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Beate Passow
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Biografie
Beate Passow, Jahrgang 1945, studierte 1969–1975 an der Akademie
der Bildenden Künste in München. Sie wurde bekannt mit ihren
Werken einer reflektierenden, kritischen Kunst. Sie befasst sich immer
wieder intensiv mit der jüngsten deutschen Geschichte und mit aktuellen,
gesellschaftlichen Phänomenen. Ihren internationalen Ruf begründeten
fotografische Werkkomplexe zu Themen wie „Wunden der Erinnerung“
(zusammen mit Andreas von Weizsäcker) oder „Rahmenbedingungen“
und „Bundesbrüder“, bei denen es um aktuelle faschistische
Tendenzen in Deutschland geht. Sie beleuchtet die Wirkung von Burkas,
einer traditionell islamischen Kleidung, die Schutz bedeutet, aber gleichzeitig
unbestimmte Ängste v.a. bei westlichen Betrachtern auslöst.
In den Arbeiten verbinden sich ihr Interesse am Menschen und die Auseinandersetzung
mit außereuropäischen Kulturen. Bilder von Bestattungsbräuchen,
Passanten und Prostituierten in Tibet zeigen die verschiedenen Bezüge
unterschiedlicher kultureller Identitäten in dem von China besetzten
Land.
Teils großformatige Fotos stellen Phänomene dar, die auf die
Auswirkung von Gewalt am Menschen vor einem bestimmten kulturellen Hintergrund
verweisen. Ihre Fotoserie „Lotoslilies“ zeigt beispielsweise
chinesische Frauen, deren Füße durch traditionelles Einbinden
verkrüppelt sind, um einem überkommenen Schönheitsideal
zu entsprechen. In Pakistan fotografierte sie die „Chuhas“,
Menschen mit künstlich herbeigeführter Mikrocephalie, kleinen
Köpfen, die als Bettler deswegen erfolgreicher existieren können.
„Beate Passows Fotografien sind nicht in erster Linie soziologische
oder ethnologische Dokumentationen, sondern vor allem Kunstwerke. Sie
inszeniert ihre Bilder und bereitet sie ästhetisch auf. Schönheit
und Farbe sind wesentliche Elemente der Arbeiten, trotz der häufig
verstörenden Inhalte.
Beate Passow verführt uns mit der Schönheit ihrer Bilder und
löst gleichzeitig Irritation und Verunsicherung aus. Ihre Arbeiten
regen an, Fragen zu stellen nach unserem Umgang mit Fremden, körperlichen
Abweichungen und körperlicher Unversehrtheit.
Die Globalisierung der Wirtschaft, die Migration von armen zu den reichen
Ländern, die weltweite Vernetzung der Kommunikation und die Möglichkeit,
jeden Kontinent der Erde schnell und billig zu erreichen, das alles führt
dazu, dass wir immer mehr mit fremden Kulturen konfrontiert werden; es
ist gut, mehr darüber zu erfahren.“
Hanne Weskott, in: Beate Passow. Miles and More, Nürnberg
2006
Ausstellungen (Auswahl)
Steirischer Herbst, Graz 1988
Lenbachhaus München 1990
Museum am Ostwall, Dortmund 1995
Chapel Art Center, Hamburg 1996
NGBK Berlin 1996
Deutsches Historisches Museum Berlin 1997
Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund 1998
Schindlerhaus, MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles 2000
Wiener Festwochen, Künstlerhaus Wien 2001
Haus am Waldsee, Berlin 2002
Städtische Galerie Erlangen 2007
Bibliografie (Auswahl)
Beate Passow, Andreas von Weizäcker: Wunden der Erinnerung, Nürnberg
1995
Ausstellungskatalog, Dachau 1997
Gesammelte Verluste, Ausstellungskatalog, Berlin 2002
Lotuslillies, Heidelberg 2003
Miles and More, Nürnberg 2006
Stand: 5.11.2008
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