Sie befinden sich hier: -->sammlung -->bestand  --> dieter roth --> 6 piccadillies

 

Dieter Roth

6 Piccadillies

1969-1970
Mappe mit sechs Lithografien/Siebdruck
Exemplar Nr. 127 von 150 signierten und nummerierten Exemplaren
Verlag: Petersburg Press

Zum Werk
Dieter Roth war als bildender Künstler und Büchermacher, als Musiker und Filmer, als Dichter und Autor, als Kommunikator und Vermittler einer der wenigen Universalkünstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das selbst gewählte „Exil“ in Island und das damit verbundene, lebenslange Hin-und-Her-Reisen zwischen der Vulkaninsel, Europa und Übersee bestimmten den Rhythmus seines Lebens ebenso wie seine Arbeit. Die konsequente, bald souverän eingesetzte, bald erlittene Gleichsetzung von Leben und Kunst prägte das Schaffen von Roth. Er wurde zu einer einflussreichen Figur für nachfolgende Künstlergenerationen in Europa und in den USA. Sein rund fünfzig Jahre umfassendes Schaffen betrifft Zeichnungen, Grafiken und Bücher, Bilder, Objekte und Installationen sowie Audio- und Videoarbeiten. (...)

Durch die Vermittlung von Hansjörg Mayer arbeitete Roth in London mit der Grafikedition „Petersburg Press“ von Mayer und Paul Cornwall-Jones zusammen. Diese gab u.a. mit der Serie „6 Piccadillies“ Roths bis heute populärstes Portfolio heraus. Die Mappe basiert auf einer Postkarte des Piccadilly Circus, die Roth bei Rita Donagh, der Lebensgefährtin Richard Hamiltons, gesehen hatte. Das Motiv ließ er im Offsetdruck vergrössern und in Stuttgart in verschiedenen Siebdrucktechniken überdrucken. Die „Petersburg Press“, die auch Künstler wie Jim Dine, Marc Tobey, Jasper Johns oder Claes Oldenburg verlegte, verschaffte Roths druckgrafischem Werk durch professionelle Vermarktung zunehmend internationale Beachtung. (...)

Dann folgten pastos übermalte Stadtansichten oder Landschaften. Manchmal sind einzelne Motive verdeckt oder verfremdet, manchmal bleibt nur ein Detail oder ein Schriftzug erkennbar. Die Eingriffe führen die Sehgewohnheiten spielerisch in die Irre und erzeugen immer wieder überraschende, rätselhafte und beinahe surreale Effekte. 1970 hielt Jean-Christophe Ammann diese Werkgruppe bereits für so wichtig, dass er Roths Werk in einer Gruppenausstellung mit 274 Postkarten präsentierte.
Um 1970 begann Roth, Drucke nach Postkarten in höheren Auflagen zur kommerziellen Nutzung zu produzieren. Stark farbveränderte Ansichten des Londoner Piccadilly Circus, Luftaufnahmen von Köln und München oder vom Berner Oberland wurden im Siebdruckverfahren für die „Petersburg Press“ in London mit dem Drucker Hartmut Kaminski in Düsseldorf hergestellt. Diese Blätter ließen sich gut verkaufen und waren für Roth, der die
Drucktechniken virtuos beherrschte, leicht herzustellen: „Dann ist es eine technische Spielerei geworden.“ Bei der Druckserie 6 Piccadillies spielte das Motiv wie so häufig eine untergeordnete Rolle. Vielmehr reizte es Roth, eine vorgefundene Darstellung künstlerisch zu manipulieren und zu verfremden: „Um den Briefverkehr mit mir zu erleichtern, dieweil das Malen und Zeichnen mir leichter fällt als das Denken und Schreiben, übermale ich, Dieter Roth, seit einem Vierteljahrhundert Postkarten, dieweil das Malen und Zeichnen auf unbemaltem oder unbezeichnetem Papier schwerer fällt als auf Papier, wo schon was drauf ist.“ (...)
Aus: Roth Zeit. Eine Dieter Roth Retrospektive. Ausstellungskatalog, Lars Müller Publishers, Baden/Schweiz 2003

Zur Biografie

Zu den Ausstellungen

Zur Bibliografie

Stand: 21.10.2004

 
       
<