







|
|
Frank Stella
Black Series II
1967
Mappe mit acht Lithographien auf Barcham Green-Radierpapier
jeweils signiert, datiert und nummeriert rechts unten
jeweils 38 x 56 cm
Exemplar Nr. 19/100
Druck und Verlag: Gemini G. E. L., Los Angeles
erworben 1983
Zum Werk
Zwischen 1958 und 1960, zu Beginn seiner Künstlerkarriere, hatte
Frank Stella 24 bis zu drei Meter hohe schwarze Gemälde, die „Black
Paintings“, geschaffen. In „Black Series II“ gibt er
acht dieser Gemälde – „Gezira, Tuxedo Park, Point of
Pines, Zambesi, Jill, Delphine and Hippolyte, Gavotte und Turkish Mambo“
– in kleinem Format grafisch wieder und ermöglicht dem Betrachter,
die Bilder zu vergleichen und die übergeordnete Struktur zu erkennen.
Die Einzelbilder der beiden „Black Series“ sind Variationen
eines übergreifenden Themas; in „Black Series I“ sind
es konzentrische Rechtecke, in dieser Serie ist es der Diamantschnitt,
also konzentrische Rauten, deren Prototyp auf dem fünften Bild (Jill)
am deutlichsten zu sehen ist. Anders als bei „Black Series I“,
benutzt Stella für den Druck von „Black Series II“ reinweißes
Radierpapier und schwarze Lithografietusche von Charbonnel, um „die
aggressivere optische Qualität, die den Diagonalstreifen anhaftet“
zu betonen.
An den Drucken ist der optische Effekt von Stellas „Black Paintings“
besonders deutlich wahrnehmbar: Betrachtet man die Bilder eine Weile,
entstehen zwischen den schwarzen und weißen Streifen immer neue
Kombinationen und Bezüge, Formen und räumliche Gebilde, die
allerdings durch die menschliche Wahrnehmung bedingt sind, de facto bestehen
sie nur aus schwarzen Streifen auf weißem Grund. Die Bildtitel verweisen
nicht auf einen tieferen Sinn – sie bezeichnen lediglich die Lage
oder die Bewohner von Appartements, in denen Stella als Anstreicher tätig
gewesen war. Stella wandte sich damals radikal vom Illusionismus und jeder
Referenz des Bildes ab, sogar die Komposition in der abendländischen
Tradition der Kunst lehnte er als hemmende Konditionierung ab. Dieser
Schritt zur nicht-relationalen Kunst gelang ihm durch den Verzicht auf
Farbe und Figur. In der Beschränkung auf die Nicht-Farbe Schwarz
und die gleichmäßige und vollständige Bedeckung der Leinwand
mit den schwarzen Streifen („make it the same all over“) werden
die Streifen ebenso wenig als Figur empfunden wie ihre schmalen, farblosen
Zwischenzonen als Hintergrund. Stella verzichtet nicht nur auf Bezüge
zur äußeren Welt, auch die möglichen Beziehungen innerhalb
der Bilder – zwischen Formen und Farben oder zwischen Figur und
Grund – sind eliminiert. Einzelnes und Ganzes sind gleichwertig.
Die „Black Paintings“ müssen eher als Objekte bezeichnet
werden: die Überwindung der Malerei mit den Mitteln der Malerei.
Trotz des Fehlens jeglicher Referenz lassen sich räumliche Gebilde,
sogar Bewegung, Farbe oder sublime Empfindungen wahrnehmen: Der Mensch
ist darauf konditioniert, in allem einen Sinn, eine Ordnung zu finden,
so dass es ihm fast unmöglich ist, ein Objekt zu betrachten, das
keinen Sinn haben will. Das war Stella bewusst, und so verweisen seine
Bildtitel immer öfter auf die Absurdität und die dunklen Seiten
des Daseins. Formale Bezüge gibt es nur noch zwischen den einzelnen
Werken innerhalb der Serie: Geht man von „Jill“ als zentralem
Bild, als Prototyp der „Black Series I“ aus, so stellt „Tuxedo
Park“ eine Doppelung nach oben dar, in „Gezira“ ist
oben und unten ein halber Prototyp angesetzt, „Point of Pines“
zeigt nur den oberen Teil des Prototyps, das Bildzentrum liegt am unteren
Bildrand, in „Zambesi“ ist der Focus zur Seite verschoben,
so dass die Zentren an den vier Seitenmitten liegen, und in „Delphine
and Hippolyte“ ist der Prototyp zur Seite gedoppelt. Die Bilder
der „Black Series II“ erscheinen wie individuelle Ausschnitte
eines einzigen unendlichen Rapports, der ihre Lesbarkeit bewusst verweigert
und auf nichts Bezug nimmt als auf sich selbst und – augenzwinkernd
– auf die Absurdität der menschlichen Existenz, die ebenso
wenig lesbar ist.
aus: 100 Meisterwerke zeitgenössischer Druckgraphik
aus der Sammlung der Städtischen Galerie Erlangen, Berlin 2007
Zur Biografie
Zu den Ausstellungen
Zur Bibliografie
Stand: 5.11.2008 |
|