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Blatt 5

 

 

Ben Vautier

Mappe o. T.

1971
4 Blätter aus o.g. Mappe (5 l'art est inutile, 6 la vérité changera l'art, 8 noire, 10 ben vautier pablo picasso marcel duchamp
Siebdruck
je 60,0 x 70,0 cm
Exemplar 40/100
erworben 1986

Zum Werk
Ben Vautiers Kunst zeigt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Kunst. Demgemäß besteht sein Werk in der Hauptsache aus Schrifttafeln, auf denen er seine Gedanken in Sprache umgesetzt als Kunstwerke veröffentlicht. Dem abstrakten Thema entsprechend, das sich wie ein roter Faden durch die Kunst Ben Vautiers zieht, sind die Aussagen des Künstlers absolute Äußerungen: Ich Ben ich signiere alles; Ich signiere nicht mehr, oder Alles ist Kunst; Abwesenheit der Kunst=Kunst. Ben Vautier vertritt die These, dass alles Kunst ist, genauso aber die, dass nichts Kunst ist. Diese gegensätzlichen Aussagen können als Grenzen des künstlerischen Schaffens von Ben Vautier angesehen werden und sind zugleich beispielhaft dafür, wie er die Kunst betrachtet. Immer wieder äußert er sich widersprüchlich über die Situation der Kunst (Das Leben ist Kunst; wenn die Kunst überall ist, warum dann Kunst machen), und manchmal formuliert er paradoxe Sätze, um die scheinbar ausweglose Situation der Kunst zu verdeutlichen: Es ändert sich immer mehr, es ist immer mehr dasselbe. Ben Vautier bezeichnet die Situation des Künstlers als situation post-Duchamp: Mit Marcel Duchamps Ready-made hat der Zwang zum Neuen in der Kunst seinen Sinn verloren, weil er die Beliebigkeit der Kombinationen von Gegenständen, oder auch die der Auswahl eines einzelnen Gegenstandes, der zum Kunstwerk erklärt werden kann, einführte und damit zugleich das Prinzip der Kombination von Formen erschöpfte. Da Ben Vautier ein rationaler Mensch ist, sieht er sich als Künstler in der Nachfolge Duchamps.
Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Dilemma stellt er sich u.a. die Frage: wenn das Neue nicht mehr neu ist, ist es dann neu, nichts Neues zu machen? Bezeichnend für die Kunst Ben Vautiers ist das dialektische Denken, d.h. das Denken in Widersprüchen. So kann er gegensätzliche Aussagen gleichermaßen vertreten, denn er formuliert keine Behauptungen, sondern kritische Aussagen, über die nachgedacht werden muss. Ben Vautier nimmt solche widersprüchlichen Positionen versuchsweise und oft spielerisch ein. Diese Denkweise macht aber nicht seine ganze Person aus, sie ist vielschichtiger: Äußerungen wie Angst existiert oder ich bin traurig zeigen eine Emotionalität, die von diesem rationalen Dasein (zumindest vorübergehend) befreien kann.
An anderer Stelle wird klar, dass er dieses Gegengewicht genau dazu braucht, um vom Denken abzuschalten:
Es gibt nichts Besseres, als aufzuhören zu malen.
Es gibt nichts Besseres, als zu sagen, dass ich aufgehört habe zu malen.
Es gibt nichts Besseres, als aufzuhören zu denken, dass ich aufgehört habe zu malen.
Es gibt nichts Besseres, als ein Schlafmittel zu nehmen und zu schlafen.
Es gibt nichts Besseres, als aufzuhören zu schreiben.
Es gibt nichts Besseres, als fernzusehen.
Es gibt nichts Besseres, als ihnen zu sagen, dass die Kunst nicht existiert.
Es gibt nichts Besseres, als sich ins Bett zu legen und mit jemandem zu schlafen.
Es gibt nichts Besseres, als in eine Geige zu pinkeln.
Ben Vautier agiert auch als Performer und hat teilweise zusammen mit den Künstlern von Fluxus, teilweise auch allein Aktionen durchgeführt. Diese zeigen nicht nur sehr großen Humor (wie die Tatsache, dass er 1965 und 1970 seine Töchter als Kunstwerke signierte und sein Haus nach ihnen Chez Malabar et Conégonde benannte), sondern stellen auch eine große Egozentrik dar (seht mich an, das ist genug). Insofern ist Ben Vautier als ein Künstler zu sehen, der seine Auffassung Das Leben ist Kunst konsequent lebt und offensichtlich viel Spaß dabei hat.
zitiert nach Stephanie Sonntag, Bestandskatalog Bonner Kunstverein, 1992

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Stand: 5.11.2008

 
       
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