
|
|
Georg Pöhlein
Großvater geht - Bilder aus dem Leben
meines Großvaters
1980/81
24 Schwarz-Weiß-Fotografien
18,0 x 24,0 cm
erworben 1990
Zum Werk
Die Fotoserie „Bilder aus dem Leben meines Großvaters“
ist 1980/81 entstanden. Georg Pöhlein begleitet die Bilder mit einem
Text, der die Chronologie des Sterbens seines Großvaters aus seiner
subjektiven Sicht wiedergibt und gleichzeitig ein Spiegelbild traditioneller
familiärer Eingebundenheit darstellt. Die Fotos berichten über
den Umgang mit dem Sterben und dem Tod, wie er früher gewesen ist,
der auf eigentümliche Weise etwas Beruhigendes an sich hat. Die Würde
des Großvaters bleibt auf jeder der Aufnahmen bis in den Tod hinein
gewahrt.
Auszug aus dem Text:
„schlechte laune hatte er eigentlich nie. an einem morgen mal war
er ganz heiter. heut nacht hab ich geträumt, ich bin gestorben; das
war fai schön. jetzt hab ich keine angst mehr vorm sterben. vater,
da brauchst dir keine sorgen machen. unser herr pfarrer beerdigt dich
schon.
bei schlechtem wetter bleibt er den ganzen tag im bett. er wird steif
und kann sich fast nicht mehr auf die beine heben von allein. sein ende
kommt langsam. wochen vorher kann er überhaupt nicht mehr aufstehen.
das sprechen fällt ihm schwer, und selbst das öffnen der augen
macht mühe.
als es mit ihm zu ende geht, atmet er noch einen ganzen tag und eine nacht.
die augen sind schon fast geschlossen. er äußert keinen laut.
nur das geräusch des angestrengten atmens. als hätte er schon
das ziel vor augen und dürfe nur nicht nachlassen und aufgeben. (...)
er liegt nun mit der großmutter unter einer dunklen polierten steinplatte,
da braucht’s nicht dauernd die teueren blumen, und ihr kommt eh
vor lauter arbeit nicht zum gießen. bei so einer platte braucht
man nur mal schön drüberwischen.
Zur Biografie
Zu den Ausstellungen
Zur Bibliografie
Stand: 5.11.2008 |
|