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Franz Erhard Walther

Die Zehn Gebote

1987
Mappe, 10 Siebdrucke mit Bleistift auf Bütten
Exemplar Nr. 8 von 12 signierten, nummerierten und datierten Exemplaren
Verlag: Edition Patricia Schwarz
Herausgeber: Galerie Achim Kubinski
Größe: 86,5 x 61,5 cm
Erworben 1988

1. immer nur den Anstrich erneuern, reicht auf Dauer nicht
2. wenn die äußere Form steht, kann das innere Bild nicht fallen
3. die Gefäße warten auf Füllung
4. der Sockel muß gefunden werden
5. der Ausgangspunkt liegt selten in der Mitte
6. Polieren ist keine Lösung
7. beim Blick aus dem Fenster formen sich die Begriffe
8. wer Resultate erwartet, braucht gar nicht erst anzufangen
9. das Ganze wird nur angedeutet
10. Bilder genügen als Antwort nicht

Biografie
Geboren 1939 in Fulda. Lebt in Halstenbeck. 1957–59 war er an der Werkkunstschule Offenbach, 1959–61 an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt und von 1962–64 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Karl Otto Götz. 1963–69 kam es zum „1. Werksatz“ mit textilen, handlungsbezogenen Objekten. 1967–71 lebte er in New York. 1969–72 folgte der „2. Werksatz“ aus begehbaren Metallobjekten. Im Jahr 1970 nahm er eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg an und war dort ab 1971 Professor für Bildhauerei. 1989 lieferte er einen Entwurf für die Kunsthalle Ritter in Klagenfurt. 1985 erhielt er den Günter-Fruhtrunk-Preis des Akademievereins München. 1995–97 wurde der 1. Werksatz nach Plänen aus dem Jahr 1969 verfilmt.
Walthers Objekte, die keine eigens beabsichtigten ästhetischen Qualitäten besitzen, sind funktionale Instrumente und mit Werkzeugen vergleichbar, die in bestimmter, durch ihre materiale Beschaffenheit vorgegebener Weise zu handhaben sind. Schon in den 60er Jahren während seines Studienaufenthaltes in den USA beschäftigte er sich mit dem experimentellen Erfinden von prozesshaften Erfahrungen an Materialien (zum Beispiel geschichtetes, geleimtes Papier) und Objekten (meist aus festen, handgenähten Textilien) und entwickelte sogenannte systematische „Werksätze“, die dem Publikum in Prozessdemonstrationen als „Instrumentarien“ von Objekterfahrung zur Eigenbenutzung unter Anleitung des Künstlers verfügbar gemacht wurden. Seit 1979 entstanden die farbigen „Wandformationen“ aus neutralen und starkfarbigen Baumwollstoffen, mit denen er die plastisch-skulpturale Kraft spezifischer Farben erprobte. Der Instrumentalcharakter der früheren Arbeiten verbindet sich hier mit der intensiven Eigenpräsenz der Installationen zu einem komplexen Erfahrungs- und Beziehungsfeld, bei dem die sich in die Installation hineinbegebende menschliche Gestalt integrierter Bestandteil der skulpturalen Gesamtwirkung wird. Walther geht es nicht hauptsächlich um die für die Kunst der 60er Jahre so typische materialästhetische Destruktion des Werkes, sondern um die ideenmäßige Erweiterung historisch fixierter Vorstellungen über das Verhältnis des Menschen zum Werk. Dass erstmals die selbstverantwortliche Beteiligung des Laien an ästhetischen Prozessen denk- und erfahrbar geworden ist, hat das Bewusstsein des Kunstpublikums und der Künstler wesentlich verändert. Dennoch ist Walthers Beispiel bislang ohne Nachfolge geblieben, und die Einmaligkeit seines Kunstentwurfs ist unumstritten. Das hat ihn zwar nicht zum populären, wohl aber zu einem der wichtigsten, anerkanntesten und international bekanntesten deutschen Künstler nach 1945 gemacht – trotz aller Schwierigkeiten. (Nach Michael Lingner)

Bibliografie / Ausstellungen (Auswahl)
König, K. (Hg.): Franz Erhard Walther. Objekte benutzen, Köln, New York 1968
Lingner, M.: Vom Sehen zum Sein, in: Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 2, München 1988
Damsch-Wiehager, R. (Hg.): Franz Erhard Walther. Antwort der Körper, Ausstellungskatalog, Galerie Villa Merkel, Esslingen, Stuttgart 1993
Sieben Werkgesänge, Eine Ausstellung von 1964, Ausstellungskatalog, Museum Fridericianum, Kassel, Vonderau Museum, Fulda 1994
Walther, F.E.: Gelenke im Raum, Ausstellungskatalog, Deichtorhallen, Hamburg 1998

Einzelausstellungen
Demonstration des 1. Werksatzes und einiger vorbereitender Stücke, Aula der Kunstakademie Düsseldorf 1967
Diagramme, Teile aus dem 1. Werksatz, Städtisches Kunstmuseum, Bonn 1976
Werke 1961–1978, Nationalgalerie Berlin 1981 (Katalog)
ORGANON, Institut für Moderne Kunst, Nürnberg 1985
WERKrede, Werke 1958–86, Kunsthalle Nürnberg 1992 (Katalog
Zeichnungen 1955–1997, Configurations, Hessisches Landesmuseum, Darmstadt 1999
Dependant Objects, Busch-Reisinger Museum, Cambridge 2004

Gruppenausstellungen
SPACES (5 Räume 5 Künstler – M. Asher, L. Bell, Dan Flavin, R. Morris, F.E. Walther), The Museum of Modern Art, New York 1970
Documenta 5/6/7/8, Kassel 1972/77/82/87
Werkzeichnungen zum 2. Werksatz, 14. Internationale Biennale, São Paulo 1977 (Katalog)
Sculpture from Germany, San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco 1984
Internationale Biennale von Portugal, State of Siege, Obidos 1993
Out of Actions, Between performance and the object, 1949–79, The Museum of Contemporary Art, Los Angeles 1998
Ready to Shoot – Fernsehgalerie Gerry Schum, Kunsthalle Düsseldorf 2004

Stand: 8.10.2005

 
           
 
Ausstellungen der Städtischen Sammlung Erlangen:
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