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Emil Schumacher
Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen
Biografie
Geboren 1912 in der westfälischen Industriestadt Hagen. Gestorben
1999 in San José/Ibiza.
Mitbegründer der Abstrakten Kunst in Deutschland und Vertreter des
Informel und Tachismus. Er studierte drei Jahre an der Kunstgewerbeschule
in Dortmund, war seit 1935 als freier Maler tätig und gründete
1947 mit Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Ernst Hermanns, Heinrich Siepmann
und Hans Werdehausen die Künstler- und Ausstellungsvereinigung „junger
westen“. 1948 erhielt er den Kunstpreis „junger westen“
der Stadt Recklinghausen. Er war ab 1958 Professor an der Hochschule für
Bildende Künste in Hamburg, ab 1966 in Karlsruhe und 1967 ein Jahr
lang Gastdozent in Minneapolis/USA. 1968 wurde er Mitglied der Akademie
der Künste in Berlin und 1982 Mitglied des Ordens „Pour le
mérite“ für Wissenschaft und Kunst. Im Jahr 1985 war
er Ehrengast der Villa Massimo in Rom und wurde 1987 zum Ehrenbürger
der Stadt Hagen ernannt. Er wurde durch zahlreiche internationale Preise
wie den Karl-Ernst-Osthaus-Preis der Stadt Hagen und den Guggenheim-Award
in New York im Jahr 1958, den August-Macke-Preis der Stadt Meschede 1978,
den Rubenspreis der Stadt Siegen und den Ehrenring der Stadt Hagen im
Jahr 1982 ausgezeichnet.
Für die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg gelten die Bilder Emil Schumachers
als ein Inbegriff von Malerei in Deutschland. In äußerster
Konzentriertheit, Zurückgezogenheit, ja unter dem Signum Bescheidenheit
entstanden, hat Schumachers Werk dennoch unübersehbare Akzente der
Entfaltung jener ersten internationalen Weltsprache der Kunst in diesem
historischen Moment gesetzt. Sein Stil ist geprägt von der École
de Paris, dem Tachismus und vom amerikanischen Action Painting. In rigorosem
Aktionismus wird die Zerstörung selbst zum bildnerischen Mittel.
In seinen Bildern verabschiedet er sich vom Gegenstand als Bildmotiv und
entscheidet sich für die Ausdruckskraft der Malerei selbst, womit
die Farbe selbst zum eigenen Bildfaktor wird. Nach künstlerischen
Anfängen im Bereich des Kubismus findet Schumacher nach einem Parisaufenthalt
zu einer dem Informel nahestehenden Bildsprache, wobei ihn das Materialbild
besonders interessiert. Gleichzeitig entstehen Tastobjekte (1956–59),
reliefartige Gebilde aus Drahtgeflecht, Gips oder Pappmaché. Die
Begegnung mit dem französischen Informel führt seit 1957 zu
materialbetonten Werken, in denen pigmentgesättigte Farbflächen
mit schwarzen, heftig hineingerissenen Linien kontrastiert werden. Der
gestische Impetus macht auch vor der Zerstörung der Bildfläche
nicht Halt, um ungewöhnliche Materialeffekte zu erzielen. In den
„Hammerbildern" (ab 1966) bearbeitet Schumacher ganz bewusst
anfangs Türblätter, dann Tischlerplatten mit dem Hammer, um
den Blick in das Innere, in die Tiefe des Materials zu führen. Materialien
wie Papier, Sisalfäden oder Blei werden in die Bilder eingefügt.
Neben Leinwand werden auch Holz, zerknittertes Papier und Blei als Bildträger
verwendet. Die zurückhaltende erdige Farbigkeit wird erst im Spätwerk
durch kräftige Buntwerte, vor allem leuchtendes Ultramarinblau, aber
auch feuriges Rot und grelles Gelb, ergänzt. Neben dem Material-Aspekt
ist bei Schumacher auch der landschaftliche Bezug wichtig, dabei Inspirationen
durch Reisen. Die Vorstellung einer alles in sich aufnehmenden und zugleich
geschundenen Erde verbindet sich mit dem kunsttheoretischen Topos der
Einschreibung des Künstlers in das Material des Bildes.
Bibliografie / Ausstellungen
(Auswahl)
Jocks, H.N.: „... meine Erdennähe verbindet mich mit den Sternen,
nach denen ich greife“, ein Gespräch mit Emil Schumacher, in:
Kunstforum International, 131, August/Oktober 1995
Büchner, J.: Farbe und Materie, Ausdruck und Form – Wandlungen
von Wirklichkeit, in: Künstler,
Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 1, München 1988
Romain, L.: Das Alterswerk, in: Künstler, Kritisches Lexikon der
Gegenwartskunst, Ausgabe 49,
München 2000
Einzelausstellungen
Galerie Parnass, Wuppertal 1956
Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 1958
Kestner-Gesellschaft, Hannover 1961
Kunstverein, Hamburg 1962
Galerie Rothe, Heidelberg 1967
Galerie Defet, Nürnberg 1969
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1971
Galerie Elke und Werner Zimmer, Düsseldorf 1978
Modern Art Gallery, Wien 1978
Galerie Pauli, Lausanne 1980
Sprengel Museum, Hannover 1982
Institut für moderne Kunst, Nürnberg 1987
Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 1987
Nationalgalerie Berlin 1988
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1989
Josef-Albers-Museum, Bottrop 1990
Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt 1992
Saarlandmuseum, Saarbrücken 1992
ART COLOGNE, Köln 2001
Werke aus der Sammlung KEOM, Karl Ernst Osthaus Museum, Hagen 2005
Gruppenausstellungen
29. Biennale Venedig 1958
Documenta 2/3/6, Kassel 1959/64/77
31. Biennale Venedig 1962
Bernard Schultze, Emil Schumacher, Fred Thieler, Ifa-Ausstellungen 2005
Stand: 8.10.2005 |
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