oder Fahnen mit ihrer Funktion an dem Ort, an dem sie in Erscheinung treten, verbindet, werden soziale Beziehungen repräsentiert, die Grundlage unserer Aneignung bzw. Orientierung in der Wirklichkeit bilden.“

Denys Zacharopoulos, Matt Mullican. Works 1972–1992, Köln 1993

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Stand: 5.11.2008