
Blatt 1

Blatt 2
|
|
Fred Sandback
Acht Variationen für die Galerie Heiner
Friedrich
1971
Mappe mit acht Siebdrucken auf Pastellkarton
jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
jeweils 42 x 50 cm
Exemplar Nr. 24/50
Herausgeber und Verlag:
Galerie Heiner Friedrich, München
erworben 1979
Zum Werk
Acht Blätter, die sich auf den ersten Blick gleichen – nur
bei genauer Betrachtung bemerkt man die feinen Unterschiede in Form und
Farbe. Die Grundform, die an einen Raum mit drei Türen erinnert,
bleibt stets dieselbe, einzig die an verschiedenen Stellen in dem vorgestellten
Raum platzierten Vierecke in Schwarz und Weiß bestimmen die Variation.
Sandback fordert das Sehen heraus, möchte mit minimalen Mitteln eine
maximale Wirkung erzielen.
Lässt man sich auf seine Forderung nach genauem Hinsehen ein, so
kann man unter den acht Drucken vier Paare ausmachen. Jeweils zwei Blätter
sind identisch konstruiert, der Unterschied zwischen ihnen besteht nur
in der Farbe des in den Bildraum eingefügten Vierecks, das einmal
in Weiß und bei seinem jeweiligen Pendant in Schwarz erscheint.
Auch in diesen Werken ist Sandback seinem Thema, der Linie, treu geblieben.
„Die Linie ist eine Möglichkeit, die Qualität oder das
Timbre einer Situation zu vermitteln, und sie besitzt eine Struktur, die
klar, abstrakt und mehr oder weniger denkbar ist, aber es ist die Tonalität
oder die, wenn man so will, Ganzheit einer Situation, zu der ich zu gelangen
versuche.“
Der größte Teil des Bildträgers bleibt leer und dennoch
gelingt es Sandback, eine Vorstellung von Raum zu schaffen. So spartanisch
er mit der Form umgeht, so zurückhaltend ist auch der Einsatz von
Farbe. Der gelbe Pastellkarton, auf dem sich die Drucke befinden, leuchtet
zwischen den Linien hervor, die ganz in Schwarz, Weiß und Dunkelblau
gehalten sind.
Die harten Linien, die durch die Siebdrucktechnik erzeugt werden, entsprechen
den Linien von Sandbacks „Skulpturen“, die aus straff durch
den Raum gespannten, in den drei Grundfarben oder in Schwarz und Weiß
gehaltenen Acryl-, Woll- oder Gummifäden bestehen.
In seinem druckgraphischen Werk wie in seinen „Skulpturen“
geht es Sandback um die ästhetische Konzeption von Raum mit der Linie
als einzigem Hilfsmittel. Er lotet die Möglichkeiten zur Markierung
eines Raumes und seiner Grenzen bis zum Minimum aus, an dem zugleich eine
maximale Vorstellungskraft einsetzen kann. Was im realen Raum der gespannte
Faden bewirkt, leistet in der Graphik der Gegensatz von Schwarz und Weiß.
Wo weniger zu sehen ist, kann mehr zu denken sein.
aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik
aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007
Zur Biografie
Zu den Ausstellungen
Zur Bibliografie
Stand: 5.11.2008 |
|