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Thomas Ruff
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Künstlerzitat
„Ich möchte wissen, was ein Bild ist, wie es funktioniert und
wahrgenommen wird."
Thomas Ruff 2000
Biografie
Thomas Ruff wurde 1958 in Zell am Harmersbach geboren. Er gehört
zu den heute weltweit bedeutenden Fotokünstlern, die aus der legendären
Klasse für Fotografie von Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer
Kunstakademie hervorgegangen sind, wo er 1978–85 studierte. Bereits
mit 23 Jahren, noch als Student, begann Ruff, seine Arbeiten in wichtigen
Galerien und Kunstinstitutionen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz,
Kanada, Holland, den USA, Italien, Belgien, England, Skandinavien, Spanien,
Japan und Israel zu zeigen. Mit seiner seit 1986 entstandenen, großformatigen
„Porträt“-Serie erlebte Thomas Ruff 1987/88 seinen Durchbruch
im deutschen und internationalen Kunstbetrieb. Inzwischen gibt es weltweit
zwischen San Francisco und Canberra kaum wichtige Ausstellungshäuser,
in denen Thomas Ruffs Bilder nicht in Einzel- oder Gruppenausstellungen
gezeigt worden sind. 1992 nahm er an der documenta 9 teil und stellte
1995 (zusammen mit Katharina Fritsch und Martin Honert) im deutschen Pavillon
der Biennale Venedig aus. Er engagierte sich für dialogintensive
Projekte mit anderen Künstlern, etwa „Zuspiel“ mit Georg
Winter im Sprengel Museum Hannover 1996, ebenso für die Zusammenarbeit
an großen Bauprojekten mit den Schweizer Architekten Jacques Herzog
und Pierre de Meuron. Thomas Ruff war 2000–06 Professor für
Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf.
Ein wichtiges Charakteristikum von Ruffs Fotografie ist die nüchterne
und konzentrierte Beobachtung von Wahrnehmungsprozessen, einem nur scheinbar
einfachen, selbstverständlichen Thema. In Ruffs fotografischer Reflexion
wird nicht nur das Illusionistische und Konzentrierte des Kamerablicks
sichtbar, sondern auch das Uneindeutige und Phantasiewillige des Blicks
mit „bloßem Auge“.
Mit seinen Arbeiten widmet sich Ruff nicht mehr den traditionellen Kunstaufträgen
Schönheit und Wahrheit. In Ruffs Konzentration auf Wahrnehmung spiegelt
sich vielmehr eine (kunst-)historische Entzauberung wieder. Sie macht
Thomas Ruff zum illusionslosen Zeitgenossen unserer heutigen Situation.
Zugleich stellt sie Ruff an das jüngste Ende einer Linie von Künstlern
wie Marcel Duchamp, Andy Warhol oder Gerhard Richter, in deren Werk Indifferenz
produktive Unvoreingenommenheit bedeutet. Die Werkserien zeigen, wie Thomas
Ruff den Wahrheitsanspruch von Fotografie durch die Fotografie desillusioniert
– mit den illusionistischen Mitteln der Fotografie.
Ausstellungen (Auswahl)
Schloss Hardenberg, Velbert, Portikus, Frankfurt 1988
documenta IX, Kassel 1992
Biennale Venedig 1995
Museum Haus Lange, Krefeld 2000
Chabot Museum, Rotterdam, Niederlande; Kunsthalle Baden-Baden; Kunsthalle
in Emden 2001
Folkwang Museum, Essen; Städtische Galerie Lenbachhaus, München;
Artium Centro Museo Vasco de Arte Contemporaneo, Vitoria (Gasteiz), Spanien
2002
Museu de Arte Sontemporanea de Serralves, Porto, Portugal; Tate Liverpool,
Großbritannien; Kestnergesellschaft Hannover; Busan Metropolitan
Art Museum, Busan, Südkorea 2003
Kestnergesellschaft Hannover 2004
K21, Düsseldorf 2005
Kunstverein Ludwigshafen 2008
Bibliografie (Auswahl)
Barents, Els (Red.): Portraits, Häuser, Sterne. Ausstellungskatalog
Stedelijk Museum Amsterdam 1989
von Brauchitsch, Boris: Thomas Ruff, Schriften zur Sammlung des Museums
für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1992
Giese, Anna und Pohlen, Annelie (Hg.): Thomas Ruff. Photographie, Ausstellungskatalog
Kunstverein Bonn 1991
Thomas Ruff, Ausstellungskatalog Deutsche Akademie Villa Massimo, Rom
1993
Vischer, Theodora: Architektur von Herzog und de Meuron, fotografiert
von Margherita Krischanitz, Balthasar Burkhard, Hannah Villiger und Thomas
Ruff, Ausstellungskatalog 5. Internationale Architekturausstellung der
Biennale von Venedig, Baden 1991
Will, Cornelia (Red.): Thomas Ruff Porträts, Ausstellungskatalog
Museum Schloß Hardenberg Velbert, Köln 1988
Matthias Winzen (Hg.): Thomas Ruff – Zuspiel – Georg Winter,
Ausstellungskatalog Sprengel Museum Hannover, München 1996
Thomas Ruff – Nudes. Mit einer Short Story von Michel Houellebecq,
München 2003
Thomas Ruff: Fotografien 1979 bis heute. Komplettes Verzeichnis der Arbeiten
von Thomas Ruff bis hin zur aktuellen Serie der „nudes“, Köln
2004
Stand: 5.11.2008
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