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Antoni Tàpies
Berlin Suite
1975
Mappe mit 10 Lithografien
Exemplar Nr. 94 von 150 signierten und nummerierten Exemplaren
Verlag: Propyläen
Druck: Poligrafa Barcelona
Größe: 55 x 76 cm und 76 x 55 cm
Erworben 1981
Biografie
Geboren 1923 in Barcelona, lebt und arbeitet in Barcelona. 1944 beginnt
er ein Jurastudium an der Universität von Barcelona, das er jedoch
ohne Abschluss abbricht, um sich ab 1945 ausschließlich der Malerei
zu widmen. 1950 Stipendium der französischen Regierung durch das
Institut Français in
Barcelona; Reise nach Paris. Der politisch und sozial engagierte Künstler
gründet 1984 die Stiftung Antoni Tàpies. Im gleichen Jahr
erhält er auch den Friedenspreis der Vereinten Nationen in Spanien,
nur eine seiner vielen Auszeichnungen. 1986 wird er Ehrenmitglied des
Wiener Künstlerhauses. 1988 erhält er die Ehrendoktorwürde
der Universität Barcelona und nur zwei Jahre später die der
Universität Glasgow. Anfänglich malt er Porträts im Stile
van Goghs und Picassos, später wendet er sich der abstrakten Malerei
zu, wobei er von Joan Miró, Max Ernst und Paul Klee beeinflusst
wird. Er beginnt aus einer unerschöpflichen Vielfalt an Materialien
Collagen herzustellen. In Paris begegnet er Jean Dubuffet, erhält
neue Anregungen und wendet sich dem Informel zu, dessen wichtigster spanischer
Vertreter er bis heute ist. Dabei fand Tàpies auch zu Bildmitteln,
die für ihn bis heute charakteristisch bleiben sollten. Mit verschiedenen
beigemischten Stoffen, mit Marmorstaub, Sand und Leim erhärtete er
die Farbe so, dass sie aufgestrichen auf den Malgrund diesen zum Relief
macht. Das Bild bekommt Objektcharakter und damit ebenso viele taktile
wie visuelle Reize. Seine Bildaussage mischt minimalistische Abstraktion
mit seiner geheimnisvollen Zeichenhaftigkeit, in der leitmotivartig immer
wieder die gleichen Zeichen, aber auch Elemente der Schrift benutzt werden.
Dazu erscheinen Relikte der Realität, im Abdruck oder in anderer
Form direkt auf den Bildträger übertragen. Später entdeckt
er auch die Lithografie für sich. 1968 gestaltet er Kirchenfenster
für das Kapuzinerkloster in Sion, Schweiz. In seinem Spätwerk
beschäftigt er sich mit Mythologie und Philosophie.
Zum Werk
In diesen Lithografien ist fast alles, was zum Wesentlichen von Tàpies
Werk gehört, angesprochen. Das Materialbewusstsein, in dem die Mittel
zum selbstständigen Ausdrucksfaktor werden, drückt sich in jenen
Blättern aus, die wie eine Collage wirken. Hier ersteht Collage,
aber auch pastoser Farbauftrag, als „Trompe l’oeil“.
Eine Illusion, die sich abweichend vom Üblichen nicht auf das Abgebildete,
sondern auf die benutzten Materialien bezieht. Ganz genau gibt Tàpies
selbst in der die Oberfläche nivellierenden Grafik zu erkennen, worauf
es ihm eigentlich ankommt. Weniger das „Ding auf dem Papier“
ist ihm wichtig, sondern das „Ding an sich“.
Es erscheinen auf diesen Grafiken auch die von Tàpies bevorzugten
erdigen Farben, die geheimnisvollen Zeichen, die Realitätsrelikte
und der Malgrund, der wie eine Mauer wirkt. Zu dieser Verdinglichung des
Bildträgers schreibt Tàpies: „Und am meisten war ich
erstaunt, als ich eines Tages plötzlich entdeckte, dass sich meine
Gemälde zum ersten Mal bei diesem Abenteuer in Mauern verwandelt
hatten... Wie viele Assoziationen können sich bei dem Bild der Mauer
und allen ihren Variationen einstellen! Trennung, Abriegelung, Klagemauern,
Gefängnismauern... glatte, heitere, weiße Oberflächen,
gemarterte, alte abgeschlagene Oberflächen... von Zerstörung,
von Katastrophen oder von Bauten, von Schöpfung, von Gleichgewicht...
Empfindung von Landschaft... von Zusammenbruch... Schweigen, Tod, Wunden,
Foltern... Hieben, Schreien... Meditation über ein kosmisches Thema...
Schicksal des Vergänglichen...“ Es erscheinen auf diesen Lithografien
aber auch chiffrenartig auseinandergenommen die Farben und die Symbolik
der katalanischen Flagge. Tàpies ist Katalane und hat sich zeitlebens
mit den Unabhängigkeits- und Freiheitsbestrebungen dieser Provinz
identifiziert. Und wenn die katalanischen Farben gelb und rot, die charakteristischen
vier Streifen in seinen Arbeiten erscheinen, so bringen sie stets den
Widerstand des Künstlers gegen die Gewalt der Mächtigen, gegen
das Franco-Regime im besonderen zum Ausdruck.
Bibliografie / Ausstellungen (Auswahl)
Schmalenbach, Werner (Hg.): Tàpies. Die achtziger Jahre. Bilder,
Skulpturen, Zeichnungen, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
1989
Tàpies, Antoni; Sommer, Achim; Franzke, Andreas: Tàpies,
Werke auf Papier 1943–2003, Wienand, Köln 2003
Catoir, Barbara: Empremtes – Spuren. Antoni Tàpies. Das Werk,
Köln 2003
Kliege, Melitta: Antoni Tàpies – Bilder und Vorstellungen,
Nürnberg 2004
Einzelausstellungen
Museo de Arte, Bilbao 1960
Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1962 (Katalog)
Kunsthaus Zürich 1962 (Katalog)
Art Museum, Pasadena 1963
Kunstmuseum St. Gallen 1967 (Katalog)
Nationalgalerie Berlin 1974 (Katalog)
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Bremen 1977 (Katalog)
Kunsthalle zu Kiel 1980 (Katalog)
Stedelijk Museum, Amsterdam 1980
Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven 1986
Bilder und Vorstellungen, Neues Museum Nürnberg 2004 (Katalog)
Gruppenausstellungen
26.–29./37./41./45. Biennale Venedig 1952/54/56/58/76/82/93
documenta 2/3/4, Kassel 1959/64/68
Stand: 8.10.2005
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